Die schöne Carmen als Kubanerin Ein Welterfolg premiert in Deutschland: „Carmen la Cubana“ – das Musical zur Oper „Carmen“ von Bizet – verlegt die Story nach Kuba und würzt den Tanz musikalisch mit Salsa

Carmen la Cubana kommt aus Kuba!

Was für eine charmante Frau: Luna Manzanares Nardo betört als „Carmen la Cubana“ auch das Publikum. Als Tournee-Gastspiel in Köln, Leipzig, Frankfurt, Berlin und München zu sehen! Foto: Marie Noelle Robert

Was für ein Schwung! Diese „Carmen la Cubana“ ist nicht nur nach Kuba benannt, sondern sie hat genau dieses unnachahmliche Flair aus sinnlicher Lebenskraft und temperamentvoller Hingabe, das so typisch für den karibischen Inselstaat ist. Die junge Luna Manzanares Nardo, die selbst gebürtige Kubanerin ist, tanzt und singt die Titelrolle dieses neuen Musicals mit einer Power und einer Passion, die einen unwiderruflich zum Fan macht. Die bekannten Melodien von Georges Bizet finden sich hier mit Salsa- und Merengue-Rhythmen gepeppt, tänzerisch wird auch von einem hervorragend trainierten Ensemble brilliert, sodass es eine echt heiße Freude ist, zuzuschauen. In dreijähriger Entstehungszeit wurde die Geschichte der Carmen mit kubanischem Flair ausgestattet und rundum durchgestylt, und in einer dreimonatigen Probenzeit am Ende dieser drei Jahre sprühten in Havanna dann schon richtig die Funken. Der Regisseur Christopher Renshaw, ein international tätiger Brite, ist sowohl opern- als auch musicalerfahren – und er ist nicht ohne Grund in gerade dieses unter die Haut gehende Musiktheaterstück total verliebt.

Die Handlung ist nach Kuba und ins Jahr 1958 verlegt. Die Revolution ist in vollem Gang!

Heißblütig und leidenschaftlich: „Carmen la Cubana“ reißt mit, bietet Tanz und Gesang vom Feinsten – und zeigt die Geschichte von Liebe und Tod mal ganz anders als in der Oper gewohnt. Das kann nur Musical! Und hier geht es flink zu den Tickets… Viel Vergnügen! Faksimile: Anzeige

Carmen lebt zu Beginn in der Provinz von Santiago de Cuba. Der Soldat José ist nachgerade süchtig nach der Zigarettenfabrikarbeiterin – und als er einen Sargento scheinbar versehentlich im Kampf um Carmen tötet, gibt er Carmens Drängen nach und flieht mit ihr nach Havanna.

In den Bars der kubanischen Metropole entwickelt Carmen ihre Fähigkeiten, Menschen mit erotischer Kraft für sich zu gewinnen, vollends.

So, wie sie tanzt und singt, ist sie einfach unwiderstehlich – und das findet nicht nur José.

Ein Flirt mit dem erfolgreichen Boxer El Niño wird Carmen schließlich zum Verhängnis. José erträgt die eifersüchtige Spannung, in die Carmens Verhalten ihn bringt, nicht. Er fühlt sich abhängig von ihr, meint, ohne sie nicht mehr atmen zu können. Sie stirbt, unter spektakulären Umständen, unter Josés Händen, und er folgt ihr in den Tod – als sei das die einzige Möglichkeit, dieser Liebe gerecht zu werden.

Carmen ist eine Person, die ihre eigene Wahl trifft, wie sie ihr Leben führen will. Darum denke ich, dass sie eine moderne Frau ist. Sie weiß sogar, was sie riskiert, nämlich ihr Leben, als sie sich mit dem schillernden Boxer El Niño einlässt. Aber so ist sie: sehr ambivalent, und der Preis, den sie letztlich dafür zahlen muss, ist sehr hoch.“

Das sagte mir zwischen zwei Proben der sympathische Regisseur Christopher „Chris“ Renshaw, dem die Geschichte von Carmen immer noch nahe geht, obwohl er sie schon so intensiv durchleuchtet hat.

Carmen la Cubana kommt aus Kuba!

Der Regisseur Christopher Renshaw weiß genau, was er macht, wenn er inszeniert – der Brite ist sowohl opern- als auch musicalversiert und fährt regelmäßig große Erfolge ein. Foto: Sven Creutzmann

Es geht ja auch um Liebe bis zum Eifersuchtsmord, um Liebe bis zum letzten Atemzug.

Renshaw: „Am Ende des Stücks weiß Carmen, dass sie ermordet wird, und sie opfert sich selbst für ihre Leidenschaft. Aber aus Josés Sicht ist das unumgänglich, er ist nicht in der Lage zu lernen, anders zu denken. Sie, diese erotisch so kraftvolle Frau, hat ja soviel Macht über ihn, dass er glaubt, sich nicht anders wehren zu können.“

Die Tragik der Geschichte von Carmen ist zum Weinen, aber romantisch ist sie nicht. Dafür hat sie sehr viel Bezug zur sozialen Realität so vieler Gesellschaften. Das Recht auf Untreue, das sich Männer so häufig herausnehmen, wird Frauen schließlich oft genug noch immer abgesprochen, was auch heute noch mitunter in Eifersuchtsmorden endet.

Faszinierend an „Carmen la Cubana“ ist aber nicht nur die Story an sich.

Carmen la Cubana kommt aus Kuba!

Wow! Zu kubanischen Klängen wird getanzt, gerockt, gesprungen, dass es eine Lebensfreude ist! „Carmen la Cubana“ vereint eine superheiße Show mit der herzzerreißenden Story von Liebe und tödlicher Eifersucht. Foto: Johan Persson

Tanz und Musik gehen hier eine mitreißende Melange ein, die keinen, der einen Sinn für Show hat, kalt lassen kann.

Eine Besonderheit ist auch die Figur der weisen, überzeitlichen Lady „La Señora“. Albita Rodríguez, über die die Los Angeles Times schrieb, sie sei wie eine „Berliner Cabaret-Sängerin mit kubanischem Blut“, verkörpert somit sozusagen die Seele von Kuba auf der Bühne.

Sie beobachtet, sie kommentiert, sie repräsentiert, sie erkennt das Schicksal.

Carmen la Cubana kommt aus Kuba!

Sie ist eine Mutter, aber auch eine Seherin: Albita Rodríguez verkörpert Kuba, im heißen Musical „Carmen la Cubana“. Foto: Johan Persson

Sie sieht in jedem alles Gute und alles Böse, und sie hat nahezu übersinnliche Kräfte, wenn es darum geht, die Gegenwart und ihre Folgen für die Zukunft einzuschätzen.

Aber auch sie kann Carmen und José nicht vor ihrem blutigen Schicksal bewahren…

Die Choreografie hier stammt übrigens von Roclan González Chávez, der sehr gekonnt Rumba und Mambo, Merengue und Salsa, Cha-cha-cha und Danzó miteinander mischt. Hohes akrobatisches Vermögen wird zusätzlich verlangt.

Die wunderbaren Tänzerinnen und Tänzer, die ihm zur Verfügung stehen, machen daraus eine so sehenswerte Schau, dass sie schon deshalb unvergesslich wird.

Aber auch der Gesang der Darsteller betört – und bleibt im Gedächtnis als Ruf in eine andere Welt haften.

Luna Manzanares Nardo, die 1990 in Havanna geboren wurde, hat aber auch eine klare, dennoch sehr gefühlvolle Stimme, die das leidenschaftliche Charisma von „Carmen la Cubana“ in den Tiefen ihrer sängerischen Seele ebenso wie in den Höhen des Glücksgesangs formulieren kann. Diverse Auszeichnungen küren Lunas Karriere, und auf mehr als auf einem Dutzend CDs ist ihre Stimme schon verewigt. Außerdem ist Luna außerordentlich hübsch, und für eine kubanische Carmen gehört das nachgerade zum Pflichtkanon.

„Carmen la Cubana“ wird begehrt… bis zum bitteren Ende. Jetzt gibt es „Carmen“ als Musical mit authentischem kubanischen Flair! Foto: Johan Persson

Saeed Mohamed Valdés ist als ihr José also nur zu gut zu verstehen! Aber auch er, der seit 2007 Profi-Sänger ist, hat eigene Qualitäten, die hinhören und hinsehen lassen. Nicht umsonst feierte er schon etliche Musical-Erfolge, und dass er mit klassischer kubanischer Musik in Live-Auftritten mit Band durch die Türkei zog, macht seinem multikulturellen Engagement alle Ehre.

Joaquín Garcia Mejiás als glamouröser Boxer El Niño bildet da in jeder Hinsicht stimmlich und als Bühnenfigur einen interessanten Kontrast. Der geübte Leadsänger diverser Salsa-Bands, der zudem aus einer Musikerfamilie stammt, begegnet Carmen mit einer Art, die sie von José nicht kennt. Das lockt sie an… fatalerweise…
Gisela Sonnenburg

Voraufführungen ab dem 17. Juli 2018 in Köln, Deutschlandpremiere am 19. Juli in Köln – spätere Termine auch in Leipzig, Frankfurt, Berlin und München!

Termine und Tickets: www.carmen-la-cubana.de

Carmen la Cubana kommt aus Kuba!

Die Weltpremiere fand 2016 in Paris statt – jetzt ist das neue Kultmusical um „Carmen la Cubana“ mit berauschenden Bildern und unter die Haut gehenden Klängen in Deutschland zu sehen. Nicht verpassen! Foto: Johan Persson

 

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