
Der weiße Rausch: Als Ballett im Ballett tanzen die weißen Schwanenmädchen auf, und der König in „Illusionen – wie Schwanensee“ macht eine existenzielle Erfahrung mit ihnen: Er wird zum Künstler. So zu sehen beim Bayerischen Staatsballett. Foto: Wilfried Hösl
Das bestmögliche neue Jahr sei allen Leserinnen und Lesern von Herzen gewünscht! Und los geht es mit Volldampf im Ballett im Januar 2026: Das ZDF ermöglicht heute, am 1. Januar 26, die Ansicht der jüngsten beiden Uraufführungen von John Neumeier, getanzt vom Wiener Staatsballett im Rahmen des schon legendären Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker (11.15 Uhr, Wiederholung auf 3sat). Neumeier-Stücke gibt es im Jänner auch in Hamburg und München zu sehen – jeweils mit zwei großartigen abendfüllenden Handlungsballetten des Tanztitans: „Der Nussknacker“ und „Tod in Venedig“ laufen beim Hamburg Ballett, und mit „Der Nussknacker“ und den „Illusionen – wie Schwanensee“ beim Bayerischen Staatsballett gibt es im Nationaltheater München großartige Höhepunkte. Wer es irgendwie einrichten kann, gehe hin! Es gibt nichts Besseres zur Komplettierung etwa eines „Dry January“ oder auch „Veganuary“ – oder auch der so genannten Normalität, die uns im Januar erfahrungsgemäß langsam, aber sicher, wieder einholt.

„Der Nussknacker“ von John Neumeier, hier mit Leslie Heylmann und Matias Oberlin. Foto vom Hamburg Ballett: Kiran West
„Die Kameliendame“ von Neumeier gibt es übrigens Ende Januar als Gastspiel vom Hamburg Ballett in Lüttich zu sehen. Falls jemand dort ist oder Zeit und Lust zu reisen hat…
Auch das Semperoper Ballett tanzt John Neumeier in diesem Januar: „Nijinsky“, sein wahrscheinlich großartigstes Werk, steht vier Mal auf dem Spielplan. Nicht verpassen!

Moisés Carrada Palmeros tanzt den „Goldenen Sklaven“ zur Musik von „Scheherazade“ von Rimsky-Korsakow in „Nijinsky“ von John Neumeier. Foto vom Semperoper Ballett: Admill Kuyler
Das Staatsballett Berlin erfreut derweil mit einer Matinee zum Thema „Rudolf Nurejew“ – in Vorbereitung seiner mit großer Spannung erwarteten, kommenden Premiere mit dem wild getanzten Biopic „Nurejew“ von Kirill Sebrennikow und Yuri Possokhov. Außerdem wird die „Winterreise“ von Christian Spuck mit der Musik von Hans Zender wieder aufgenommen – auch sie ist sehr sehenswert.

Tableau der Leiber mit Krähen aus der Schlussszene „Der Leiermann“ der „Winterreise“ von Christian Spuck beim Staatsballett Berlin. Auch auf arte in der Mediathek arte concert auf arte.tv zu sehen! Foto: Carlos Quezada
Und: Sie steht als Aufzeichnung bis auf weiteres in der Mediathek von arte concert auf arte.tv – und genau dort kann man nicht nur Neumeiers „Nussknacker“, sondern auch die famose „Sylvia“ von Manuel Legris mit dem Ballett der Pariser Opéra bewundern. Ob auf dem Handy, Tablet, Laptop, Computer oder auf der großen heimischen Leinwand: arte bildet.
Live-Ballett sollte man aber auch nicht unterschätzen. Das Ballett Dortmund verwöhnt sein Publikum im Januar weiterhin mit zwei seiner Tophits: der melancholische „Schwanensee“ in der letzten Version von Xin Peng Wang und die modern-apokalyptische „Carmina Burana“ von Edward Clug locken zu den wirklich hervorragenden Tänzerinnen und Tänzern dort.

Wie Adam und Eva ohne Kitsch: zu sehen in „Carmina Burana“ von Edward Clug beim Ballett Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg
Im Südwesten geht derzeit die Ballett-Luzi ab, zumindest, was das Terminvolumen angeht. Das Stuttgarter Ballett bietet am 10. Januar 26 unter dem Titel „Interaktion“ einen Premierenabend mit drei wenig bekannten zeitgenössischen Stücken, die keine Uraufführungen sind. Allerdings haben sie teilweise experimentellen Charakter, sodass sie auch nicht im Opernhaus, sondern im Schauspielhaus stattfinden. Empfehlenswert in jedem Fall ist dann die Wiederaufnahme von „Novitzky / Dawson“ im großen Haus in Stuttgart.
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Gisela Sonnenburg

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