Tausendundeine Tassen Wie der Katalog eines Auktionshauses zum Tee-, Kakao- oder Espressoschlürfen verführt. Am Samstag um 11 Uhr beginnt die Auktion, auch online

Auktionshaus Quentin in Berlin

Vornehmer schlürfen! Einst wurde Kakao in ihr angeboten, heute eher Tee: Diese noble Tasse stammt aus dem letzten Nachverkauf vom Auktionshaus Quentin in Berlin. Foto: Gisela Sonnenburg

Ob ich noch alle Tassen habe? Ich liebe Mokkatassen: klein, antiquarisch, niedlich. Oft stammen sie aus Meissen oder von KPM. Oder sie kommen von weither, aus Limoges, Sankt Petersburg, Wien, Kopenhagen, London. Espresso wird zum Luxus, wenn man ihn daraus schlürft. Ich mag auch altes Silberbesteck, schwer, manchmal skurril, und doch verführerisch. Oder Gläser mit eingeschliffenen Mustern. Zu finden ist sowas in Auktionshäusern wie Quentin in der Rankestraße in Berlin, nicht weit vom Europacenter. Bei Quentin gibt es auch alte Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen. Von Heinrich Zille, Andy Warhol oder auch Walter Womacka. Portraits, Landschaften und Nackedeis erwarten einen. Aktuell wird der 53. Auktion am 25. April um 11 Uhr entgegengefiebert. Teilnehmen kann man bequem online, aber: Das Besondere am Katalog ist, dass man ihn noch in die Hand nehmen kann.

Auktionshaus Quentin in Berlin

So viel Feinheit kommt am Samstag unter den Hammer: ein Silberbesteck für zwölf Personen von Robbe & Berking mit dem Lot 272. Es sind über 140 Teile, die zusammen gehören . Foto: Katalog Auktionshaus Quentin

Das Inhaberpaar – Ulrike Götz und Niklas Quentin – macht sich nämlich die Mühe, zwei Mal pro Jahr so einen Katalog mit Exponaten zu erstellen. Er erscheint nicht nur digital, sondern eben auch als Printausgabe. In sanften Worten werden darin Eckdaten der Artefakte genannt, in bunten Farben erstrahlen Ölbilder, Glasvasen und Kerzenständer. Manche Künstlerin entdeckt man. Wie die Wienerin Luise von Begas-Parmentier, die als Wahlberlinerin 1920 verstarb. Ihr „Wannseeufer mit bewachsener Pergola und kleinem Gartenbrunnen“ zeigt mit detailverliebter Geste den wilden Wein am Wasser. Das italienische Licht am Wannsee, noch heute im Sommer zu bewundern, fing die Malerin vorzüglich ein.

Auktionshaus Quentin in Berlin

„Wannseeufer mit bewachsener Pergola und kleinem Gartenbrunnen“, nannte die gebürtige Wienerin Luise von Begas-Permantier ihr Gemälde nach dem spätsommerlichen Motiv. Bei Lot 4 kann am Samstag geboten werden. Foto (Ausschnitt): Katalog Auktionshaus Quentin

Wer was Kleineres sucht, verfällt vielleicht dem Charme der „Frau mit Muff“. In schwarz-weiß bemaltem Porzellan schreitet sie mondän einher, die Hände tief im weißen Muff verborgen. Die Firma Rosenthal hat sie auf einen ovalen Sockel erhoben, just 1920. Damals war viel los. Kakteen aus Glas, Köpfe in Marmor, der unvermeidliche „alte Fritz“ in Bronze, ein Aquarell voller Blüten: Bis zur letzten Herrenuhr sind es 390 Lots für die Auktion, die Startpreise sind drei- oder vierstellig. Nicht jeder hat das Salär, um seinen Teil der Schönheit zu erstehen. Aber der Mensch ist auch das, was er liebt, nicht nur das, was er hat.

Auktionshaus Quentin in Berlin

Lot 251 verheißt zeitlos edle Gemütlichkeit an der Tafel mit Kaffee, Tee oder Schokolade: Das Service stammt von Royal Kopenhagen und bietet fast 30 Teile für sechs Personen. Wohl bekomm’s! Foto: Katalog Auktionshaus Quentin

Darüber zu diskutieren, eignet sich eine Verabredung mit alten Tassen. Sie klirren wie Musikinstrumente, wenn man mit ihnen hantiert. Manche heißen sogar so: „Trembleusen“, übersetzt: Zitterdamen. Gut für alle, die vor Alter oder Erregung manchmal zittern. Die Tassen werden von einem runden Zaun auf der Untertasse gestützt. Perfekt, wenn man, womöglich aufgeregt, eine Versteigerung online verfolgt. Olle Tassen sind also eine Investition in die eigene Zukunft. Wenn man dran glaubt.
Gisela Sonnenburg

https://www.auktionshausquentin.de

 

 

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