Viel Wind, viel Kraft, viele Verluste Windkraft gilt als saubere Zukunftsenergie. Aber es gibt zunehmend Kritik: Die ökologischen und ökonomischen Risiken wurden bislang wohl unterschätzt

Windkraft muss auch kritisch gesehen werden

Abholzung in großem Stil ist unvermeidlich, wenn eine Windkraftanlage in einen Wald implantiert werden soll. Wie hier. Foto: Theo Feger / Gegenwind Kraftgruppe

Es brennt, in über hundert Metern Höhe, und die Feuerwehr schaut tatenlos zu. Sie ist immer machtlos, wenn ein Windrad brennt. Hoch oben, bei drehenden Rotoren, können auch Löschhubschrauber nichts ausrichten. So rieseln verkohlte und noch brennende Trümmer in das umgebende Feld-, Wald- oder Wiesengebiet. Tagelang, bis der Brand von selbst erlischt. Das Gelände wird derweil weiträumig abgesperrt. Später werden die Äcker nach Windradteilchen abgesucht. Sie sind schädlich für die Natur und die Landwirtschaft. Solche Bilder gab es ab letztem Neujahrstag aus Niedersachsen, als nahe Lüneburg ein Windrad brannte. Ab Pfingstsamstag stand dann in Kitzingen in Bayern eine Turbine in lichterlohen Flammen. Und wenige Wochen später brannte ein Windrad bei Bönen in Niedersachsen. Die starke Rauchentwicklung bedeutete da auch für Menschen eine Gefahr.

Noch gibt es in Deutschland zwar kein Beispiel für einen großflächigen Waldbrand, der von einem brennenden Windrad ausging. Lediglich eine Häufung von Waldbränden in der Nähe von Aufwind erzeugenden Windrädern, wie in Falkenberg/Elster in Brandenburg, fällt den Feuerwehren vor Ort auf. Aber in Griechenland wurden Anfang August 2026 drei Verdächtige – darunter ein Windparkbetreiber – verhaftet, weil man ihnen zur Last legt, mit unsachgemäß betriebenen Windkraftanlagen den großen Waldbrand nahe Athen verursacht zu haben. 10.000 Hektar Wald verbrannten, dazu ungezählte Tiere.

Der Bundesverband Windenergie geht von fünf bis zehn brennenden Windrädern pro Jahr in Deutschland aus. Je mehr Windräder gebaut werden, desto höher wird aber auch die Zahl der Brandunfälle sein. Noch öfter brechen und bröseln Windradflügel, ohne zu brennen – ohne erkennbare Ursache. Ab einem Alter von etwa 20 Jahren gelten die meisten Windkraftanlagen sowieso als veraltet und werden rückgebaut. Je nach Verschleiß können sie auch schon früher nicht mehr sicher sein.

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So wie „Alpha Ventus“ in der Nordsee, nördlich von Borkum. Als erster deutscher Offshore-Park wird die 2010 eingeweihte Anlage ab 2027 abgebaut. Ob sie sich gerechnet hat? Für ihren Betreiber DOTI schon. Die Allgemeinheit aber zahlt bei erneuerbaren Energien in Deutschland oft drauf. Den notwendigen häufigen Stopps der Räder, etwa bei Netzüberlastung, folgt der Verbrauch teurer  Anschubenergie. Ob sich Windkraft ohne Subventionen und überhöhte Strompreise überhaupt lohnt, kann niemand mit Gewissheit sagen. Denn auch die Effizienz von Windkraft ist umstritten, ihre reale Leistung wird oft überschätzt.

Das zeigen jüngere, ernüchterne Berichte. Der Konzern BP habe sich mit Wind „verzockt“, schrieb etwa die FAZ in diesem Jahr. Das „Handelsblatt“ barmte, man bräuchte einen „Rettungsplan für Offshore-Wind“, denn zwei der Großinvestoren, die in der Nordsee weitere Windparks bauen wollten, cancelten ihre Pläne. In Sachsen bei Oberwiera wird derweil die ehemals größte Windkraftanlage im Land abgebaut. Grund: störende Brummgeräusche, die den Anwohnern das Leben erschwerten. Das Brummen ließ sich mit einfachen Handymikrofonen dokumentieren. 2023 war die Anlage in Oberwiera ans Netz gegangen. Aufgrund der Beschwerden hatte der dänische Hersteller Vestas dann zwar Betriebsteile ausgetauscht, allerdings ohne Wirkung.

Ein anderes Beispiel für unvorhergesehenen Ärger durch Windkraft: Ein abgebrochenes Rotorblatt trieb Ende Juli diesen Jahres in der Nordsee. Mit 20 Metern Länge bildete es, ohne auf den Radaren zu erscheinen, eine Gefahr für Schiffe. Der Betreiber EnBW des Nordsee-Windparks „He Dreiht“ – der Name ist plattdeutsch und bedeutet „Er dreht“ – war nicht in der Lage, sein Objekt zu bergen. Die Bundespolizei musste ran. Solche Spezialeinsätze wegen Windkraft kosten, laut dem Studio Oldenburg des ndr, inklusive Arbeitsschiffeinsatz, Zersägen des Rotorblatts und Hafenumschlag, sechs- bis siebenstellige Summen.

Windkraft muss auch kritisch gesehen werden

Ein toter Rotmilan steht für die alltägliche Zerstörung der Natur durch Windkrafträder. Foto: Niklas Banowski / NABU

Die oft teuren Maßnahmen nach Unfällen lassen Windkraft zunehmend bei Investoren in Verruf kommen. Aber auch Ornithologen sind mit der Windkraft unzufrieden. Experimente, Vögel mit Radar vor den Rotoren zu warnen, schlagen oftmals fehl. Software, die die Turbinen zum Stillstand bringen soll, wenn sich große Vögel nähern, erbrachte bisher nicht die erwünschte Wirkung. Nicht selten prallen Greifvögel, was auch die Fachleute vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) überraschte, mit still stehenden Turbinen zusammen. Mit tödlichem Ausgang für das Tier.

Die internationale Datenbank Movebank der Max-Planck-Gesellschaft speichert Flugrouten und soll Rotmilane schützen, die unter Artenschutz stehen, weil sie nur in Deutschland brüten. Aber die Erfolge sind bislang nicht so wie erwartet. Die Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen mit Sitz in Gießen erhofft sich mehr Schutz für die Tiere, indem sie Rotmilane mit GPS-Sendern ausstattet, damit ihre Flugrouten genau erkannt werden können. Dem Rest der Vogelwelt passiert bei Windradkollisionen dasselbe wie beim Aufprall auf spiegelnde oder durchsichtige Glasscheiben: Am Ende steht meistens der Vogeltod.

Vögel sind auch vom gut dokumentierten, dramatischen Insektenrückgang in Deutschland betroffen. Denn ihnen fehlt somit die Nahrung, vor allem für ihre Brut. Die „Krefelder Studie“, die sich von 2013 bis 2017 erstreckte, wies einen im Umkreis von Windrädern vorhandenen Insektenrückgang von lokal bis zu 80 Prozent nach. Als besonders problematisch gilt, dass Windräder neuerdings mitten in Wälder gesetzt werden.

Schon um sie dort zu errichten, müssen Schneisen in den Wald geschlagen werden. Das Fundament eines Windrades hat das Ausmaß das eines Mehrfamilienhauses. Das ist ohnehin ein ungelöstes Problem bei Windrädern: Was geschieht mit den Betonfundamenten? Wenn ein Windrad nach spätestens zwanzig Jahren aus Gründen der Altersschwäche abgebaut wird, verbleibt der Großteil des Sockels im Erdreich – und stört dort langfristig. Im Wald ist aber schon die Errichtung dessen hoch problematisch: Um Baumaterialien und schweres Gerät – darunter Bagger, Stahl und Beton, aber auch die großen Rotorblätter –  durch den Wald zu fahren, wird vielen Tieren das Leben zumindest vorübergehend verunmöglicht. Die meisten Wildtiere brauchen große Reviere, in denen sie sich frei bewegen und ihre wechselhaften Lebensphasen durchmachen können. Straßen und Bagger zerschneiden diese Lebensräume, was dazu führt, dass sich die Tiere nicht mehr vermehren oder nicht genügend Nahrung finden.

Zudem haben viele Insekten und Vögel ihre Brutstätten im Wald. Für sie wird die Heimat und die Kinderstube durch die Windkraft rasch zur Todesfalle. Naturschützer haben zwar durchgesetzt, dass in Brutgebieten des Rotmilan Windräder verboten sind. Aber den anderen Vogelarten nützt das nichts. So warnt der NABU Berlin eindringlich davor, städtische Waldgebiete wie den Berliner Grunewald mit Windrädern zu bestücken.

Windkraft muss auch kritisch gesehen werden

Im mdr stellten Feuerwehrleute klar, dass sie in der Nähe von Windkraftanlagen gehäuft Waldbrände beobachten. Videostill vom mdr: Gisela Sonnenburg

In Berlin ist der Mangel an gewöhnlichen Spatzen bereits so frappierend, dass das Verwaltungsgericht den Abriss von Gebäuden, in denen Spatzen nisteten, per Verfügung untersagte. Noch vor zehn Jahren konnte man in der Hauptstadt outdoor kaum ein Stück Brot oder Kuchen essen, ohne dass sich eine Schar Spatzen einfand. Heute fehlen die niedlichen Allerweltsvögel. Ein Grund dafür, so eine neue Erkenntnis des NABU, liegt in der energetischen Sanierung der Fassaden. Denn in Gebäudemauern alter Machart bohren Spatzen kleine Löcher, um sie als Nisthöhle zu nutzen. Wenn die Fassade aber fest isoliert ist, können die zarten Schnäbel dort nichts aufreißen. Wobei auch die Versiegelung der Böden und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft – bis hin zu Glyphosat und Neonicotinoiden – eine Rolle spielen, wenn es um die Ursachen des Insekten- und Vogelschwunds geht.

Feldvögel wie Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn haben laut dem NABU in den letzten Jahrzehnten einen Bestandsrückgang von rund 40 Prozent in Deutschland zu verzeichnen. Rund die Hälfte aller Brutvögel in Deutschland ist, ebenfalls laut NABU, in ihren Beständen gefährdet oder rückläufig. Die Ursachen sind vielfältig und immer beim Menschen zu suchen. Windkraft ist eine von ihnen.

Veränderungen des lokalen natürlichen Klimas werden ebenfalls nicht nur fossilen Energien, sondern auch der Windkraft angelastet. Denn sich drehende Turbinen verändern die Windsituation, sorgen für eine Verwirbelung und für zusätzliche Austrocknung der Böden. Zudem geben sie Wärme ab: Zwischen 0,5 und 1 Grad Celsius kann sich die Lufttemperatur unter sich drehenden Rotorblättern erhöhen. Das bewies erstmals die Studie von Lee Miller und David Keith von der Harvard-Universität 2018/19.

2026 legte das Helmholtz-Zentrum Heroen aus Geesthacht nach. Demnach ist  bei Offshore-Anlagen langfristig mit einer Erwärmung der Wasseroberfläche mit bis zu 0,2 Grad zu rechnen. Außerdem behindern laut den Geesthachter Forschern die Turbinenpfeiler den Sedimenttransport und den Gezeitenstrom.

Die Deutsche Wildtier Stiftung kennt weitere Schäden an der Natur. Rund 250.000 Fledermäuse, so berechnet sie, sterben jährlich an der deutschen Windkraft. Welche Auswirkungen diese insgesamt auf die Natur hat, ist derzeit unbekannt. Auch die ökonomische Situation ist letztlich unklar. Grundlösungen, um Windkraft im dicht besiedelten Deutschland sinnvoll und effizient zu nutzen, seien nicht in Sicht, warnt der renommierte Dresdner Physiker Sigismund Kobe.

Windkraft muss auch kritisch gesehen werden

Verwüstung statt Umweltschutz – für Windräder, die nach spätestens 20 Jahren aus Gründen des Verschleißes wieder abgebaut werden. Ist es das wert? Foto: Erik Neuling / NABU

Die so genannte „Dunkelflaute“, bei der weder Solar- noch Windenergie funktionieren, ist ein großes Problem nachhaltiger Energiegewinnung. Die vom Vordenker Forum der Goethe-Universität Frankfurt als „Vordenkerin 2024“ ausgezeichnete Professorin für Umwelttechnik Lamia Messari-Becker verlangt denn auch eine wieder stärkere Förderung anderer alternativer Energien, wie der Biomasse oder Geothermie. Doch das globale Kapital konzentriert sich auf Wind- und Sonnenenergie.

Auffallend ist die blinde Gläubigkeit der Windkraftanhänger. Vor allem, wer durch Investment Geld mit Wind macht, hängt innig dem Mythos an, Windkraft sei sehr umweltfreundlich. Meinungsgegner – darunter die Bewohner von Häusern in der Nähe von Windrädern, die unter Verschattung und Geräuschen leiden – werden als Egoisten dargestellt.

Ein wunder Punkt ist dabei der Infraschall, der unstrittig von Windrädern erzeugt wird. Der eremitierte Herzchirurg Christian-Friedrich Vahl legte im April 2026 eine Studie vor, nach welcher dieser Infraschall zu Herzerkrankungen führt. Wegen methodischer Fehler wird die Studie allerdings von Experten nicht anerkannt. Vom Tisch ist das Thema damit noch nicht.

Der Zeitgeist stellt sich allerdings oft an die Seite der Windkraft. In Thüringen wurde sogar ein Gesetz zum Schutz der Landschaft geändert, damit die Landesforstanstalt den Bau von Windrädern im Wald lancieren kann. So gut ist das Windkraft-Image. Vestas, EnbW, General Electric und all die weiteren Firmen, die sie verkaufen, profitieren davon: Auf knapp 180 Milliarden Dollar wurde der globale Umsatz mit Windenenergie in 2024 geschätzt.

Doch es regt sich Widerstand. In Sachsen-Anhalt sorgen Bürgerentscheide für Aufsehen. Die Initiative „Kein Wind im Wald“ konnte im September 2025 nach hartnäckiger Aufklärung 86 Prozent der abstimmenden Einwohnerschaft hinter sich bringen. Der Energieriese EnBW wurde somit vor Ort gestoppt.

Auch in Baden-Württemberg gibt es zunehmend Bürgerentscheide zum Ausbau der Windkraft. Auf Protestbannern heißt es: „Stoppt diesen Wahnsinn!“ Das Stuttgarter Umweltministerium beklagt „fehlende gesellschaftliche Akzeptanz“ der Windkraft. Denn schwäbische Initiativen wie „Gegenwind“ und „Kein Windrad im Wald“ kämpfen meinungsstark gegen die Windkraft.

Windkraft muss auch kritisch gesehen werden

Auch in der TV-Serie „Mord mit Aussicht“ gibt es Windkraft in der Landschaft zu sehen, hier allerdings malerisch vorm Sonnenuntergang in Szene gesetzt. Wieviele Insekten und Vögel von so einem Windradfeld jährlich vernichtet werden, ist unbekannt. Videostill von der ARD: Gisela Sonnenburg

In der Mecklenburgischen Schweiz ist diese Debatte schon über zehn Jahre alt. Denn obwohl sich am Kummerower See Wasservögel versammeln und Gänse und Kraniche Rast halten, sollen dort Windräder hin. Jetzt formiert sich, wie schon vor zehn Jahren, erneut Widerstand, um die „Zerstörungskette für die Natur“ zu verhindern.

Auch wenn unter Katharina Reiche (CDU) als Bundesministerin für Wirtschaft und Energie die Fördergelder für Windkraft drastisch sinken: Die EU will mit dem „European Grids Package“ („Europäisches Netzpaket“) vom Dezember 2025 erreichen, dass kein Windrad mehr aus Umweltschutzgründen ungebaut bleibt. Einige EU-Landespolitiker empfinden das als unzulässigen Eingriff. So wollen nicht alle Alpenstaatler die Berge mit Windrädern ausstatten.

Das höchste Windrad der Welt ist aber schon im Bau. Mit 365 Metern Höhe soll es sich in Schipkau in der Lausitz (Brandenburg) emporrecken. Die Fläche, die für seinen Bau gerodet wurde, entspricht mehreren Fußballfeldern, in einem jetzt zerschnittenen Kiefernwald. Wenn dort später ein Rotorblatt bröselt, wird es schwer, die teils giftigen Einzelteile am Boden und in den Ästen der Bäume zu finden. Ein Windradbrand könnte gar verheerende Folgen haben. Ob darüber nachgedacht wurde?

Viel Wind, viel Geld, viele Verluste: Windkraft ist mit Risiken behaftet. Wahrscheinlich beschädigt sie die Natur so stark, dass man es bereuen muss, sich nahezu rückhaltlos auf sie eingelassen zu haben.
Gisela Sonnenburg

 

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