
„Timmy / Hope“ ist ein Medienhype, und auch der ndr berichtet, hier in „DAS!“ am 17.04.26. Videostill vom ndr: Gisela Sonnenburg
Der Wal. Er ist in aller Munde, in vielen Herzen – und derzeit ist Wal-Fernsehen im Internet höchst angesagt. Der Livestream von News5 Live auf YouTube zeigt von morgens bis abends den zunächst am Timmendorfer Strand, dann in der Wismarer Bucht und zuletzt vor der Insel Poel aufgelaufenen jungen, männlichen Buckelwal „Timmy“, von vielen Tierschützern auch „Hope“ genannt. Nachdem sich die Politik in Gestalt des mecklenburg-vorpommerischen SPD-Umweltministers Till Backhaus, die Wissenschaft alias das Deutsche Meeresmuseum sowie diverse Naturschutzorganisationen – die frühere Heldentruppe von Greenpeace allen voran – mit falschen Totsagungen des Wals höchst peinlich, ja sogar grausam blamierten, setzte sich dann eine aktive private Gruppe durch, um den nach wie vor virilen Wal, der gute Blutwerte hat und mittels Körpersprache mit den Menschen kommuniziert, zu retten. Federführend und finanzierend sind hierbei der „Mediamarkt“-Mitbegründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die es einst von der Stewardess zur Pferde-Millionärin brachte. DANKE! Ihr seid toll! Und vielen kommt diese Initiative zurecht wie ein Wunder vor.
Vorgestern kam, nachdem das Verwaltungsgericht Schwerin einige andere Rettungsversuche in den Tagen zuvor untersagt hatte, um 15.30 Uhr durch den einsichtigen Umweltminister Backhaus das grüne Licht für die Gunz-Walter-Mommert-Rettertruppe. Freudentränen. Nochmals DANKE! Und sofort begannen die Planungen und Vorbereitungen.
Gestern wurden dann zunächst Tücher mit einer Salzlösung auf die eingerissene Haut des Meeressäugers gelegt, damit sie heilen kann. Wie man mittlerweile dank „Timmy / Hope“ allgemein weiß, benötigt diese Art von Walen unbedingt das salzige Nordseewasser, und die Ostsee mit ihrer Milde im Salzgehalt ist für ihre Haut krankmachend. Umso kurioser, könnte man meinen, dass der Buckelwal sich offenbar beharrlich in der Ostsee aufhält.
Obwohl er auf einer Sandbank gestrandet ist und festliegt, kann er sich bewegen und sendet mit dem Heben verschiedener Flossen und mit demonstrativem Ein- und Ausatmen (die Fontäne, die er ausströmt, ist nicht nur Vorbild für diverse Springbrunnen, sondern vor allem sein von Wasser begleitetes Ausatmen) seine Zeichen. Die Retter sind sich einig: Der Wal kommuniziert mit ihnen. Er tanzt, in gewisser Hinsicht.

Die Retter legen Tücher mit einer salzhaltigen Lösung auf die Wunden des Wals. Denn seine Haut, die in der Ostsee eingerissen ist, verlangt nach Salz, um zu heilen. So zu sehen in „DAS!“ beim ndr. Videostill vom ndr: Gisela Sonnenburg
Dass er in der Ostsee keine Nahrung findet, ist weniger schlimm, als viele Menschen vermuten. Denn diese Wale fressen im Sommerhalbjahr und leben dann in den Wintermonaten von ihrem eigenen Speck. Allerdings war „Timmy / Hope“ mit seiner Gruppe, die er in den ersten Ostsee-Tagen mit qualvollen Hilferufen suchte, unterwegs Richtung Grönland.
Dort, in grönländischen Gewässern, futtern sich die Buckelwale jedes Jahr von April bis November durch, sie verzehren Krill und kleine Krebse, oft in Fjord- und Küstennähe.
„Timmy / Hope“ aber kam vom rechten Weg Richtung Grönland ab und bog in die Ostsee ein. Schlimmer noch: Er kam mehrfach von seinen Strandungen frei, schwamm aber immer wieder in die falsche Richtung. Nämlich immer weiter Richtung Osten statt nach Norden. Das dürfte normalerweise nicht passieren.
Es zeigt, dass der Wal entweder vorübergehend oder nachhaltig in seinem Orientierungsvermögen gestört ist. Dieses kann durch Sonnenexplosionen, die es bis zum 22. März 26 verstärkt gab, geschehen sein. Es kann aber auch durch ein militärisches U-Boot geschehen sein. Ist der Wal ein Opfer des Militärs?

Hier zeigt „Timmy / Hope“ mal seine Schwanzflosse. Er liegt zwar fest, gibt aber mit Bewegungen Zeichen. In gewisser Weise tanzt der Wal. Videostill vom ndr: Gisela Sonnenburg
U-Boote entfalten eine für Wale oft tödliche Kraft durch bestimmte Schallwellen: Militärische U-Boote erzeugen Sonar-Geräusche, und diese sind für Wale höchst schädlich. Sie traumatisieren die Tiere, sie verletzen ihr empfindliches Gehört, sie vertreiben sie und treiben sie durch die Störung des Orientierungssinns in die Irre. Erst in diesem Jahrhundert wurden diese Sonare entwickelt und bei U-Booten eingesetzt. War das wirklich ein Fortschritt?
„Timmy / Hope“ flüchtete auf seiner gewohnheitsmäßigen Route nach Grönland.
Wollte Donald Trump nicht seine Finger nach Grönland ausstrecken? Lässt er da U-Boote fahren? Oder ist es Dänemark bzw. die Nato, die Trump gegebenenfalls dort abwehren will?
Werden dort noch andere technische Unternehmungen getätigt?
Liegt es gar an einem Windpark, etwa an dem nahe Borkum gelegenen Nordsee-Windpark namens „He dreiht“, dessen Inbetriebnahme sich wieder und wieder verzögert? Der Bau von Windkraftanlagen kann, wie U-Boote, Wale gefährden und ihre Echolokation, also ihre Befähigung zur Orientierung mittels Schall, stören.
Es ist unbedingt ein internationaler Aufruf von Tierschützern notwendig, der dem Abzug aller U-Boote aus dem Gebiet der Walroute Richtung Grönland gilt. Und auch andere technische Eingriffe sollen dort unterbleiben, und sei es die vielgepriesene Windkraft.

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Die Gegend dort im Meer, in der die Wale Richtung Grönland schwimmen, muss eine SCHUTZZONE für Wale werden. Denn sonst kehrt „Timmy / Hope“ bei nächster Gelegenheit wieder um. Und andere Wale womöglich auch.
Und tatsächlich wurde vor einigen Tagen ein zweiter Wal in der Ostsee gesichtet, also dort, wo er mit Sicherheit nicht hingehört. Dieses Tier schwimmt weiter nördlich, in der Flensburger Förde – aber ob es allein in die Nordsee zurückfindet, ist unklar. Noch ist der zweite Wal, ein Belugawal, nicht gestrandet. In die Ostsee gehört er trotzdem nicht.
Was, wenn die Tiere aus der Nordsee immer wieder von den Sonar-Geräuschen der U-Boote in die Ostsee getrieben werden? Dann könnte die Rettung des Wals umsonst sein.
U-Boot-Betreiber aller Staaten, erhört das Leid der Tiere und zieht Eure Gefährte dort ab, wo es Wale gibt, vor allem aus der europäischen Gegend Richtung Grönland!
Das müssen die Umweltschützer jetzt durchsetzen. Daran führt nichts vorbei.
Und wie geht es „Timmy / Hope“ derweil?
Heute wurden an ihm und in seiner Umgebung weitere Rettungsmaßnahmen getroffen. Unter Wasser soll Schlick abgesaugt werden, damit er tiefer ins Wasser kommt, und „Timmy / Hope“ soll dann morgen auf Luftkissen gebettet werden, bevor eine Plane unter ihn gelegt wird, welche wiederum von zwei schwimmenden Pantons vorwärts bewegt werden soll. So soll „Timmy / Hope“ sicher aus der Ostsee in die Nordsee geleitet werden.

Stetig wird sich um das Tier gekümmert, endlich. Mal solistisch, mal zu zweit kommen die Helfer zu „Timmy / Hope“. Seine Hauttücher werden gewechselt, unter ihm wird Schlick abgesaugt. Videostill vom ndr: Gisela Sonnenburg
„Timmy / Hope“ hat Enormes geleistet. Nicht nur, weil er noch lebt, entgegen den falschen Prognosen etwa von Greenpeace, er werde nach drei bis sechs Tagen vor der Insel Poel tot sein. Greenpeace zeigt somit symptomatisch den schlechten Zustand jener großen Naturschutzorganisationen, die einst mit ktionen zum Wohl der Wale weltberühmt und reich wurden. Sollten sich da nicht die Fachleute auskennen?
„Timmy / Hope“ ist vor allem auch deshalb ein heldenhaftes Tier, weil er uns mustergültig vorgeführt hat, dass wir, die Menschheit, uns mehr um die Natur kümmern müssen. Sonst jagen und töten wir Wale, jetzt sehen wir die Seele des Lebewesens. Und wir erkennen: Wir können die Meere nicht weiter so ausbeuten und für uns benutzen, wie wir uns das vorstellen. Wir tragen Verantwortung. Wir müssen auch Tieren wie „Timmy / Hope“ das Überleben ermöglichen. Endlich werden Tierschützer mit einer Forderung hoffentlich nicht nachgeben und erhört werden:
ES MÜSSEN DORT AUF HOHER SEE, WO WALE LEBEN, WO WALE HINSCHWIMMEN MÜSSEN, WO WALE IHRE ROUTEN HABEN, SCHUTZZONEN EINGERICHTET WERDEN!
Das ist das, was die Menschheit von „Timmy / Hope“ zu lernen hat.
Die großen Naturschutzorganisationen haben somit eine neue Aufgabe.

Till Backhaus, Umweltminister von Meck-Pom, gab schließlich grünes Licht: Dem Wal muss man fachkompetent helfen dürfen. Videostil vom ndr / „DAS!“: Gisela Sonnenburg
Und während man in den letzten Tagen den Eindruck hatte, das offenbar außerordentlich rückschrittliche Deutsche Meeresmuseum in Stralsund könne es gar nicht abwarten, der Knochen des armen Wals habhaft zu werden, dieses Skelett dann auszustellen und touristisch damit Zulauf zu erheischen, haben andere ihr Gehirn benutzt.
Sie haben festgestellt, dass man in einer Situation mit einem Wal solche Tierärzte benötigt, die mit Walen Erfahrung haben.
Und so ließ das Retterduo Gunz-Walter-Mommert eine US-amerikanische Fachtierärztin aus Hawaii einfliegen – Dr. Jenna Wallace – und band auch eine mit Meeressäugern erfahrene Tierärztin aus Föhr namens Janine Bahr van Gemmert mit ein. Bravi!
Der ndr und andere Medien berichten, und das ist auch richtig so. Die Hetzcampagnen der letzten Wochen, man müsse das Tier tatenlos sterben lassen, sind vorbei.
Morgen nun wird eine entscheidende Etappe hoffentlich gut genommen: „Timmy / Hope“ muss sich erheben, indem er auf den Luftkissen gut klar kommt. Alle guten Wünsche!
Das langfristige Problem aber wird die Nordsee sein, die den Tieren immer weniger Heimat ist. Hier muss sich was ändern, hey!
Gisela Sonnenburg
https://www.youtube.com/watch?v=4HdJhe7yHmQ