Auf zur Neueröffnung der Glyptothek! Nach zweijähriger Sanierungszeit gibt es heute abend auch im Live-Stream den Festakt zur Wiedereröffnung der Glyptothek in München

Die Glyptothek in München wird neu eröffnet

Er ist mit Sicherheit einer der schönsten Männer in der Kunstgeschichte: Der „Barberinische Faun“ empfängt ab morgen wieder Besucher. Foto: Gisela Sonnenburg

Zwei Jahre wie zwei Jahrhunderte… spätestens durch die Corona-Lockdowns fühlte sich die Zeit, in der die Kunstfreundinnen und Kunstfreunde auf die Glyptothek, das schönste Münchner Museum, verzichten mussten, wie eine halbe Ewigkeit an. Aber jetzt! Jetzt eröffnet das rundum dezent erneuerte Haus, und heute abend um 19.30 Uhr geht der Festakt live online.

Nach zweijähriger Sanierungszeit steht heute abend auch im Live-Stream der Festakt zur Wiedereröffnung der  Glyptothek in München an

Zu Recht ist er stolz auf die Wiedereröffnung des weltbekannten Hauses: Dr. Florian Knauß, Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München. Foto: Gisela Sonnenburg

Der Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München, Dr. Florian Knauß, wird ebenso sprechen wie die dänische Botschafterin, die aus Berlin per Zoom präsent ist.

Auch der Schirmherr der Ausstellung wird selbstverständlich sprechen: Es ist Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kultur.

Die konzeptionell sehr überzeugende Ausstellung, die somit ebenfalls heute abend eröffnet und ab morgen fürs Publikum zu seinen sein wird, hat einen programmatischen Titel  „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. – Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“.

Sie vereint Werke des dänischen Bildhauers mit antiken Skulpturen – und weist die Spuren nach, die der Däne in München dank seiner guten Beziehungen mit Ludwig I. hinterließ, vor allem im Bestand der Glyptothek sowie an ihrer Fassade.

Nach zweijähriger Sanierungszeit steht heute abend auch im Live-Stream der Festakt zur Wiedereröffnung der  Glyptothek in München an

Wie ein Licht hält Spes, die Hoffnungsgöttin, in der Darstellung von Bertel Thorvaldsen ihre Blume empor. So zu sehen in der neu eröffneten Glyptothek. Foto: Gisela Sonnenburg

Bis zum 25. Juli 21 wird die Ausstellung in München zu sehen sein. Tickets mit Zeitfensterfunktion werden online angeboten.

Von außen zu sehen ist derweil bereits die originale Farbigkeit des Museumsgebäudes: in verschiedenen Sandsteinfarben changierend. Die Nazis hatten in den 1930er-Jahren glatt eine Einheitstünsche angebracht, und die wurde jetzt bei der Sanierung, die innen und außen stattfand, entfernt.

Ludwigs Geschmack war aber auch erlesen. Er errichtete nicht nur die berühmte Schönheitengalerie sowie ein rundes Dutzend bemerkenswerter Gebäude in München.

Nach zweijähriger Sanierungszeit steht heute abend auch im Live-Stream der Festakt zur Wiedereröffnung der  Glyptothek in München an

Das Knie der „Aphrodite“ – echt antik und sehr aufregend. Mehr von ihr und ihren Gefährten gibt es in der Glyptothek in München zu sehen. Foto: Gisela Sonnenburg

Ludwig I. von Bayern, begeisterter Anhänger und Sammler antiker Kunst, hatte auch die Glyptothek speziell für die epochale Kunstrichtung der Antike erbauen lassen.

Thorvaldsen, ihm befreundet, arbeitete dem zu: Er beriet den König, ergänzte und restaurierte alte Stücke, schuf aber auch neue Werke im Stil des Klassizismus.

Als die Glyptothek 1830 erstmals eröffnet wurde, war ebenfalls nicht nur die Antike, sondern auch das Werk von Thorvaldsen präsent.

Nach zweijähriger Sanierungszeit steht heute abend auch im Live-Stream der Festakt zur Wiedereröffnung der  Glyptothek in München an

Kuratorin und Oberkonservatorin, zudem in Klassischer Archäologie promoviert ist Dr. Astrid Fendt: Sie kennt sich mit den Stücken in der Glyptothek bestens aus. Foto: Gisela Sonnenburg

Jetzt mischen sich echte Antike und die neuzeitliche Fantasie auf sie erneut:

Das Liebliche überwiegt im Biedermeierzeitalter, das Thorvaldsen bediente, während in der altrömischen und altgriechischen Kunst immer eine gewisse Strenge die Vitalität der Figuren unterstreicht.

Tänzerische Anmut, graziöse Haltungen und ein stark zivilisiertes Ideal der Menschheit und ihrer Fantasiewesen können als skulpturale Werke nirgendwo sonst in einem Museum schöner und besser beleuchtet erlebt werden!

Auch das Christentum findet hier seine künstlerischen Wurzeln, etwa mit der Friedensgöttin Eirene, die den Plutosknaben, eine kindhafte Allegorie für Wohlstand, auf dem Arm hat. Sie ist sichtlich die Vorläuferin für unsere Marienfiguren!

Nach zweijähriger Sanierungszeit steht heute abend auch im Live-Stream der Festakt zur Wiedereröffnung der  Glyptothek in München an

Die antike Friedensgöttin Eirene hält seit etwa 400 v. Chr. den Plutosknaben im Arm wie einige Jahrhunderte später Maria das Jesuskind. Foto aus der Glyptothek: Gisela Sonnenburg

Ein ausführlicher Bericht erfolgt nach Ostern hier im Ballett-Journal – jetzt aber wird erstmal dringend angeraten, dem Online-Live-Stream heute abend zu folgen. Viel Genuss!
Gisela Sonnenburg

Live-Stream, Beginn 19.30 Uhr: https://www.youtube.com/watch?v=XF6BcHdB41k

Tickets und mehr Infos: www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de

Und der umfangreiche, bildmächtige Katalog zur Ausstellung ist auch sehr empfehlenswert!

 

ballett journal