Hochgradig verrückt Gestern verkaufte das Auktionshaus Grisebach in Berlin ein kleines Frauenportrait des Malers Max Beckmann für die Rekordsumme von 4,7 Mio Euro netto – aber backstage wurde ein Freund des Hauses als „hochgradig verrückt“ tituliert

Grisebach hat Beckmann verkauft

Ein Blick online auf die Website von Grisebach: Auch hier erhielt das Beckmann-Bild am Tag seines Verkaufs höchste Aufmerksamkeit. Faksimile: Gisela Sonnenburg

Sogar der sonst eher ruhige Lokalsender rbb machte einen aufgeregten Eindruck: „Würde es eine Rekordsumme werden oder nicht?“ Es ging um die Versteigerung eines 60 mal 30 Zentimeter kleinen Gemäldes des deutschen Malers Max Beckmann, der 1950 in New York verstarb. Immer mal wieder tauchen Bilder von ihm auf, die dann Rekordsummen einspielen. In diesem Fall war das Bildnis einer traurigen jungen Frau („Die Ägypterin“) auf maximal zwei Millionen Euro geschätzt worden. Aber es erbrachte, nach knapp vier Minuten Preiskampf, mehr als das Doppelte: 4,7 Millionen Euro wird ein Kunde aus der Schweiz dafür bezahlen, inklusive Aufgeld sogar 5,5 Millionen Euro. Das Bild ist bekannt. Und nie wurde für ein Gemälde in Deutschland mehr bezahlt.

Aber ist das Bild wirklich echt? Davon wird ausgegangen. Die betuchte Kundschaft bei Grisebach, dem zuständigen Auktionshaus in Berlin, gibt sich entsprechend vornehm, spricht über solche Dinge nicht gern und bietet sowieso oft nur anonym am Telefon mit. Auch der Kunstkäufer der „Ägypterin“ will seinen Namen nicht preisgeben.

Was weder er noch deutsche Promis wie der TV-Moderator Günther Jauch, der zu Grisebachs Kundenkreis zählt, bislang wissen: Hinterrücks kommt es vor, dass ein feiner Kunstinteressierter von der Geschäftsführung nachweislich wüst beschimpft wird.

Nicht gerade vornehm, oder?

Zum öffentlichen Image von Grisebach passt das jedenfalls nicht.

Hier steht eigentlich schon alles drauf. Die U-Bahn-Station (auch die der Tram M 8) heißt außerdem Rosa-Luxemburg-Platz – man kann aber auch in zehn Minuten vom Alexanderplatz aus laufen. Kommt aufs Wetter drauf an! Und hier geht es zu den Tickets! Faksimile: Anzeige

Knapp vier Minuten dezenten Hin-und-Hers dauerte der von Kameras eifrig verfolgte Preiskampf um Beckmanns Bild.

Bernd Schultz – der alte blasse, grau gelockte Mann mit dem Allerweltsnamen und dem hanseatisch verfrorenen Lächeln, der die Nobelfirma Grisebach einst gründete und mit bald 80 Jahren noch als Mehrheitsgesellschafter ihre Geschicke lenkt – ließ es sich nicht nehmen, die mit Spannung erwartete Auktion mit der „Ägypterin“ selbst durchzuführen.

Vornehm wirkte er an seinem Pult, neben ihm hielten zwei Mitarbeiterinnen mit weißen Handschuhen das begehrte Bildchen hoch und an die weiße Wand.

Nach dem Zuschlag grinste Schultz – so ganz überrascht war er von den hohen Einnahmen wohl nicht.

Aber: Zwei dem Ballett-Journal vorliegende E-Mails, kürzlich abgesendet von einer der beiden Geschäftsführerinnen der Grisebach GmbH, beweisen, dass die zur Schau getragene Freundlichkeit in der Ku’damm-nahen Luxusvilla nicht immer echt ist.

Grisebach hat Beckmann verkauft

Auch am 2. Juni 2018, einem Samstag, gibt es noch auktionsmäßige Action in der Villa Grisebach. Faksimile von der Homepage von Grisebach: Gisela Sonnenburg

Das kaufmännische Denken der Kunsthändler in der Jugendstil-Villa scheint ihr Stilempfinden für zivilisierten Umgang doch stark zu überlagern.

Die beiden Mails bezeugen den Sittenverfall hinter den teuren Kulissen – und zugleich das wenig ehrbare, heuchlerische Auftreten der Geschäftsführung.

Als „hochgradig verrückt“ wird da intern eine dem Haus seit mehr als vierzehn Jahren auch öffentlich verbundene Person von Seiten der Geschäftsführerin in einer E-Mail an einen Dritten schriftlich tituliert.

Diese Mail richtet sich der Anrede nach an einen der promovierten Mitarbeiter des Hauses. Dieses lässt sich im übrigen gern nach seinem luxuriös-launigen Domizil, der edlen Architektenvilla von Hans Grisebach in der Berliner Fasanenstraße „Villa Grisebach“ nennen.

Abgeschickt wurde die Mail aus der Villa aber nicht an diesen Mitarbeiter, sondern an die Person, über die in der Mail kommuniziert wird. So etwas ist nicht wirklich geschmackvoll und auch nicht sicher elegant. Ob absichtlich oder grob fahrlässig – so etwas tut verdammt weh. Und sicher macht es keinen Spaß, eine solche geringe Wertschätzung der eigenen Persönlichkeit im eigenen E-Mail-Fach zu lesen.

Sie würde die Person kennen, „die“ sei „hochgradig verrückt“, meutert da die sonst so hoch vornehm tuende Geschäftsführerin über die betreffende Person.

Mit dem Stempel „hochgradig verrückt“ sind da noch weitere Äußerungen der Marke „Finger weg!“ in der E-Mail verbunden. Eine humoristische oder satirische Überspitzung ist somit ausgeschlossen.

Und damit der Inhalt auch nur ja nicht überlesen wird, ist er auch noch mit Knallrot markiert.

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Was zusätzlich pikant ist: Nur wenige Minuten nach dieser Mail voller Schmähungen verließ eine weitere den Account der Geschäftsführerin. Dieses Mal richtete sie sich direkt an die betroffene Person ihrer Schmähung.

Aber dieses zweite elektronische Briefchen ist in rundum freundlichem Ton gehalten – und es endet mit einem verbindlich klingenden „Herzlich, Ihre “.

Nur zehn Minuten zuvor hatte sie denselben Adressaten allerdings in ihrer ersten Mail übel abgekanzelt.

Wieviel ist die Herzlichkeit dieser Frau also nun wert?

Wenn man bedenkt, dass der Kunsthandel viel mit Vertrauen zu tun hat, dann hat ein solch dubioser E-Mail-Verkehr einen besonderen Beigeschmack.

Und er gibt tiefe Einblicke in die wahren Abgründe jener Geschäfte, in denen Kunst zu Geld gemacht wird.

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Was für ein Menschenbild muss man haben, um so zu agieren?

Eine offizielle Stellungnahme wollte Grisebach auf Nachfrage zu den E-Mails nicht abgeben.

Und während die mailende Geschäftsführerin im Namen ihrer Firma eine strafgeldbewehrte Unterlassungserklärung bezüglich ihrer schriftlichen Entgleisung abgab, droht Grisebach andererseits mit strafrechtlichem Vorgehen, sollten die beiden despektierlichen E-Mails veröffentlicht werden.

Eine solch plumper Versuch einer Einschüchterung ist aber nun auch mal wieder kein guter Ton, liebe Firma Grisebach!

Man wäre dort besser beraten gewesen, einen Deal auszuhandeln. Etwa über Stillschweigen und Vergebung, gegen Zahlung einer in solchen Fällen angemessenen und üblichen Summe. Solche Vorgehensweisen können vorgerichtlich oder gerichtlich ausgemacht werden.

Der Nachteil: Bei einer Zustimmung, zu Grisebachs Gunsten zu schweigen, wäre dieser Artikel nicht möglich gewesen.

Wir haben in Deutschland aber tatsächlich eine an Missständen jeder Art interessierte Presse- und Meinungsfreiheit, die selbstredend solche Patzer einer großen Firma öffentlich machen kann.

Schließlich geht es hier um die Einschätzung einer hoch angesehenen GmbH – die möglicherweise nicht ganz zurecht bisher viele Sympathien erntete.

Grisebach hat Beckmann verkauft

Bernd Schultz stolz bei der Auktion des Beckmann-Bildes – die ARD Mediathek hat es mit dem rbb-Beitrag dokumentiert. Ganz schön viel Rummel um ein kleines Frauenzimmer! Faksimile: Gisela Sonnenburg

Schließlich erhebt sich die Frage: Darf man so agieren wie Grisebach? Nach außen vornehm tun und hintenrum jemanden bösartig herabsetzen?

Und dann noch ein Schweigen unter Androhung von rechtlichen Verfahren verlangen?

Zweifelsohne verletzt so etwas die Sphäre und das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Person. Zweifelsohne ist so etwas richtig übler Mundgeruch. Und zweifelsohne fügt so ein Verhalten, ob absichtlich oder unabsichtlich, mächtig Schaden und Schmerzen zu.

Nicht zuletzt beschädigt Grisebach aber auch sich selbst mit so einem Verhalten, und dessen Aufdeckung ist nun die allererste Pflicht.

Schließlich geht es hier um kulturelle Werte, die dieser Gesellschaft lieb und teuer sind. Und nicht um einen Kaninchenzüchter-Verein. Wobei auch dort sicher niemand es verdient hätte, mal eben so behandelt zu werden.

Aber was sagen die Kulturhüter aus der Fasanenstraße – einer der teuersten Straßen Berlins – was also sagt Grisebach denn selbst zu dem Vorfall?

Grisebach hat Beckmann verkauft

Auf der Homepage zeigte Grisebach seine Pressemeldung – man schürte die Spannung auf den Verkauf des Beckmann-Bildes, der wie geplant am 31. Mai 2018 stattfand. Faksimile: Gisela Sonnenburg

Die schriftliche „Erklärung“ der Geschäftsführung von Grisebach, als sie die Unterlassungserklärung übersandte, war die, dass die Beschimpfung als „hochgradig verrückt“ nicht persönlich gemeint gewesen sei.

Und sich auch nur auf einen Sachverhalt bezogen hätte. Aber wozu dann der Kontext in der Mail, man würde diese Person „kennen“, und „die“ sei „hochgradig verrückt“? Das klingt nun wirklich sehr persönlich, persönlicher geht es eigentlich kaum noch.

Grisebachs Selbstrettungsversuch in dieser Angelegenheit hilft denn auch niemandem. Denn demnach könnten die Geschäftspartner der Grisebach GmbH ja gleich reihenweise klammheimlich solchermaßen geschmäht werden. Wenn es nicht persönlich gemeint ist…

Alles nur Irre, die sich da für die teure Kunst interessieren?

Natürlich: Wir wissen nicht, wie man bei Grisebach intern über Günther Jauch redet. Aber wir haben ein Beispiel einer Titulierung vorliegen, die für niemanden schmeichelhaft wäre.

Wenn nun in Firmen, in denen angeblich auf höchstem Niveau agiert wird, um die abendländische Kultur zu Geld zu machen, solche Dinge vorkommen, dann interessiert das die Öffentlichkeit – und zwar zu Recht.

Und das wirft auch weitere Fragen auf – danach zum Beispiel, ob solch ein liebloser Umgang nur Menschen betrifft oder auch die Inhalte, mit denen bei Grisebach gehandelt wird.

Man muss sich das nochmal klar vor Augen führen: Da glaubt jemand und hat auch allen Ernstes Grund dazu, er sei seit vielen Jahren ein stets gern gesehener Gast des Hauses. Er folgte ja auch den an ihn persönlich gerichteten Einladungen! Aber dann muss er auf einmal feststellen, dass er bei Grisebach als Verrückter gehandelt wird.

Grisebach hat Beckmann verkauft

Auch „Die Ägypterin“ hatte es wohl nicht immer leicht, so, wie sie dreinschaut: als wäre sie verprügelt worden, mit sehnsuchtsvoll-traurigem Blick und zudem mit leicht verrutschter Frisur, als käme sie gerade aus einer schlüpfrigen Situation. So online zu sehen beim rbb. Faksimile: Gisela Sonnenburg

Was ist das wohl für ein Gefühl? Ein seltsames Erlebnis – ein Schock, und mit Sicherheit ein sehr schmerzhafter. Menschlichkeit scheint bei Grisebach jedenfalls kein Wert zu sein, diese Botschaft erschließt sich aus dem Zusammenspiel der beiden Mails ganz deutlich.

Betrifft denn diese Doppelzüngigkeit eigentlich nur diese eine Person?

Oder viele? Und wie ist es mit weiteren Sachverhalten?

Ist jede Auskunft und Angabe von Grisebach auch wirklich so gemeint, wie sie erscheint? Oder hat jede Medaille, die das Haus freundlich vergibt, eine zweite Seite?

Im Kunstgeschäft zählt der gute Ruf viel. Da spielen jede Menge Detailinformationen eine Rolle.

Ist Grisebach da immer zuverlässig und eindeutig? Oder gibt es auch Desinformationen?

Solche E-Mails säen Zweifel.

Und wie steht es zudem mit den gehandelten Werten? Mit den Fakten, die die Bilder erst zu dem machen, was sie sind?

Stichwort Fälschungen. Sie sind das große Schlossgespenst in jeder Villa, die sich mit Kunst und ihrem Handel beschäftigt.

Grisebach hat Beckmann verkauft

Der geläuterte Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi ist auch bei Google Bildern eine Berühmtheit: so sieht es aus, wenn man seinen (Künstler-)Namen googelt. Faksimile: Gisela Sonnenburg

Der Fall des Meisterfälschers Wolfgang Beltracchi zeigte 2011, wie anfällig die völlig Hype-versessene, geldgierige Kunstwelt derzeit für Fälschungen ist. Jahrelang hatte Beltracchi eigenhändig gemalte Fakes von Malern wie Max Ernst und Heinrich Campendonk in den Handel bringen lassen.

Mit großem Erfolg.

Experten und Sammler, Museumsleute und Gutachter fielen reihenweise auf ihn rein. Wie einst im Fall der Hitler-Tagebücher, die Konrad Kujau geschrieben und vertickt hatte, kamen zunächst kaum Zweifel auf.

Erst eine chemische Analyse wurde für Beltracchi zum Stolperstein. Er hatte ein Titanweiß verwendet, das es zum Zeitpunkt der vorgetäuschten Malerei so noch gar nicht gab.

Farbpigmente und anderes können heute naturwissenschaftlich scharf untersucht werden – und bringen unter Umständen die Wahrheit ans Licht.

Solche naturwissenschaftlichen Gutachten lässt Grisebach aber so gut wie nie erstellen, und auch die sonstige Kunstszene drückt sich gern um solche Evidenz.

Statt dessen zählt man in Katalogen gern die überlieferte Provenienzen der einzelnen Werke auf, nimmt die Werkverzeichnisse und Angaben von Erben als Belege – und fügt gern noch angebliche Anekdoten mit an. Zur Not sogar im Konjunktiv!

Das hilft wohl wie Gleitmittel beim Verkauf und bei der Imagepflege.

So hat Grisebach im Fall Beckmann eine Expertin namens Elke Ostländer engagiert, die im Umfeld der Versteigerung der „Ägypterin“ herumerzählte, Beckmann habe über das Bild behauptet, die dargestellte junge Dame sei ihm „im Traum erschienen“. Eine sehr oberflächliche Anleitung für die Interpretation eines solchen hintergründigen Bildes.

Die Ägypterin“ soll von Beckmann im Exil in Amsterdam gemalt worden sein, und zwar 1942. Direkt ab Atelier soll es dann in den Besitz des Ehepaares Erhard und Barbara Göpel übergegangen sein. Aus dem Nachlass der Witwe Barbara stammt es nun.

Erhard Göpel (1906 – 1966) war indes eine dubiose Gestalt, er arbeitete als Kunsthistoriker für die Nazis, war an Plünderungen und an illegalen Kunstaneignungen im Ausland für ein geplantes „Führermuseum“ beteiligt.

Grisebach hat Beckmann verkauft

Erhard Göpel ist bei Wikipedia bekannt – und man lernt rasch, seine Person nicht nur positiv zu sehen. Faksimile: Gisela Sonnenburg

Max Beckmann aber gehörte, wiewohl er vor den Nazis flüchten musste, zu Göpels Lieblingen. Das „arische“ Ehepaar half dem verfemten Maler und dessen zwanzig Jahre jüngeren Frau zu überleben.

Nun ist anzunehmen, dass Göpel das nicht aus reiner Kunst- oder Menschenliebe tat. Sondern: um für den absehbaren Fall, dass der Größenwahn der Nazis, unbegabte Pseudokünstler zur Weltelite hochzujubeln, irgendwann schief gehen würde, wertvolle Kunst eines bedeutenden Malers privat in petto zu haben. Tatsächlich stieg Beckmanns kunstgeschichtliche Bedeutung wie die auf dem Kunstmarkt stetig.

Für einen Kenner wie Göpel war das vorauszusehen. Er konnte gar nichts Schlaueres machen, als Beckmann zu unterstützen und Werke von ihm beizeiten preiswert anzukaufen.

Damit nun alles hübsch in der Familie bliebe, erstellte Göpel gemeinsam mit seiner Frau auch noch das Werkverzeichnis von Beckmann.

Hier liegt oft der Hase im Pfeffer: Solche Werkverzeichnisse werden zumeist ohne naturwissenschaftliche Analysen der Bilder erstellt, hier genügt meistens eine naiv behauptete Provenienz, damit ein Bild als echt anerkannt und als solches gelistet wird. Manchmal gibt es Quittungen über Käufe und Verkäufe, aber eine Garantie, ob ein Bild auch ein Unikat ist, gibt es selten – aber wer will die hübschen Märchen von Echtheit und Wert schon gerne anzweifeln? Die Kunstszene delektiert sich lieber an den Gewinnen, statt ihre Schätze selbstkritisch zu betrachten.

Problematisch erscheint mir in diesem Zusammenhang übrigens auch die Werkverzeichniserstellung für Max Liebermann, die ebenfalls – wie im Fall Beckmann – erst lange nach dem Tod des Künstlers und weitgehend auch ohne naturwissenschaftliche Nachweise stattfand.

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1976 erst legten die Göpels ihr Werkverzeichnis für Beckmann vor, und seit April 2016 wird es zudem von der Kunsthistorikerin Anja Tiedemann überarbeitet. Letzteres befand die auf Privatgeld beruhende Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung (Ahlen) für notwendig. Sie finanziert das Unterfangen auch. Natürlich umfasst der Wissenschaftliche Beirat hier mehr als ein halbes Dutzend honorige Köpfe. Darunter, soweit mir bekannt, kein Chemiker oder Anthropologe. Erklärtes Ziel der aktuellen Arbeit: Die „Erweiterung“, nicht etwa die kritische Beleuchtung des vorhandenen Werkverzeichnisses. Man könnte nun auflachen. Und wird darauf achten müssen, ob demnächst angeblich „marktfrische“ oder „bisher unbekannte“ Beckmann-Arbeiten oder auch Dokumente als Quellenbeleg im Kunst- und Auktionsroulette landen.

Mal angenommen, „Die Ägypterin“, die schon auf vielen großen Ausstellungen zu sehen war, wäre eine Fälschung – man hätte sie dann zügig erstellen lassen können, etwa kurz nach Beckmanns Tod 1950, und man hätte dann behaupten können, sie sei schon einige Jahre zuvor im Amsterdamer Exil entstanden.

Die Erben von Barbara Göpel, in deren Besitz sich das Bild bisher befand, hätten ganz sicher kein Interesse daran gehabt, die Echtheit anzuzweifeln.

Aber sind erwiesene Nazis wie Erhard Göpel wirklich vertrauenswürdig?

Wie viele Fälschungen in der Kunstgeschichte sozusagen von der ersten Stunde ihres Bestehens an ein gutes Deckmäntelchen verpasst bekamen, ist unbekannt. Aber es ist nicht auszuschließen, dass es so etwas des öfteren gibt. Zumal, seit der Kunstmarkt immer ärgere Cabriolen schlägt, was die astronomischen Summen bei Verkäufen angeht. Das ist seit Kriegsende in Deutschland zunehmend der Fall.

Wahrscheinlich ist „Die Ägypterin“ von Beckmann aber echt. Zumindest ist es ein fantastisches, auch fantasievolles Gemälde, das formal und inhaltlich mehrere Ebenen aufweist und auf jeden Fall ein Meisterwerk ist.

Nur gibt es auch unter den Fälschern wahre Meister, die es – aus was für Gründen auch immer – im normalen Kunstbetrieb nicht nach oben schafften.

Aber technisch-malerisch spricht hier Einiges für Beckmann:

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Der Highlighter auf den Lidern der jungen Frau reicht bis dicht unter ihre Brauen – typisch für Beckmanns Frauen. Auch die sehnsuchtsvollen Augen, die hier einen lancierten Schlafzimmerblick zeigen, sind typisch für seine Kunst. Dass sie vom Bildausschnitt her nicht mittig zu sehen ist, sondern angeschnitten und schief im Bild sitzt, ist allerdings ein Kunstkniff, den Beckmann nicht so oft anwandte. Und dass die Nasenspitze der Frau zwar extra beleuchtet wurde, aber schief ist – was auf einen früheren, verheilten Nasenbruch durch Gewalttätigkeit hindeutet – kann man so oder so deuten.

Insgesamt handelt es sich vermutlich um eine Prostituierte, die hier – im Gesamtausdruck traurig, wie geprügelt, mit deutlich hängenden Schultern – vom Maler für den Moment des Ansehens heroisiert wurde.

Das passt schon zu den schwülstigen Männerfantasien, die seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts die Kunstwelt dominierten.

Aber warum sollte jemand wie Beckmann, der seine eigene Gattin („Quappi“) kess im Mieder malte und ansonsten recht verrätselte, surreal angehauchte Landschaften mit breitem Farbauftrag in die Welt setzte, im Amsterdamer Exil während des Zweiten Weltkriegs ausgerechnet eine verprügelte Nutte idealisieren?

Als Allegorie hätte das in Beckmanns Leben keinen Sinn gemacht. Oder steht die Schöne für die Kunst in Deutschland? Sind die Nazis hier die unsichtbaren Zuhälter, die ihre Gewalt antaten? Das wäre allerdings eine ergreifende Deutung, die nicht unmöglich ist.

Dagegen spricht nur das Selbstbewusstsein Beckmanns als Künstler. Denn er hatte sich von den Nazis weder korrumpieren noch unterkriegen lassen. Warum sollte er dann die geschändete Kunst solchermaßen zeigen?

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Die Unterlider der „Ägypterin“ sind geschwollen, ihr hübsches Gesicht wirkt aufgedunsen. Rötliche Farbe unter den Augen verweist auf Reizung durch Tränen.

Die Form der Frisur und der antikisierende Schmuck der Schönen, aber auch die Betonung ihrer schwarz umrandeten Augen, die der Künstler seiner Muse hier auf dem Gemälde zukommen lässt, bedeuten eine ganz bewusste Heroisierung – und ebenso eine bewusste Anlehnung an die antiken Bildnisse von Verstobenen, wie man sie bei ägyptischen Mumien fand.

Daher auch der Spitzname der Portraitierten: „Die Ägypterin“.

Diese intellektuelle, hintergründige Leistung, die hinter dem Bildentwurf steht, ist schon sehr typisch für Beckmann. Er rückt damit die melancholische Liebesdienerin ganz bewusst in die Nähe des Todes, verknüpft solchermaßen nekrophile Fantasien mit dem heldischen Frauenbild.

Auch die Farben, die er hierfür wählte, sind keine des prallen Lebens, sondern solche der Leichentuchromantik: „Weiblicher Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ heißt das Bildnis im Ganzen.

Soweit, so Beckmann.

Was gegen eine Echtheit spricht, ist hingegen das bemüht und detailreich nuancierende Schattenspiel hier im Portrait. Beckmann malte oft betont flächig, eher einfach, fast grob, zeichnerisch simpel und meist auch sehr zügig vom Tempo her – warum also sollte er ausgerechnet bei diesem Sujet so aufwändig mit Hell und Dunkel changiert haben?

Vielleicht, weil es sich um eine Ausnahmefantasie von Beckmann handelte. Vielleicht entstand dieses Bild kurz nach einem Bordellbesuch – und anders als andere Maler, etwa George Grosz, wollte Beckmann vielleicht schon mit Rücksicht auf Quappi nicht so deutlich darauf hinweisen.

Grisebach hat Beckmann verkauft

„Ich erinnere mich gut an Max Beckmann“ – keiner beobachtete so genau wie Stephan Lackner, Autor dieses Buches, das 1967 im Florian Kupferberg Verlag in Mainz erschien. Wer es noch haben kann, nur zu! Solche Bücher altern nie… Faksimile: Gisela Sonnenburg

Ich zitiere mal aus dem 1967 in Mainz erschienenen, mit Abbildungen sehr sinnvoll illustrierten Buch „Ich erinnere mich gut an Max Beckmann“ von Stephan Lackner, einem 1910 geborenen und 2000 verstorbenen Freund des Malers. Es gibt meiner Kenntnis nach keine Zeugnisse bezüglich Beckmann, die vertrauenswürdiger wären.

„Im Herbst 1837 bezogen Herr und Frau Beckmann in Amsterdam das schmale, altertümliche Giebelhaus am Rokin 85, das dann bis 1947 ihre nicht immer ganz freiwillige Heimstätte bleiben sollte.“

Lackner, ein gebürtiger Jude, der schon seit 1939 in den USA lebte, stand mit Beckmann in stetem Briefkontakt. Er wurde auch über Geschäftliches laufend von seinem Freund informiert und war offenkundig eine Person großen Vertrauens.

Von der „Ägypterin“, einem immerhin doch sehr auffallenden Werk im Reigen Beckmanns, ist indes in seinen Erinnerungen nichts verzeichnet. Allerdings fällt der Zeitraum von 1942 auch in eine Zeit des angeblich rein kriegsbedingten großen Schweigens zwischen den beiden Männern.

Dafür schildert Lackner den bewunderten Maler, wie er ihn im April 1947 in Paris nach längerer Zeit wieder persönlich trifft.

Erst jetzt, am 25. März 1947, waren Max und Quappi mal wieder aus Holland ausgereist. Jetzt Lackners feine Beobachtungen dazu:

Grisebach hat Beckmann verkauft

Diesen Marmorfuß hatte Grisebach dieses Jahr auch in den Frühlingskatalogen. Er stammt von 1856 und von dem Bildhauer Carl Cauer – und soll möglicherweise den Fuß einer im 19. Jahrhundert lebenden, beliebten italienischen Ballerina zeigen. Ob das wohl alles so richtig ist? Füße lebender Ballerinen wurden damals eher in Spitzenschuhen geliebt als nackt – und sie tanzten mitnichten auf Paradekissen. Auch nicht, wenn denen ein Troddel fehlte. Bekannt sind solche Steinkissen aber von Friedhöfen als Grabsteinformen – und in realitas zur Präsentation von Reliquien. Diese stammen aber immer von Toten! Jedenfalls ist nicht alles Beckmann oder Nolde bei Grisebach. Foto: Grisebach

Beckmann erschien mir an diesem Nachmittag kaum verändert, etwas schlanker geworden natürlich, doch hatte der inzwischen Dreiundsechzigjährige noch immer die gleiche gefasste Vitalität, die federnde Spannkraft bei aller ihm eigentümlichen golemhaften Schwere.“

Liest sich das nicht poetisch? Als sei der nicht mehr junge Max Beckmann ein Tänzer gewesen…

Und weiter: „Sein Stirngewölbe verriet das Wetterleuchten noch unsichtbarer Gedanken. Sein vorgeschobenes Kinn kam mir vierschrötiger, fast bäurisch vor, sein seltsam breiter Mund war so ausdrucks- und eindrucksvoll wie je. War es meine Einbildung, oder hatten die Lippen etwas von der gemütlichen platten holländischen Sprache angenonnem?“

Und: „Typisch berlinerisch sah der Mann nicht mehr aus, und die Ironie des Asphaltmenschen, die er früher gern hervorgekehrt hatte, war zurückgedrängt.“

Und dann gibt es doch etwas, das Lackner aus diesen Pariser Tagen 1947 erzählt, das mit der „Ägypterin“ in Zusammenhang zu bringen ist:

Beckmann, dessen Vorliebe für volle weibliche Formen man aus vielen Zirkus- und Kabarettgemälden kennt, war etwas enttäuscht von den schlanken Tänzerinnen, denen man den Kalorienmangel anmerkte. ‚Es dampft noch nicht richtig’, sagte er nach dem Cancan.“

Ein wenig enttäuscht war Beckmann dann sicher auch von der angeblichen Traumerscheinung, die er als „Ägypterin“ malte, denn sie ist sichtlich hager, hat ein flaches Gesicht, einen schmalen, langen Hals und knochige, traurig herab hängende Schultern. Fast wirkt sie sogar bucklig. Und: Sie entspricht so gar nicht dem Schönheitsideal Beckmanns, das Lackner so lebhaft und authentisch beschrieb.

Übrigens belegen auch Beckmanns Tagebücher selbst diesen geschilderten champagnerseligen Abend, der viel vom Wesen Max Beckmanns preis gab.

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Bald danach fuhren Max und Quappi von Paris wieder nach Amsterdam, wo sie auf eine Gelegenheit warteten, in die USA auszuwandern – obwohl es ihnen in Holland gut ging und das renommierte Stedelijk Museum ein „Doppelportrait“ von 1941 von Max Beckmann angekauft hatte.

Mit dem Ruf einer amerikanischen Universität, eine Meisterklasse für Malerei zu übernehmen, kam für Beckmann dann die ersehnte Emigration nach Übersee.

Am 8. September 1947 kam Beckmann in New York an, nicht ahnend, dass er nur drei Jahre später dort sterben würde. Er hoffte noch einmal auf einen Neuanfang.

In Deutschland wollte er übrigens nach der Erfahrung mit den Nazis nie wieder leben. Stephan Lackner weist explizit darauf hin, dass jede gegenteilige Behauptung falsch sei.

Knorrig und querköpfig, sinnlich, intellektuell, charakterstark und ein bisschen versoffen – so war Max Beckmann in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Passt nun ein Werk wie die „Ägypterin“ in Beckmanns Leben von 1942?

Beckmann arbeitete gern schnell, oft an mehreren Bildern gleichzeitig. „Die Ägypterin“ aber wurde offenkundig sehr sorgfältig ausgemalt, obwohl sie absichtlich nachlässig aussieht: mit verrutschter Frisur und schräg sitzendem Haarband hat sie das gewisse Etwas von einer Frau, die gerade eben aus einer schlüpfrigen Situation kommt.

Aber hätte Max Beckmann auf solche Details soviel Zeit verwendet? Er malte Portraits vor allem als Aufträge, für gutes Geld. Allzu viele Sorgen verwandte er nicht darauf.

Grisebach hat Beckmann verkauft

Michelangelo ist das Paradebeispiel für unwahrscheinlich viele „echte“ Zeichnungen auf der Welt. Die Bildersuche bei Google kennt da längst nicht alle… aber doch einige! Faksimile: Gisela Sonnenburg

Beckmann hatte sogar mal für einen Auftraggeber ein Portrait gemalt, bei dem er ihm versehentlich – offenkundig in großer Eile – sechs statt fünf Finger an einer Hand malte. Der Abnehmer beschwerte sich und ließ Beckmann nachbessern. Was dieser auch tat, allerdings murrend. Und sein Kommentar zu der Sache ist überliefert: „Sechs Finger – na was beklagt er sich, sind doch mehr als fünf fürs gleiche Geld.“

Und dieser ganz schön unverfrorene Mann sollte nun eine gemalte Dirne mit zerzaustem Haar minutiös von unten ausgeleuchtet haben? Obwohl sie nicht mal seinem Männergeschmack entsprach?

Irgendwie unglaubhaft.

Aber weil gerade Beckmann immer gern Unerwartetes tat und sich nachgerade als Querkopf selbst definierte – ist es eben doch möglich, dass er, in einer Zeit des sanften Umschwungs in seinem Leben, auch ein für ihn untypisches anrüchiges Abenteuer mit einer für ihn untypischen Frau suchte und fand – zumindest in der Malerei.

Alternde Männer sind schließlich zu allem fähig.

Wahrscheinlich ist das Bild also echt. Aber mit hundertprozentiger Gewissheit kann das wohl niemand sagen. Das ist tatsächlich so, und insofern ist fast jeder Handel mit Kunst oder Antiquitäten auch ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten.

Und ich habe auch schon Werke bei Grisebach gesehen, die starke Zweifel in mir weckten.

Und nur Eines wissen wir ganz sicher: Von manchen berühmten Künstlern sind im Laufe der Zeit so viele angeblich echte Werke in den Umlauf gekommen, dass sie unmöglich von ihm selbst stammen können.

Paradebeispiele dafür sind Zeichnungen von Michelangelo. Der Mann müsste Tag und Nacht und Nacht und Tag wie besessen gezeichnet haben, am besten ohne Schlaf und ohne Rast, um so viele Blätter auszufüllen, wie in weltweit verstreuten Archiven als angeblich echte Michelangelos ruhen.

Auch bei Aquarellen von Emil Nolde, die Grisebach in den letzten Jahrzehnten auch gern und hoch handelte, sollte man vorsichtig sein. Nach dem, was Nolde selbst an Bekenntnissen hinterlassen hat, war er nämlich ein äußerst selbstkritischer Maler, der so manches Werk vernichtete, weil es seinen eigenen Maßstäben nicht stand hielt. Da passt es gar nicht dazu, dass es Aquarelle in wahren Flutausmaßen von ihm gibt.

Grisebach hat Beckmann verkauft

Aquarelle von Emil Nolde gibt es sehr viele, auch im Internet bei der Google-Bildersuche. Ob alle bunt getuschten Werke echt sind? Man wird fragen dürfen – und es im Grunde auch müssen. Faksimile: Gisela Sonnenburg

Vorsicht ist auch geboten, wenn Briefe, Tagebücher oder sonstige „Belege“ für etwaige Werkechtheit ganz plötzlich auftauchen, etwa auf den berühmt-berüchtigten Dachböden oder in angeblich verrümpelten Kellern.

Zur Feststellung der Echtheit solcher Dokumente empfehlen sich unbedingt chemische Analysen, nicht nur bei den Gemälden – obwohl besonders schlaue Fälscher ausschließlich Materialien verwenden, die glaubhaft sind, weil es sie zum vorgetäuschten Zeitpunkt der Entstehung tatsächlich üblicherweise gab. Da nützt dann mitunter auch der beste chemische Test oder auch ein Röntgenbild oder Ähnliches nicht allzu viel.

Echt oder nicht echt?

Das ist bei teurer Kunst immer die Frage – und wird auch immer die Frage aller Fragen sein.

Inwieweit nun der gute Ton bei der Firma Grisebach echt ist oder auch nicht, wird hingegen das Geheimnis der meisten Mitarbeiter dort bleiben.

Grisebach hat Beckmann verkauft

„Geiz ist geil“ – für einen bekannten Medienmarkt ja, aber für alle anderen? Macht Geiz generell geil? Manche sagen auch, dass Geiz dumm machen soll… sogar und gerade auch die Reichen! Faksimile von der Google-Bildersuche: Gisela Sonnenburg

Interessant ist nun indes noch anzumerken, dass Grisebach zwar, wie schon erwähnt, zu einer schriftlichen Unterlassung der Schmähung „hochgradig verrückt“ bereit war, nicht aber zur Zahlung eines Schmerzensgeldes. Dabei ist dieses doch das anerkannteste Mittel in unserer Gesellschaft, eine Entschädigung zu leisten. Eine Unterlassung allein lindert keine schockartig erlittene Pein. Jeder weiß das, oder?

Geiz macht geil? – Oder extrem dumm. Das wird die Zukunft zeigen.
Gisela Sonnenburg

ballett journal