Ein multikulti tanzendes Osterfest! Ostereier, Ostermärsche, Ostertänze: Auf arte.tv und in vielen Opernhäusern wird zu Ostern buntes Ballett getanzt – von London und Paris über Berlin und Dresden bis nach Prag und Moskau. Der Choreograf Yuri Possokhov und der Superstar Rudolf Nurejew sind gleich mehrfach in diesem Osterprogramm vertreten. 3sat zeigt derweil einen fabelhafte Doku über Ostereier

"Dona Nobis Pacem" von John Neumeier

Lennard Giesing und Louis Musin in „Dona Nobis Pacem“ von John Neumeier. Foto vom Hamburg Ballett: Kiran West

Friede, Freude, Eierkuchen? Während Menschen und Maschinen die Welt weiterhin in Schutt und Asche legen und so manche ihre kläglichen Bemühungen, das Klima zu retten, als Heldentat ausgeben, sollte die strahlende Leuchtkraft des Balletts an Feiertagen nicht vergessen werden. Und eint und versöhnt der Tanz nicht auch? „Dona Nobis Pacem“: Hätte John Neumeier mit seiner Vertanzung der „Matthäus-Passion“ 1981 nicht schon längst das ultimative Osterballett kreiert (unsterblich als DVD im Handel), so würde dieser inoffizielle Titel seinem 2022 uraufgeführten „Dona“-Ballett zur h-Moll-Messe von Bach gebühren. „Gib uns Frieden“ lautet der lateinische Titel übersetzt, und das Stück zeigt auf sehr moderne Weise das Leiden am Krieg, die Sehnsucht nach Frieden, die Utopie des freien und respektvollen menschlichen Miteinanders. Jetzt zeigt arte concert auf arte.tv dieses bemerkenswerte Friedenstanzstück online, vom Hamburg Ballett im Jahr der Uraufführung brillant getanzt. Wer dazu noch einen Ostermarsch besucht (diese Tradition lebt gerade in vielen Städten wieder auf) und seine Ostereier kunstvoll und ökologisch korrekt bemalt (Inspiration gewährt hierzu eine Doku in der Mediathek auf 3sat.de), darf sich schon voll österlich im Trend 2026 wähnen. Ein Ballettbesuch live sollte allerdings nicht fehlen, und auch dazu gibt es gute bis beste Möglichkeiten: von London oder Paris über Berlin und Dresden bis Prag und Moskau. Schließlich ist Ballett eine internationale Kunst, die Menschen miteinander verbindet und nicht trennt.

"Roméo et Juliette" von Nurejew in Paris

„Roméo et Juliette“ in der Choreografie von Rudolf Nurejew gibt es zu Ostern 2026 in Paris zu sehen. Videostill vom Trailer: Gisela Sonnenburg

Ein Klassiker erwartet die Ballettomanen in der französischen Hauptstadt. Und in was für einer farbenprächtigen Inszenierung! „Roméo et Juliet“ in der die Leidenschaft betonenden Choreografie von Rudolf Nurejew läuft beim Ballett der Pariser Opéra am Karsamstag und am Ostersonntag – wer es schafft, eine Vorstellung zu besuchen, wird das sicher nicht bereuen. Und Paris im Frühling soll ja sowieso eine Reise wert sein.

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Das Londoner Royal Ballet, an dem Nurejew bekanntlich vor allem als Startänzer mit Margot Fonteyn gewirkt hat, zeigt hingegen an diesem Karsamstag das nach einem österreichischen Jagdschloss benannte Stück „Mayerling“ von Kenneth MacMillan: ein grandioses Kostümballett über den Untergang der Habsburger Monarchie am Beispiel des Schicksals der tragischen Figur von Kronprinz Rudolf, dem Sohn der beliebten Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi.

Aber auch im deutschen Inland ist prima was los:

Das Ballett "Vom Fischer und seiner Frau" am Landestheater Detmold

Geschmeidig und naturhaft: Das Ballett vom Landestheater Detmold probt „Vom Fischer und seiner Frau“ von Katharina Torwesten und Robert Lillinger. Die Uraufführung ist am Karsamstag 2026. Foto: Landestheater Detmold

Eine Uraufführung von hohem Rang gönnt sich am Karsamstag das Landestheater Detmold: „Vom Fischer und seiner Frau“ erzählt in sinnlichen Tanzbildern der Choreografin Katharina Torwesten zur sanft-expressionistischen Musik von Robert Lillinger das in vielen Sprachen und Kulturen bekannte gleichnamige Märchen in ganz neuem Format, nämlich als hintergründiges Märchenballett. Ein großartiges Unterfangen. Wir wünschen von Herzen: Toitoitoi!

Die Eheleute Sunhild und Christian Sutter sind private Ballett-Mäzene

Toll und manchmal grell: Wataru Shimizu in der „Tanzhommage an Queen“, dem beliebten Tanzstück von Ben Van Cauwenbergh beim Aalto-Ballett. Foto: Bettina Stöss

An Ostersonntag wird es dann beim Aalto-Ballett in Essen turbulent: mit der vielfach bewährten „Tanzhommage an Queen“ von Ben Van Cauwenbergh zur Musik, nun ja, was sonst, der legendären Popgruppe Queen. Hier fliegen die Fetzen, wie man so sagt, und wer da nicht in Wallungen kommt, sollte vielleicht zum Arzt gehen.

Etwas weniger populär, dafür dreiteilig und extra bunt im Sinne der Stilvielfalt, steigt, ebenfalls am Ostersonntag, die „Orgelpassion“ vom Ballett am Rhein in Düsseldorf: Stücke von Stina Quagebeur, Glen Tetley und Goyo Montero bieten klanggewaltige Abwechslung. Das Glanzstück darin wird mittig getanzt: „Voluntaries“ („Freiwillige“) von Glen Tetley entstand 1973 zu Musik von Francis Poulenc, der Orgel in Kombination mit Streichern und Pauke auffährt. Wow!

"Boléro" in München mit Jakob Feyferlik

Der Ausnahmetänzer Jakob Feyferlik – passioniert und sinnlich – tanzt am Karsamstag beim Bayerischen Staatsballett in München die Hauptpartie in „Boléro“ von Maurice Béjart – zu sehen in „Waves and Circles“ im Nationaltheater. Yeah! Foto: Nicholas MacKay

Schon einen Abend zuvor, nämlich am Karsamstag, zeigt das Bayerische Staatsballett ebenfalls eine multikulti-kunterbunte Triple Bill: Die „Waves and Circles“ („Wellen und Kreise“) vereinen zeitgenössische Stücke von William Forsythe und Emma Portner mit dem Dauerbrenner „Boléro“ von Maurice Béjart aus dem Jahr 1961. Was niemanden wirklich kalt lässt. Zudem verspricht die Besetzung mit dem Ausnahmeballerino Jakob Feyferlik in der Hauptpartie ganz besonderen Genuss. Glückwunsch an alle, die hier Tickets ergattern konnten!

Mitreißend kann aber auch die pure Klassik sein. Das Semperoper Ballett, das an dieser Stelle ein Extralob für seine große Bandbreite in höchster Qualität verdient hat, zeigt am Ostersonntag seine durch und durch lieblich-dramatische Version von „Dornröschen“ zur beliebten Musik von Peter I. Tschaikowsky.

"Dornröschen" beim Semperoper Ballett

Umwerfende Schönheit, ein bezauberndes Tableau: „Dornröschen“, ganz klassisch, beim Semperoper Ballett. Foto: Admill Kuyler

Marius Petipa, Aaron S. Watkin und Marcelo Gomes zeichnen für die Choreo verantwortlich. Eine schöne Brücke von München aus ist die Besetzung der Hauptdarstellerin, der Prinzessin Aurora („Dornröschen“) mit Elena Karpuhina. Die junge Belgierin wurde nämlich an der Hochschule für Musik und Theater in München ausgebildet und tanzte zunächst im Bayerischen Staatsballett. Servus und alle guten Osterwünsche!

"Dornröschen" beim Semperoper Ballett

Die schöne Elena: Elena Karpuhina, in München ausgebildet und beim Semperoper Ballett derzeit als Solistin engagiert, tanzt am Ostersonntag in Dresden das „Dornröschen“. Foto: Admill Kuyler

Man kann aber auch noch weiter ostwärts wandern, und das nicht nur gedanklich. Dresden liegt – von der Mitte Deutschlands aus wie auch von München aus gesehen – auf dem direkten Weg nach Prag (was eine erhebend schöne Zugfahrt ist, mitten durchs Elbsandsteingebirge). Und auch in der tschechischen Hauptstadt wird getanzt, und zwar gleich zwei Mal am Ostersonntag:

Es gibt eine Doppelvorstellung der edel-tragischen, früh sozialkritischen Liebesschmonzette „L’Histoire de Manon“, also der „Geschichte von Manon“ – einem modernen Ballettklassiker von Kenneth MacMillan nach dem barocken Roman von Abbé Prévost. Eine der Prager Besetzungen der Titelrolle ist übrigens Aya Okumura, die sicher viele Berlinerinnen und Berliner noch in bester Erinnerung haben. Wenn das nicht ein Grund mehr ist, einen ganz unblutigen Prager Frühling zu genießen!

Glamourös: die Gala vom ersten YGP Germany

Auch in Dresden, London und Paris lief die „Geschichte von Manon“ schon. Hier sehen wir Hugo Marchand aus Paris als verträumter Des Grieux am Schreibpult. Foto von der ersten YGP-Gala in Berlin: Gisela Sonnenburg

Noch weiter östlich liegt der Olymp des Balletts, das Bolschoi Theater (dessen Homepage leider derzeit von der EU aus kaum zu erreichen ist, was mit der grandios unsäglichen Sanktionspolitik der EU unter einer gewissen Ursula von der Leyen zu tun hat, die sich jetzt offenbar zunehmend auch ohne Rechtsgrundlage in die Kultur einmischt).

Am Karsamstag und am Ostersonntag zeigt das Bolschoi Ballett das unbedingt sehenswerte zeitgenössische Handlungsballett „Die Möwe“ (auf englisch: „The Seagull“) von Choreographiestar Yuri Possokhov zur Musik von Ilya Demutsky. Es weicht von der Vorlage des gleichnamigen Dramas von Anton Tschechow von 1895 ab und spielt in der Gegenwart – sehr aufregend!

"The Seagull" ("Die Möwe") von Yuri Possokhov am Bolschoi Theater in Moskau

Svetlana Zakharova als Arkadina und Artemy Belyakov als Trigorin: Weltstars des Balletts tanzen hier „The Seagull“ („Die Möwe“) von Yuri Possokhov am Moskauer Bolschoi Theater. Foto: Bolschoi Ballett

Ebenfalls vom Duo Possokhov / Demutsky stammt beim Staatsballett Berlin der neue Knüller im Programm: „Nurejew“ zu Leben und Werk, Lieben und Sterben des ballettösen Superstars Rudolf Nurejew. Es wird am Karsamstag und am Ostermontag in Berlin getanzt.

Zudem ist „Nurejew“ – mit leider nicht so gelungener Kameraführung und auch eher schlecht ausbalancierter Belichtung – auf arte.tv zu sehen.

Wobei die auf arte.tv im Vorspann vom Stream kredenzte Behauptung, das Stück sei in Moskau „offiziell vom Spielplan genommen“ worden, so nicht stimmt: Es wurde nach etlichen Jahren Laufzeit seit der Uraufführung 2017 nicht in die damals kommende Spielzeit 2023/24 übernommen, und eben diese neue Spielzeit wurde am 23. April 2023 bekannt gegeben. Mit „abgesetzt“ oder gar „verboten“ ist dieser Vorgang falsch beschrieben, denn das wäre nur richtig, wenn das Stück für eine Spielzeit, in der es auf dem Plan stand, abgesagt worden wäre. Dass man nicht mit allem, was sich in der Moskauer Gesellschaft abspielt, einverstanden ist, und dass in Russland in Sachen Akzeptanz von offen gezeigter Homosexualität noch viel zu lernen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Man sollte dennoch keine Fakes basteln, nur um eine Sensation vorzutäuschen.

Ostereier

Die wunderbare Geschichte wunderbarer Ostereier – zu sehen in der Mediathek von 3sat. Videostill: Gisela Sonnenburg von 3sat

Aber man muss sich nicht unnötig aufregen, zu Ostern erst recht nicht. Besser ist es, sich nochmals „Dona Nobis Pacem“ auf arte.tv anzuschauen… um sich dann gegenseitig eine so anregende wie entspannende und gern auch innig gedankenreiche, warum nicht auch mal gebetsintensive Osterzeit zu wünschen!
Gisela Sonnenburg 

"Dona Nobis Pacem" von John Neumeier

Ida Praetorius und Jacopo Bellussi im berührenden Pas de deux in „Dona Nobis Pacem“ von John Neumeier beim Hamburg Ballett. Foto: Kiran West

„Dona Nobis Pacem“ ist hier anzusehen:

https://www.arte.tv/de/videos/109725-000-A/john-neumeier-dona-nobis-pacem/

Die Friedensmarsch-Termine gibt es hier:

https://www.friedenskooperative.de/termine?thema=69

„Ostereier – Fantastisch, bunt und voller Magie“ gibt es hier:

https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/ostereier-fantastisch-bunt-und-voller-magie-100.html

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