
Hier wird nicht um den heißen Brei herumgetanzt, sondern sich den drängenden Fragen gestellt. Etwa: Was und wie ist Demokratie zu erreichen, zu halten, zu erneuern? Und wozu? Foto vom Hamburger Kammerballett: Christina Gotz
Tanz und Politik, passen diese beiden Themenkreise zusammen? Edvin Revazov, Erster Solist beim Hamburg Ballett und Künstlerischer Leiter vom Hamburger Kammerballett (HKB) meint: ja! Damit traut er sich was und wird ab dem 19. Februar 2022 auf Kampnagel und dann im Mai 2026 bei der JazzHall Hamburg zeigen, wie er die Tragweite politischen Handelns in der Kunst als Choreograf mit Tanz auslotet. „re:public“ nennt Revazov diese seine neueste Kreation für acht Tanzende, die live von Jazzmusik begleitet wird.
Inspiriert hat ihn Platon, der antike griechische Intellektuelle, der die Vorträge und Dialoge des Sokrates, seines Lehrers, aufschrieb. Damit ist eine Utopie die Leitlinie: Es geht darum, zu erkennen, dass das Gerechtigkeitsprinzip für den idealen Staat, die „Politeia“, maßgeblich sein müsse.
Die ideale Gemeinschaft – wie sieht sie aus? Wie verhalten sich wir Menschen in ihr? Wieviel Freiheit brauchen wir und wie bekommen wir sie?
Demokratie will immer wieder neu erfunden werden und doch im Kern bewahrt sein. Wie ist das zu bewerkstelligen? Mit den oder ohne die vier Kardinalstugenden?
Die Komponistin und Gitarristin Danica Hobden leitet mit ihrer Jazzband musikalisch durch das Stück, während Revazovs drei Tänzerinnen und fünf Tänzer – darunter sind mit Ricardo Urbinaund Nicolas Gläsmann zwei frühere Tänzer vom Hamburg Ballett – mit der Tanzkunst in Revazovs ästhetischem Stil faszinieren werden.
Viktoriia Miroshyna, Nataliia Hurska und Alisa Nikitina sowie Ihor Khomyshchak, Vladyslav Bondar und Valerii Liubenko kommen aus der Ukraine, wie Edvin Revazov ursprünglich selbst auch.
Das von Revazov und der Geschäftsführerin des HKB, Isabelle Rohlfs, im Jahr 2022 gegründete Tanzensemble ermöglicht es den Künstlerinnen und Künstlern, trotz des Krieges in ihrem Beruf zu bleiben – und in einem Land für den Frieden zu tanzen und dabei kluge Gedanken anzuregen, in dem an anderer Stelle das Denken beinahe eingestellt wurde und das zu einer waffenproduzierenden Kriegsmaschinerie mutierte.

Nachdenken und tänzerisch handeln – das wird das Hamburger Kammerballett zusammen mit zwei Gasttänzern unter der choreografischen Leitung seines Mitbegründers Edvin Revazov in „re:public“ tun. Foto: Christina Gotz
Hoffen wir auf die positive Energie des Tanzes, auf seine friedenstiftende Wirkung – und wer sagt denn, dass Deutschland von beidem nicht auch ein paar ordentliche Portionen gut gebrauchen kann?
Gisela Sonnenburg
