
Dirigent Teodor Currentzis im Film in Aktion, hier beim Schlusssound von Gustav Mahlers dritter Sinfonie. Ein Erlebnis. Videostill aus „Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis“ von Jan Schmidt-Garre: Gisela Sonnenburg
Kim Hess – diesen Namen muss man sich wirklich nicht merken. Oder doch: zum Ausweichen. Hess, ihres Zeichens Dokumentarfilmerin, verbreitet nämlich die Mär, Buhrufe am Theater kämen „Persönlichkeitsrechtsverletzungen“ gleich. Sie beweist schon damit, dass sie nur wenig Verstand, keine Sachkenntnis und schon gar keine Bereitschaft zu Toleranz gegenüber leidenschaftlichen Kritikern hat. Kein Wunder, dass diese langweilige, zudem lispelnde Person eine Kumpeline des peinlichen Möchtegerngenies Demis Volpi ist. Volpi, zur Erinnerung, war der kurzzeitige Katastrophenchef vom Hamburg Ballett, der die Truppe an den Rand des Zusammenbruchs brachte, bevor er nach wenigen Monaten im Amt 2025 geschaßt wurde. Auf dem Hamburger Filmfest 2026 durfte Kim Hess nun ihr Machwerk über Volpis Unglück vorstellen. Transpiration statt Inspiration erwartete die Besucher. Der hochtrabende Titel: „Between Times – The Hamburg Ballet in Transition“. Wenn man nicht gerade Ulrike Schmidt heißt und mit eher ungebildeten Sponsoren im Schlepptau weiterhin blind zu Volpi hält – obwohl zig Tanzkünstler in Hamburg und Düsseldorf glaubhaft offenbarten, was für einen banal-monströsen Charakter Volpi hat – dann vergisst man jetzt am besten ganz schnell, wofür da nun wieder Geld da war. Während andere Kulturschaffende darben. Viel eher zu genießen ist ab Donnerstag, dem 15. Oktober (Kinostart in Deutschland), der ebenfalls englisch betitelte Film „Junkies of Deaming – Mahler 3 Currentzis“: In ihm ist zu erfahren, wie der Dirigent Teodor Currentzis mit seinem Utopia Orchestra in der Idylle des alten Berliner Funkhauses in Oberschöneweide die dritte Sinfonie von Gustav Mahler probt. Die „Dritte“, Ballettfreunden als choreografisches Meisterwerk von John Neumeier und manchen auch als sinnliche Miniatur „Satyrisches Erwachen“ von meiner Wenigkeit bekannt, wird von Currentzis sanft und säuselnd, spritzig und schillernd und alles in allem so plätschernd wie ein Meer voller Wellen und Windböen interpretiert.

Das Orchester meistert die dritte Sinfonie von Gustav Mahler nach harten, aber schönen Proben mit Teodor Currentzis. Zu erleben in „Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis“. Daher stammt auch das Videostill von Gisela Sonnenburg
Die Kamera von Ralph Netzer, ergänzt von der von Thomas Keller, bezaubert dabei den Blick. Der Dirigent wird vor mysteriösem Schwarz beim Alleinproben eingefangen; das Orchester wird menschlich lebendig, wenn ein Miteinander die Musikerinnen und Musiker erfasst; die sommerliche Natur sowie die ergreifende Architektur des Geländes vom Funkhaus in Berlin-Oberschöneweide umarmen einen wie ein paradiesischer Gruß mit stilsicherem Ewigkeitsnimbus.

Räume zum Träumen: Das Funkhaus in Berlin-Oberweide. Originell und typisch für eine Stadt, die immerzu im Werden ist. Videostill aus „Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis“: Gisela Sonnenburg
Es beginnt und endet mit dem letzten, dem sechsten Satz der Sinfonie, vom Komponisten Gustav Mahler „Was mir die Liebe erzählt“ benannt. John Neumeier hat oft damit seine Marathon-Nijinsky-Galas geschmückt, und wenn zu Anfang die Streicher ganz sanft und am Ende die Pauke ganz hart ein neues Zeitalter ankündigen, darf man sich so entrückt fühlen, als fielen alle Feiertage auf eine einzige Sekunde.
Während der berückenden Filmaufnahmen werden auch mal Zitate aus Briefen von Mahler aus dem Off verlesen. Sie ergänzen die Musik, erläutern die Entstehung dieser Sinfonie. Die menschliche Stimme kulminiert dann jedoch mit Kunst, und zwar mit der Altistin Wiebke Lehmkuhl, die den vierten Satz („Oh Mensch, gib Acht“) sehr konzentriert und sinnenhaft lebendig singt.
Die Probenatmosphäre, das langsame Wachsen des Werks während der Einstudierung, die Fortschritte und die Schönheit des Werdens durchdringen diesen Film. Welche Inspiration!

Lesen Sie hier, was nicht in BILD und SPIEGEL steht! Und spenden Sie! Journalismus ist harte Arbeit, und das BALLETT-JOURNAL ist ein tapferes Projekt ohne regelmäßige Einnahmen. Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Presse- und Meinungsvielfalt! Wir danken es Ihnen von Herzen, wenn Sie spenden, und versprechen, weiterhin tüchtig zu sein. Wie schon seit 2014 und seit über 1.200 Beiträgen.
Wie man auf die wunderbare Location kam, erfährt man allerdings nicht. Vielleicht war es das BALLETT-JOURNAL, das hier als Tippgeber fungierte. Denn wir berichteten bereits 2018 anlässlich einer Aufführung des Bundesjugendballetts im famosen großen Radiosaal über das Funkhaus.
Gebaut wurde es übrigens ab 1952 als Radiositz in der DDR. Und dass es einen Ballettsaal dort gibt, liegt daran, dass man früher Live-Konzerte aus dem Rundfunkhaus in den Pausen mit Balletttänzen ergänzte.
So tief tauchen wir mit dem Film nun nicht in die Geschichte des Hauses ein. Aber dafür liefert das Drehbuch so einige interessante Reminiszenzen über Mahler und sein kompliziert-verwirbeltes Liebesleben.

Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe zu Stil, Kultur und guter Musik niemals! Videostill aus „Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis“: Gisela Sonnenburg
Regisseur Jan Schmidt-Garre leistete hier ganze Arbeit, und sogar, wenn man den sich bei der musikalischen Inszenierung selbst nicht wenig darstellenden Dirigenten Teodor Currentzis nicht übermäßig schätzt: Hier gewinnt er, kann seinen interpretatorischen Standpunkt klarmachen und mit der unkaputtbaren Musik von Mahler begeistern.
Pan erwacht hier zu neuem Leben, ganz egal, wie das Wetter draußen gerade ist!
Gisela Sonnenburg

Aus dem Dunkel stets ins Licht: Kamerafahrten, elegant und stilsicher, zu sehen in „Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis“ von Jan Schmidt-Garre. Videostill: Gisela Sonnenburg
https://barnsteiner-film.de/currentzis/
https://www.filmfesthamburg.de/film-info/between-times-the-hamburg-ballet-in-transition/