Tanz in Kuba gestern, heute – und morgen? „Schau in meine Welt“: In der ARD-Mediathek tanzen Heranwachsende professionellen Flamenco in Havanna, während in Berlin Geld für Solarpanele in Kuba gesammelt wird. Trump bedroht den Inselstaat derweil immer stärker

 

"Shakira und Erick tanzen in Havanna" und in der ARD

Shakira (vorn) tanzt in Havanna – mit Herz, Talent und Willensstärke. Dass sie zudem ein kluges Mädchen ist, beweist sie, im Doku-Film „Shakira und Erick tanzen in Havanna“ aus der Reihe „Schau in meine Welt“. Zu sehen in der ARD-Mediathek. Videostill von dort: Gisela Sonnenburg

Sie tanzen so leidenschaftlich und schön, als könne ihnen nichts und niemand jemals etwas anhaben: Das Mädchen Shakira und der Junge Erick sind Heranwachsende in Havanna, sie besuchen dort die Ausbildung zu Profitänzern in der renommierten Lizt Alfonso Tanzschule. Ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer Eltern wäre das übrigens nicht möglich, denn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wären die täglich zurückzulegenden Wegstrecken nicht zu schaffen. Der TV-Reporter Alexander C. Stenzel begleitete die Kids für seine gelungene Kuba-Folge der Doku-Reihe „Schau in meine Welt“, ließ sich von ihnen ihr Leben, ihre Tanzarbeit im modernen Flamenco und auch einige wenig repräsentative Seiten von Havanna zeigen. Denn das Embargo der USA, einst als Strafe für die Enteignung von US-Bürgern durch die kubanische Regierung 1960 gedacht, hinterlässt Spuren: Verfall und Armut prägen ehemals prächtige Stadtteile von Havanna. Seit Donald Trump Kuba mit neuen Sanktionen belegt, droht dem Inselstaat sogar das Energie-Aus. „Kuba ist als nächstes dran“, erschreckte der US-Präsident dann noch seinen Nachbarstaat erst vor wenigen Stunden – und niemand weiß, was genau er damit meint. Immerhin regt sich aber auch Solidarität mit Kuba: In Berlin sammeln Initiativen wie Cuba Sí Spenden, um auf Kuba Solarpanele zu installieren. Die Ballettwelt sollte sich auch engagieren, denn sie verdankt Kuba so Einiges.

Schicksalstanz mit Nurejew

Sehnsucht nach der Vergangenheit: Wer sie nicht kennt, lebt vielleicht gar nicht. Javier Cacheiro Alemán in „Pour Noureev“ von Gisela Sonnenburg in Berlin. Foto: Gisela Sonnenburg

Spätestens seit Alicia Alonso gilt Kuba als Ballettland. Ihre Tochter Laura Alonso, heute 88, hat als Tanzpädagogin ebenfalls Generationen von Tänzerinnen und Tänzern geprägt – nicht zuletzt Javier Cacheiro Alemán vom Ballett Dortmund ist ein hervorragend tanzendes Beispiel für die tolle kubanische Power im Ballett. Auch der Weltstar Carlos Acosta stammt aus der Hauptstadt Havanna, und der vielfach bewunderte Osiel Gouneo vom Bayerischen Staatsballett wurde in der Havanna benachbarten Stadt Matanzas geboren.

Aber nicht nur die kubanische Ballettausbildung und das Ballet Nacional de Cuba sind berühmt – in den Straßen von Havanna lebt der Tanz, als sei es ganz normal, stets und immerzu Salsa oder Rumba, Cha-Cha-Chá oder Mambo zu tanzen.

Shakira und Erick leben dieses Flair, und mit ihnen durch Havanna zu streifen, macht genauso viel Spaß wie ihnen beim Unterricht und dann bei der Vorstellung im Staatstheater in Havanna zuzusehen. Sie können nicht nur tanzen, sondern auch viele Details erklären, die womöglich erprobte Havanna-Feiertouristen nicht wissen. Was zum Beispiel Orishas sind und warum der Heilige Lazarus exemplarisch für die Verschmelzung von katholischem Glaube mit dem an alte afrikanische Gottheiten steht.

"Shakira und Erick tanzen in Havanna" und in der ARD

Erick tanzt trotz seiner Jugend fantastisch Flamenco, träumt aber auch manchmal von Michael Jackson. Zu sehen in „Shakira und Erick tanzen in Havanna“ in der ARD-Mediathek. Videostill: Gisela Sonnenburg

Inwieweit Donald Trump ihre Leben und das von anderen Tanzenden in Havanna und dem weiteren Kuba schon zerstört hat, ist unbekannt. Der Film ist übrigens von 2014 und wirkt angesichts der heutigen Situation trotz oder wegen seiner erfrischenden Fülle von Informationen und sinnlichen Eindrücken wie eine nostalgische Reminiszenz.

In Teheran im Iran, wo viel zu wenig getanzt werden darf, sind derweil durch die Druckwellen der detonierenden US-amerikanischen Bomben, die Trump werfen lässt, kürzlich die Spiegelmosaike im Golestan-Palast teilweise zerstört worden. Auf der UNESCO-Liste des  Weltkulturerbes bröckelt es. Das erinnert an die mutwillige Zerstörung so vieler deutscher Kulturgüter durch die Westalliierten und ihre Fliegerbomben im Zweiten Weltkrieg. Ironisch sagen wir: Danke, Trump, wir erkennen deinen Kulturwillen, den zur Tradition und auch den zur Zivilisation.

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Insofern sei der ARD-Film über die Tanz-Kids in Kuba umso stärker empfohlen. Denn er zeigt zweifelsohne eine lebendige, menschenfreundliche, friedliche und ästhetische Kultur, von der aggressive Typen wie Trump nur träumen können. Olé!
Gisela Sonnenburg

Hilfe für Kuba:

https://www.interbrigadas.org/

Und bis zum 27.03.2031 steht das Video „Shakira und Erick tanzen in Havanna“ in der ARD-Mediathek online:

https://www.ardmediathek.de/video/schau-in-meine-welt/shakira-und-erick-tanzen-in-havanna/hr/ZWIzYjM0OGUtNjliZS00OTI1LWEzZmQtYzIxYmM1MWE4NDY0?isChildContent

 

 

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