Hier tanzt die Welt von morgen Das Landesjugendballett Berlin feiert seinen ersten Geburtstag: mit einem Gipfeltreffen in der Volksbühne

Das Landesjugendballett Berlin feiert seinen Geburtstag!

Hier tanzen zwei junge Künstler vom Balé Experimental aus Manaus / Amazonas in Brasilien. Sie kommen zum Gipfeltreffen „Happy Birthday!“ mit dem Landesjugendballett Berlin in die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Eine seltene Gelegenheit, sie in Deutschland zu sehen! Foto: Michael Dantas

Wer Geburtstag hat, der lädt sich Gäste ein – das ist die großzügige Devise von Ralf Stabel, Direktor der Staatlichen Ballettschule Berlin und Gründer des dort angesiedelten Landesjugendballetts (LJB). Im März 2017 wurde das LJB Berlin als größte Nachwuchstruppe seiner Art gegründet (das Ballett-Journal berichtete). Jetzt feiert es – leicht verzögert, wie um sicher zu gehen, dass es auch weiterhin existiert – seinen Geburtstag. Und zwar nicht etwa klammheimlich, sondern öffentlich, mit einer sehr passenden Gala an einem für Ballett eher ungewöhnlichen Ort, worin jetzt aber ein Mal lauter ballettöse Jugendcompagnien auftanzen: „Happy Birthday!“ heißt es am kommenden Montagabend, 19 Uhr, in der von Chris Dercon befreiten Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte. Und: Es gibt noch Tickets, zu sehr günstigen Preisen!

Das Programm liest sich derweil ganz wie eine „erwachsene“ Gala:

Die Titel der hochkarätigen Ballette, aus denen Auszüge gezeigt werden, lassen die Augen von Ballettfans leuchten.

Don Quixote“ von Marius Petipa ist dabei, „Krieg und Frieden“ von Xin Peng Wang (nach dem Roman von Leo Tolstoi) und auch „Napoli“ von Auguste Bournonville.

Das Landesjugendballett Berlin – hier ist ein Teil dieser tanzbegeisterten Talente zu sehen – feiert seinen ersten Geburtstag! Bitte alle kommen – das Gala-Programm ist superbe und die Ticketpreise sind wirklich sehr günstig. Hier bitte klicken und nachgucken! Faksimile: Anzeige

Der finale Höhepunkt – nach zwei Stunden mit klassischen und modernen Tanzstücken bei einer Pause – wird der fantasievolle „Bolero“ von Gregor Seyffert, dem Künstlerischen Leiter der Fachrichtung Bühnentanz an der „Staatlichen“, sein.

Hui, hier wirbeln die Arme und Beine der Kinder und Jugendlichen köstlich durcheinander! Dabei fängt alles so zahm und ordentlich an. Aber die wirklich kongeniale Choreografie von Seyffert vereint mustergültig die tänzerischen Fähigkeiten von jungen Menschen mit der rhythmisch betonten Musik von Maurice Ravel.

Das ist, so gesehen, ein Lehrstück auch übers Erwachsenwerden.

Und regelmäßig wachsen professionelle Tänzerinnen und Tänzer von Seyfferts Truppe in das Staatsballett Berlin hinein – eine gegenseitige Referenz für Qualität.

Insgesamt sind es aber sogar sieben Nachwuchs-Truppen, die am Montag zum Geburtstagstanz aufwarten.

Es ist also die Welt von morgen, die sich hier zeigt – denn aus Jugendlichen werden Leute, im Ballett bekanntlich sogar noch schneller als anderswo.

Das Landesjugendballett Berlin feiert seinen Geburtstag!

Das NRW Juniorballett aus Dortmund bringt viel Schwung und Spannung mit. Sein Ballettmeister Raimondo Rebeck ist dafür berühmt! Hier ein Szenenbild aus „Versus Standard“ von Jacopo Goldani. Foto: Bettina Stöß

Neben dem LJB – mit mehr als 120 Kids die größte Compagnie seiner Art – kommt das NRW Juniorballett aus Dortmund auf die Bühne, ferner das Bohemia Ballet aus Prag (unter anderem mit einem viel versprechenden „Chopin Trio“), die Dutch National Ballet Junior Company aus Amsterdam (mit Auszügen aus dem romantischen Klassiker „Napoli“), dann das Bayerische Jugendballett aus München (mit oder ohne Sponsorin Irène Lejeune), die Zürich Ballett Junior Company und das brasilianische Balé Experimental de Danca do Amazonas-Manaus, das die längste Anreise von allen nach Berlin hat und das ein sehr modernes Ensembles ist.

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Dass die Prager den „Grand Pas Classique“ von Victor Gsovksy aus dem Jahr 1949 zeigen, verleiht diesem Gipfeltreffen der jungen Power-Tänzer den trendigen Hauch der Superklasse. Denn tatsächlich entdeckt die Ballettwelt dieses animierende Stück Neoklassik gerade wieder als absoluten Gala-Knüller.

Auf die tapfere Truppe von Ballettmeister Raimondo Rebeck aus Dortmund, die seit 2014 als NRW Juniorballett Deutschland und den Rest der Welt unsicher macht (oder auch einfach glücklicher), darf man sich ebenfalls besonders freuen. Neben dem Auszug aus dem großartigen Handlungsballett „Krieg und Frieden“ (wer denkt dabei nicht auch gern an die Hollywood-Verfilmung) zeigen die Nordrhein-Westfälischen Girls and Boys auch ein Tanzstück von Jacopo Goldoni namens „Versus Standard“. Aber her damit!

Hier steht eigentlich schon alles drauf. Die U-Bahn-Station (auch die der Tram M 8) heißt außerdem Rosa-Luxemburg-Platz – man kann aber auch in zehn Minuten vom Alexanderplatz aus laufen. Kommt aufs Wetter drauf an! Und hier geht es zu den Tickets! Faksimile: Anzeige

Der Grand Pas de deux aus Marius Petipas „Don Quixote“, präsentiert von den Berliner Geburtstagskindern, läutet bereits die Gala überhaupt ein. Was für ein Glanzstück gleich zu Beginn!

Und neben dem unterkühlt-poetischen „All Long dem day“ von Marco Goecke wird das temperamentvolle Finale-Stück von Gregor Seyffert die ganze Bandbreite dieser munteren Schüler und Studenten zeigen.

„Wir sind so eine Art Kunstkatalysator“, sagt Ralf Stabel dazu.

Tatsächlich lassen seine Schüler und Studenten die Stile und Tanzarten der Vergangenheit mit denen der Gegenwart ganz bewusst abwechseln, um zu dieser mitreißenden Show zu kommen. Und das machen sie ja öfters, denn gemischte Programme sind eine der Spezialitäten beim LJB.

Früher – also vor rund hundert Jahren und noch davor – gab es überall auf der Welt, wo es hochkarätiges Ballett gab, die Jugendballetttruppen: damit die großen Compagnien, denen sie angeschlossen waren, auf sicheren Nachwuchs zurückgreifen konnten.

Das Landesjugendballett Berlin feiert seinen Geburtstag!

Diese Nachwuchstruppe aus Amsterdam heißt auf Englisch: Dutch National Ballet Junior Company – und sie wird auf der Gala in Berlin den eleganten Pas de six und die feurige Tarantella aus „Napoli“ tanzen. Das sollte man nicht verpassen! Gilt das Het Nationale Ballett, wie die Hauptcompany auf Holländisch heißt, doch als eine der besten der Welt. Foto: Michel Schnater

Im Zuge der „Akademisierung“ oder auch „Verschulung“ der Profi-Ausbildungen, die immer weniger eine Hinleitung zum Theater wurden, gerieten die Jugendtruppen vielerorts in Vergessenheit.

Aber seit Beginn dieses Jahrzehnts blühen sie gerade in Deutschland wieder auf, um eine Brücke zwischen Ausbildung und Beruf zu bilden. Als erstes gründete sich das 16-köpfige Mini-Ensemble der Junior Company in München, dicht gefolgt von John Neumeiers Bundesjugendballett in Hamburg. Dann kam Dortmund – und schließlich das Landesjugendballett Berlin, mit dem umfassendsten und überzeugendsten Konzept.

Von daher ist es auch genau richtig, dass das LJB hier der Gastgeber ist!

Mit seinen vielen Auftritten, die sich organisch aus den Einstudierungen im Ausbildungsalltag ergeben, ermöglicht es den jungen Tänzerinnen und Tänzern, sich selbst auszuprobieren und besser kennenzulernen.

Wie nebenbei können die Nachwuchskünstler bei solchen Auftritten herausfinden, wer sie wirklich sind oder künftig sein wollen: Ist der junge Mann mit den langen Beinen vom Naturell her ein Prinz wie aus „Dornröschen“ oder eher ein Zeitgenosse aus einem modernen Stück? Und das hellhäutige Mädchen mit den schönen Füßen, wird sie mal eine Julia auf der Bühne sein und mit großen Sprüngen ihren Romeo lieben – oder fühlt sie sich mit abstrakten Tänzen, die sie sanft über den Boden gleiten lassen, viel wohler?

Die praktische Erfahrung hilft bei der Orientierung – und trägt ins Engagement. Zwischen neunzig und hundert Prozent der Absolventen der „Staatlichen“ erhalten mittlerweile ein reelles Angebot, als Profitänzer in der Ballettwelt tätig zu sein. Bei dem Konkurrenzdruck, der in der Branche herrscht, ist das allerhand. Und nochmal ein Grund zum Feiern.

Weshalb nach der Gala in der Volksbühne eine Aftershow Party für alle angesagt ist. Und es ist zwar montags, sodass nicht alle die Nacht einfach durchmachen werden. Aber eine halbe Stunde Party mit Künstlern nach der gemeinsam genossenen Gala kann ja schon sehr erhebend sein!

Das Landesjugendballett Berlin feiert seinen Geburtstag!

So expressiv kommen die Youngsters aus Prag einher: Das Bohemia Ballet aus Prag weiß, mit sinnlich-kräftiger Bildersprache zu verführen. Unbedingt sehenswert! Foto: Martin Roedl

Und einen weiteren Vorteil haben so viele junge Tänzerinnen und Tänzer auf jeden Fall: Der Elan und die Tanzlust der noch Lernenden machen vieles möglich, das im etablierten Routinebetrieb eines Stadttheaters womöglich untergeht.

Darum ist diese Sache hier fast sowas wie ein Geheimtipp.

Noch gibt es zudem viele genügend preisgünstige Eintrittskarten für diese Luxus-Vorstellung in der Volksbühne – und wer das Ballettleben liebt, sollte unbedingt hingehen!
Gisela Sonnenburg

 Zu den Tickets geht es bitte hier

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