Happy birthday, Ballett-Journal! Hurra, heute wird das Ballett-Journal fünf Jahre alt! Eine Rückschau auf 1.824 tolle Tage und Nächte mit Ballett

Ida Praetorius und Albert Lendorf in John Neumeiers "Kameliendame".

Mit einer Gala in Berlin fing alles an: Alban Lendorf und Ida Praetorius tanzten zu Ehren der Malakhov Stiftung den „Weißen Pas de deux“ aus der „Kameliendame“ von John Neumeier – und da kam so eine Idee auf… Foto: Gisela Sonnenburg

Alles begann mit einer Gala in Berlin. Da müsste man doch viel ausführlicher berichten, als es in der Tagespresse und auch sonst üblich ist, dachte ich mir. So viele Aspekte kommen da zusammen! Einfühlsam und doch kritisch müsste man sie der Reihe nach beleuchten können. Ohne einfach nur „Häppchenjournalismus“ oder „Themensetting“ zu bedienen. Schöne Fotomotive gibt es ja auch – warum soll man das den Leuten denn nicht zeigen?! Wer sich ernsthaft für Ballett interessiert, will auch viel darüber wissen. Ich fragte mal ein wenig herum. Es fand sich eine computertechnisch machbare Möglichkeit, und der Name und die Struktur dieses Projekts ploppten nur so aus mir heraus.  Ich empfand das als ganz organisch – prompt entstand so das Online-Portal Ballett-Journal. Am 27. September 2014, also vor genau 5 Jahren (und wegen des Schaltjahres 2016 vor 1.824 Tagen und Nächten)  ging der erste Beitrag „ins Blatt“, was hier ganz simpel bedeutet: Er steht online. Seither wird laufend ausführlich über bemerkenswerte Ereignisse in der Ballettwelt berichtet, mit Schwerpunkten bei den wichtigsten deutschen Ballettmetropolen: Hamburg, Berlin, Dresden, Stuttgart, München, zeitweise Düsseldorf/Duisburg und seit 2016 auch bei Dortmund.

Im selben Jahr kam dankenswerterweise meine geistreiche Mitarbeiterin Franka Maria Selz dazu, zwei Jahre später der umtriebige Boris Medvedski. Auch andere BallettkennerInnen wirken gelegentlich mit, um die Vielfalt der Sache abzurunden.

Zart wie eine Rose: Das Ballett-Journal ist ein ambitioniertes, aber wirklich auch unkonventionelles Projekt. Foto und Ballett-Journal-Gründung: Gisela Sonnenburg

Dieses hier ist nun der 597. Beitrag, der komplett kostenlos zu lesen und anzuschauen ist, so oft man will – das war von Anfang an so, und trotz gelegentlicher Überlegungen, eine Spenden- oder Abonnementpflicht einzuführen, ist es bis heute beim kostenfreien Angebot für alle geblieben. Und – das ist wichtig! – bei der Möglichkeit, freiwillig etwas abzugeben, um von diesem einmaligen Portal nicht nur zu profitieren, sondern auch etwas zurückzugeben.

Ich darf bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass Spenden in einer Gesellschaft, die fast nur noch aus Kommerz bestehen, unbedingt notwendig sind, wenn man ein engagiertes Projekt wie dieses auch für die Zukunft unterstützen und nicht nur bei ihm nassauern möchte. Es ist ja nach wie vor überwiegend ein Ein-Frau-Projekt hier, und wer nicht komplett stur ist, ahnt, wieviel Mühe, Kraft und Zeit hier ständig hineingesteckt werden.

Und ganz nebenbei wird hier auch einem hohen sprachlichen Niveau gehuldigt, das Bildung und Verständnis zusammen denkt.

"Ein Sommernachtstraum" von John Neumeier - das Lieblingsballett vieler

Puck alias Alexandr Trusch und die Liebenden: Das garantiert schelmische Scherze… so zu sehen beim Hamburg Ballett in „Ein Sommernachtstraum“ von John Neumeier. Foto: Kiran West

Interviews, Fotostrecken, Portraits, Vorabberichte, Sammelreportagen und natürlich extrem hintergrundhaltige Rezensionen entstehen so – das journalistische Spektrum wird im Ballett-Journal vollauf abgedeckt. Da die meisten Beiträge hier sehr umfangreich sind, können sie viele Assoziationen mit abhandeln, für die woanders kein Raum ist. Die dramaturgische Ausrichtung vom Ballett-Journal ist insofern kein Zufall. Sie soll dem allgemeinen wie auch speziellen Verständnis von Ballett helfen. Aktualität und überzeitlich Wertvolles werden da zielsicher in den Beiträgen vereint, so hoffe ich.

Pressekonferenz bei John Neumeier

Von Balanchine über Williams bis zu Bernstein und Neumeier ergibt sich eine Kulturgeschichte der Neuzeit bei John Neumeier und seinem Hamburg Ballett. Zweifelsohne die beste deutsche Balletttruppe! Foto: Gisela Sonnenburg

Ob es sich nun um den 80. Geburtstag von John Neumeier beim Hamburg Ballett mit seiner großartigen Geburtstagsgala handelt oder um die aufwändige Wiederaufnahme von „Mayerling“ von Kenneth MacMillan in einer brandneuen Ausstattung in Stuttgart, ob es um den 200. Geburtstag des ballettösen Klassikers Marius Petipa geht oder um den neuesten Film über Rudolf Nurejew– im Reigen der Berichte über aktuelle Inszenierungen und Premieren hat das Außergewöhnliche im Ballett-Journal stets seinen Platz.

Meine Stammleserschaft und ich haben ja auch schon so Einiges erlebt!

Die "Bernstein Dances" von John Neumeier sind ein Volltreffer

Christopher Evans und das Ensemble im Finale von „Bernstein Dances“ von John Neumeier beim Hamburg Ballett: Gibt es mitreißenderen Tanz? Foto: Kiran West

Während das Hamburg Ballett immer wieder mit Rekorden in Qualität und Quantität seiner Aufführungen begeistert, sorgt das Staatsballett Berlin (SBB) in unregelmäßigen Abständen für die stürmischsten Auseinandersetzungen. Das sind die beiden Pole unter den großen Compagnien: zwischen dem Dauer-Highlight in Hamburg und dem Sturm-im-ständigen-Anmarsch in Berlin tummeln sich auf dem Ballett-Barometer die anderen deutschen Compagnien.

Ein Ballett-Barometer: Das ist auch das Ballett-Journal, wenn es sich bemüht, über Beschreibungen weit hinauszugehen, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die Gala des Étoiles 2017 lockt nach Luxemburg

Legendär: Vladimir Malakhov und Beatrice Knop in „The old Man and Me“ von Hans van Manen… erotisch und ironisch, satirisch und voller Herzensgüte! Foto: Bettina Stöß

Wir erinnern uns ans prägnante Berliner Sturmwetter: Zunächst wurde der höchst erfolgreiche, für Brillanz und Weltläufigkeit stehende Vladimir Malakhov als Ballettintendant „abgesägt“, um mit Nacho Duato einen modern ausgerichteten Meister als Nachfolger zu finden.

Immerhin gab es dadurch mit Duato-Stücken wie „Herrumbre“ und „Erde“ Ballette zu sehen, die sich den drängenden Themen von Menschenrechtsverletzungen und Klimawechsel widmen. Viel zu selten beschäftigen sich Choreografen mit solchen gesellschaftlich bedeutenden Sujets – und zwar so, dass man das auch erkennen und erfühlen kann.

"Herrumbre" ist ein Ballett über Folter, Guantanamo und Hoffnung.

Sie tanzten, als wären sie aus einem Guss gemachte, lebende Skulpturen:Aurora Dickie und Lucio Vidal in „Herrumbre“ von Nacho Duato beim Staatsballett Berlin. Foto: Fernando Marcos

Weiter ging es in Berlin mit der vorzeitigen Kündigung, also einer weiteren vornehmen Form des Absägens, von Nacho Duato, um mit Johannes Öhman und Sasha Waltz ein Intendantenteam einzuführen, das zwar eine relativ große Anhängerschaft in Berliner Millionärskreisen hat, dem die nicht kommerziell ausgerichtete Fachwelt eine solide Führung des renommierten Staatsballett Berlin (SBB) auf Dauer aber eher nicht zutraut. Kleine Pannen und größere Malheurs scheinen das zu manifestieren. Dass jedoch eine ehrgeizige Tanzzeitschrift das SBB just kürzlich zur deutschen Compagnie des Jahres ausrief, wirkte da eher wie eine ironische, um Jahre zu spät gekommene Ehrung.

Nicht wenige Zuschauer in Berlin haben sich derweil schon verabschiedet und kommen nur noch selten zum Berliner Staatsballett. Der Vorteil dessen: Man bekommt auch bei den beliebtesten klassischen Balletten noch kurzfristig oder eben an der Abendkasse reichlich Tickets.

Andere Zuschauerkreise, vor allem aus dem touristischen Umfeld, wurden dafür in Berlin dazugewonnen. Nur: Die füllen keine großen Häuser. Hoffen wir, dass das SBB nicht in ein paar Jahren ins Radialsystem umziehen muss.

Die Wilis locken zu Giselle

Die bravouröse Iana Salenko als „Giselle“ mit dem überwältigenden Dinu Tamazlacaru als Albrecht: beim Schlussapplaus mit dem Staatsballett Berlin. Bravo! Foto: Gisela Sonnenburg

Aktuell glänzen jedoch nach wie vor gestandene und neue Berliner Startänzer, Solisten und das Corps de ballet, so in der hervorragenden klassischen „Giselle“ von Patrice Bart, die seit neuestem sogar um ein kleines Herrentanzstück im ersten Akt erweitert ist. Diese Inszenierung, derzeit in der Deutschen Oper Berlin (DOB) zu erleben, ist sicher mehr als nur einen Hingucker wert. Die bravouröse Iana Salenko und der zwischen New York und Berlin pendelnde Daniil Simkin tanzen die beiden folgenden Vorstellungen am 4. und 5. Oktober 2019.

Die bis zum Wahnsinn liebende „Giselle“ tanzt aber nicht nur an der Spree, sondern auch an der Elbe auf, und zwar in Dresden. Dazu später, zuvor schauen wir noch einmal hoch nach Norden.

An der Alster begann das Hamburg Ballett mit John Neumeiers „Ein Sommernachtstraum“, dem wohl fulminantesten Shakespeare-Ballett der Moderne, die Spielzeit. Jetzt verbringt diese fraglos beste deutsche Truppe den Frühherbst bei seinem jährlichen Gastspiel im Festspielhaus Baden-Baden. Im Oktober kommt sie dann nachhause.

Die Nijinsky-Gala -Höhepunkte

Cao Shuci und Sun Ruichen (The National Ballet of China) tanzten auch „Das Lied von der Erde“ von John Neumeier. Exzellent! Zu sehen war es auf der Nijinsky-Gala XLV beim Hamburg Ballett. Foto: Kiran West

Neumeiers „Das Lied von der Erde“ nach der gleichnamigen Musik von Gustav Mahler wird ab dem 10. Oktober beim Hamburg Ballett etliche Kenner auch aus der Musikwelt anlocken, denn nach der Ballett-Oper „Orphée et Eurydice“ wagt John Neumeier eine weitere Novität: Er lässt den Startenor Klaus Florian Vogt im Mahler-Lied“ erstmals nicht nur die Partie des Tenors, sondern auch die des Baritons singen. Vogt ist den Lesern des Ballett-Journals schon seit Jahren kein Unbekannter mehr (wie hier und hier nachzulesen ist).

Zuvor aber sorgt das Semperoper Ballett in Dresden für eine tolle Überraschung: Maria Kochetkova wird die „Giselle“ in der modernen Fassung von David Dawson als Gaststar tanzen, zusammen mit Jón Vallejo als Albrecht am 2. und 8. Oktober 2019. Ballettdirektor Aaron S. Watkin hat da ein sehr gutes Händchen bei dieser neuen Besetzung bewiesen!

"La Sylphide" vom Staatsballett Berlin premierte in der Deutschen Oper Berlin

Maria Kochetkova tanzt hier „La Sylphide“ mit Anmut und Gestaltungskraft. Foto vom Staatsballett Berlin: Yan Revazov

Die Berliner Ballettfans haben La Kochetkova auch noch gut als „La Sylphide“ in Erinnerung, denn als diese beglückte sie letzte Spielzeit in der DOB.

Das Stuttgarter Ballett wird hingegen ganz erwartungsgemäß noch einige Male mit seinem atemberaubenden „Mayerling“ von Kenneth MacMillan regelrecht berauschen, bevor es Ende Oktober auf eine Asien-Tournee geht. Viel Genuss und viel Erfolg – alle Leser vom Ballett-Journal in Taiwan oder nahe Peking bemühen sich vermutlich schon um Karten.

Courtney Richardson und Fabien Voranger tanzen hier in „Giselle“ von David Dawson beim Semperoper Ballett in Dresden. Eine sanfte, moderne, sehr ästhetische Version des Ballettklassikers! Foto: Ian Whalen

Außer der Wachablösung des zu Recht sehr beliebten Stuttgarter Alt-Intendanten Reid Anderson durch seinen damaligen Stellvertreter Tamas Detrich vor einem Jahr gab es im Schwabenland in der jüngeren Vergangenheit einige Turbulenzen um den Choreografen Marco Goecke, der nun aber mittlerweile selbst zum Ballettdirektor wurde, und zwar in Hannover – wo er um die hochbegabte Tänzerin und Choreografin Xenia Wiest, die aus Berlin zu ihm an die Leine ging, redlich beneidet werden darf.

Das war jetzt ein schöner und zudem drei Städte miteinander verbindender „Bandwurmsatz“, und wenn sich Leser dazu äußern möchte, dann nur zu! Sollte man Bandwurmsätze, diese etwas altmodische Form der Mitteilung, nun gelegentlich pflegen (was ich gerne tue) oder sie, womöglich zu Gunsten des Telegrammstils, etwa abschaffen? – Ich freue mich auf Ihre Meinung per Mail an info@ballett-journal.de

"Mayerling" mit Jason Reilly

Auch ein Highlight: Jason Reilly bei seinem Debüt als Kronprinz Rudolf in „Mayerling“ beim Stuttgarter Ballett: superelegant. Foto: Ulrich Beuttenmüller

Sie dürfen aber auch gern andere Mitteilungen per E-Mail machen! Etwa Geburtstagsglückwünsche senden…

Oder sich zu Einzelbeiträgen äußern.

Den allerersten Artikel im Ballett-Journal finden Sie hier.
Er behandelt die eingangs erwähnte Gala.

Den ersten Bestseller-Beitrag, der immer noch besonders oft gelesen wird, finden Sie hier.
Es geht darin um den „Bolero“ von Maurice Béjart, getanzt von Polina Semionova und in Erinnerung an Maja Plisetzkaya.

Sehr häufig gelesene Porträts von jeweils einem  Superballerino finden Sie hier: je das Portrait von Dinu TamazlacaruAlexandr Trusch, und Roberto Bolle.

Frederick Ashton aus London ist toll

Zenaida Yanowsky und Roberto Bolle in „Marguerite and Armand“ in Nahaufnahme beim Royal Ballet in London. Welche Lust! Foto: Tristram Kenton / ROH

Geburtstagstexte für den megagenialen Choreografen John Neumeier gibt es hier, hier und hier und hier noch etwa Ähnliches.

Xin Peng Wang choreografiert live beim Ballett Dortmund hier.

Maja Plisetzkaja lebt hier für immer!

Die Kameliendame“ von John Neumeier gibt es hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und hier

George Balanchine darf nicht fehlen. Es gibt ihn zum Beispiel hier und hier! Und hier und hier.

Ach, „Onegin“! Wo bist du? Hier oder hier oder hier oder hierHier oder hier oder hier oder hier… oder auch hier?

Onegin - endlich als DVD

Ein Blick auf den Schluss von „Onegin“, auf der DVD von C Major Entertainment. Alicia Amatriain und Friedemann Vogel vom Stuttgarter Ballett berücken. Foto/Still: Gisela Sonnenburg

Other articles in English you can finde here, please, and here and here

Und darf es mal was über Christopher Wheeldon sein? Das hier? Oder das hier?

Aber das Interview mit Marcia Haydée kennen Sie schon? Oder haben Sie es vergessen? Hier finden Sie es wieder!

Und kein Ballettkult ohne den Schwanensee! Hier und hier, hier und hier, hier und hier! Und hier, hier, hier

Ein Skandal war und ist das hier

Unvergesslich schön war hingegen das hier, das wohl Beste von Kenneth MacMillan an der Semperoper in Dresden.

www.ballett-journal.de/hamburg-ballett-liliom-neumeier/

Ein nostalgischer Rückblick auf den November 2015 zeigt Melissa Hamilton und Jiri Bubenicek in „Manon“ von Kenneth MacMillan beim Semperoper Ballett. Foto: Ian Whalen

Das Witzigste war jedenfalls das hier (erst kürzlich), das Traurigste meiner Empfindung nach das hier (nun ja, wieder in Hamburg).

Aber auch das hier und das hier, das hier, das hier und das hier gehört alles zum festlichen Kosmos der Ballettwelt.

Ebenso wie das hier, das hier, das hier…

Aber auch das hier, im hohen Nordosten, wo der unverdrossene Ralf Dörnen eine unverwechselbare kleine, aber superfeine Truppe führt. Und wo alsbald eine neue Uraufführung, zu einem schwer romantischen Thema, ins Haus steht… „Und die Seele unbewacht…“ premiert am 26. Oktober 2019 in Greifswald. Hmmmmm, eine große Verlockung!

Uraufführungen werden derweil auch in Hannover eingeplant – aber an jenen Glanz einer kommenden Kreation, die tief im Westen auf die Ballettfans wartet, wird man vermutlich an der Leine nicht so ganz herankommen.

Xin Peng Wang kreiert ein Weltballett.

Xin Peng Wang tanzt vor, wie es sein soll: Auf der Probe für „Faust II – Erlösung!“ beim Ballett Dortmund. Probenfoto: Gisela Sonnenburg

Beim Ballett Dortmund begeisterten nämlich in den letzten Jahren regelmäßig die abendfüllenden Uraufführungen von seinem Ballettchef Xin Peng Wang, zuletzt sein Meisterstück „Die göttliche Komödie I: INFERNO“ nach Dantes poetisch imaginiertem Höllenritt.

Die Fortsetzung dessen wird am 2. November 2019 in Dortmund uraufgeführt: „Die göttliche Komödie II: PURGATORIO“ entführt in die höchstwahrscheinlich erneut unbedingt bildmächtige Läuterung durch das Höllenfeuer… O Satan, bleibe bei uns und ergötze uns bis zur Erlösung!

"Die göttliche Komödie I: INFERNO"

Das Ensemble trägt viel Verantwortung, auch in der Hölle: „Die göttliche Komödie I: INFERNO“ von Xin Peng Wang beim Ballett Dortmund. Foto: Ballett Dortmund

Aber da war doch außerdem noch was? München. Oha, München! Wahrlich, es war ein Höllenritt und auch eine Läuterung, die dort zu beobachten waren! Zunächst konnte der aktuelle Ballettdirektor Igor Zelensky bei seinem Amtsantrittdie weltweit beliebten Stars Lucia Lacarra und Marlon Dino nicht halten bzw. arbeitete er ihrem Abgang zu. Nicht nur München, nicht nur die Fans vom Bayerischen Staatsballett, sondern mehr oder weniger die gesamte deutsche Ballettwelt stand da Kopf. Lucia Lacarra, mit ihrer unnachahmlichen Geschmeidigkeit bis heute eine der bedeutendsten Primaballerinen überhaupt, begann dann, in Dortmund bei Xin Peng Wang zu tanzen.

"Jewels" zur Ballettfestwoche 2019

Prisca Zeisel in „Emeralds“ in „Jewels“, einem der schönsten Balanchine-Stücke überhaupt, beim Bayerischen Staatsballett. Faksimile vom Live-Stream der Eröffnung der Ballettfestwoche 2019: Gisela Sonnenburg

Igor Zelensky– in München scherzhaft „Zar Igor“ genannt, und zwar mal mit, mal ohne den Zusatz „der Schreckliche“ – erwies sich derweil alsbald als lernfähig. Die Hiebe des Skandals, den er ausgelöst hatte, waren offenbar heilsam. Und so zog er zwar nicht La Lacarra wieder an Land, er änderte aber den Kurs seiner Personalpolitik und setzt seither weniger auf rein russischen Drill als vielmehr auf eine internationale Mischung aus Tänzerinnen und Tänzern für Klassik und Moderne, die schon seinem Vorgänger Ivan Liška einen goldenden Weg der Akzeptanz beschert hatte.

Ab dem 20. Oktober 2019 wird darum in München „Coppélia“ in der auf Hochglanz polierten, bewährten Version von Roland Petit zu sehen sein – sie ist mit Spannung erwartet.

Die Spannung und Akzeptanz des Publikums kann unterdessen auch das Ballett-Journal für sich verbuchen!

Die "Gala des Étoiles" besticht mit Brillanz

So klassisch wie herzig: Maria Eichwald und Alessandro Staiano im „Fisch“ in „Cinderella“ – voilà! Die Fotografie von der „Gala des Étoiles 2019“ in Luxemburg stammt von Dave Reuter.

Deutschlandweit, sogar international – bis Paris, London und Madrid, bis Mailand, Moskau und Tokio, bis in die USA und Australien– wird es wohlwollend wahrgenommen und sehr geschätzt.

Spitzenwerte von Likes auf Facebook bewegen sich zum Beispiel mitunter im dreistelligen Bereich, kommen auch mal locker auf über 300 – und mit 422 Likes erhielt mein Beitrag für die vorerst letzte „Nijinsky“-Vorstellung beim Hamburg Ballett im letzten Sommer mit der bis dahin in Hamburg tanzenden Primaballerina Carolina Agüero den Rekordzuspruch. Bravissima! Grazie!

Carolina Agüero, hier in der Besetzung mit Marcelino Libao als Faun, in ihrer Paraderolle der Romola in „Nijinsky“ von John Neumeier beim Hamburg Ballett: traumhaft und expressiv. Foto: Kiran West

Und von La Agüero gibt es Neuigkeiten zu berichten: Der Ballettdirektor in Kiel an der Ostsee, Yaroslav Ivanenko, lässt nämlich am 2. November 2019 seine Version von „Eugen Onegin“ uraufführen – mit Carolina Agüero in der Hauptrolle der Tatjana. Toitoitoi!

Und was hat das Ballett-Journal sonst noch so bewirkt, außer dass es glücklich macht?

Einige viel größere Medien (solche mit zahlreichen gut bezahlten Arbeitsplätzen) haben aufgrund meiner intensiven und umfassenden Berichterstattung über Ballett bemerkt, dass sie selbst zu wenig Ballett auf den Seiten hatten – und es wurde hier und da nachgerüstet. Prima!

Ballerina und Ballerino auf dem Gendarmenmarkt

Die Bullaugen-Ästhetik betont die Schönheit der Gesichter und der trainierten Körper: Hier zeigt sich Miamis Primoballerino Rainer Krenstetter, lässig lockend, in der Morgensonne am Gendarmenmarkt in Berlin, seiner einstigen beruflichen Heimat. Foto: Gisela Sonnenburg

Auch die aufwändig gemachte Ästhetik von zum Beispiel mit „Bullaugen“ gerahmten Fotos fand Nachahmer: im ballettösen Kontext sieht eben Manches, das sonst als zu nostalgisch gilt, gut aus.

Allerdings: So sorgfältig und detailbesessen wie hier im Ballett-Journal werden Fotos sonst nicht von Hand bearbeitet. Auschnitt, Proportionen, Farbigkeit, Schärfe, Helligkeit, Ausdruck eines Fotos – all das ist mir fraglos wichtig. Das hängt ganz einfach mit meinen eigenen hohen ästhetischen Ansprüchen zusammen, denen ich hier online vollauf genügen möchte.

Schließlich heißt es ja immer: Mit gutem Vorbild voranzugehen!

"La Bayadère" mit Dinu Tamazlacaru

Ein Mann zwischen zwei Frauen: Dinu Tamazlacaru als Solor zwischen Yolanda Correa (links, als Gamsatti) und Nikia (Ksenia Ovsyanick) beim Applaus nach der Debüt-Vorstellung beim Staatsballett Berlin. Foto: Gisela Sonnenburg

Manche Leserinnen und Leser bemerken das (und danken dafür)…

Inhaltlich geht es mir ebenfalls um eine nachvollziehbare, aber deutlich subjektiv geprägte Messlatte. Natürlich muss ein Kritiker, muss eine Kritikerin subjektiv sein. Meinung ist gefragt, nicht Instrumentalisierung – aber auch nicht Neutralität.

Kritiker sind schließlich keine Juristen, sind keine Richter.

Aber: Auch der subjektive Eindruck muss sich objektiv begründen lassen.

Ralf Dörnen kreiert Weihnachten als Ballett

Leidenschaft und Fürsorge: Emily Ward und Thomas Hockey vom BallettVorpommern proben als Maria und als Engel der Verkündigung für „Weihnachten – Das Ballett“ von Ralf Dörnen beim BallettVorpommern. Foto: Gisela Sonnenburg

Die Erstellung und stetige Überprüfung von moralästhetischen Maßstäben, die ich an Ballett(e) anlege, sind die eigentlich harte Arbeit hier. Man sieht sie nicht – und doch gäbe es ohne sie keine Qualität.

Viele Leserinnen und Leser haben diesbezüglich ein starkes Empfinden, eine intellektuelle Ansprechbarkeit, einen Sensor! Sie bekommen mit, dass hier nicht einfach irgendwas geschrieben wird, was irgendwie gut klingt. Sie schreiben mir, dass sie einen Ballettabend nochmals in der Erinnerung nacherleben, wenn sie meinen Bericht darüber lesen. Und sie stellen fest, dass das bei anderen Rezensionen eher nicht der Fall ist.

Sie bemerken den Unterschied! Und darüber bin ich wirklich glücklich.

Die aus meiner Sicht ultimative Leserrückmeldung kam übrigens vor einigen Monaten bei mir an, und zwar zu Beginn des Juli 2019, als ein in Paris lebender bildender Künstler auf Deutsch mitteilte, ich sei mit meinem Ballett-Journal für ihn „die ungekrönte Königin der internationalen Tanzkritik“. Ich hoffe, nicht wenige Leserinnen und Leser schließen sich dem an.

Nun ja, ein noch schöneres Lob kann man sich in meiner Situation kaum wünschen, weiteren Zuspruch allerdings schon!

"Le Sacre" und "Le Pavillon d'Armide" von John Neumeier

Liudmila Konovalova brillierte in „Le Pavillon d’Armide“ von John Neumeier. Foto vom Wiener Staatsballett: Michael Pöhn

Und falls dafür die Argumente fehlen, hier kommen sie:

Mittlerweile ist das Ballett-Journal trotz oder wegen seiner effizienten Organisationsstruktur das größte Online-Portal in deutscher Sprache für Ballett, und die bisherige einmalige Spitzenfrequenz liegt bei über 4.713 Lesern pro Tag. Das war allerdings eine Ausnahme, normalerweise bewegt sich die tägliche Quote zwischen 700 und 1.600 Zugriffen. Immerhin!

Insgesamt haben in den zurückliegenden fünf Jahren schon über 710.000 Ballett-Interessierte online den Weg zum Ballett-Journal gefunden.

Ein Konkurrenzblatt, das gedruckt erscheint, ist stolz auf seine knapp 5.000 Abonnenten. Da stehen wir mit mehrfach fünfstelligen (!) Leserzahlen pro Monat beim Ballett-Journal nun doch um Längen besser da! Vielleicht überlegen sich das jetzt auch potenzielle Anzeigenkunden.

Allerdings, ganz ehrlich gesagt, fehlt mir diesbezüglich vor allem aus den Reihen all jener Compagnien, die hier eine Berichterstattung und Bekanntmachung wünschen, noch die richtige Resonanz.

Unterstützen Sie das Ballett-Journal! Spenden Sie! Ganz diskret! Denn kein Medium in Deutschland widmet sich so stark dem Ballett wie das Ballett-Journal. Zeigen Sie, dass Sie das honorieren! Und freuen Sie sich über all die Beiträge, die Sie stets aktuell gelistet im „Spielplan“ hier im Ballett-Journal finden. Wir danken Ihnen von Herzen!

Ich ende darum mit einem einfachen, aber notwendigen Appell:

Wer nicht am Hungertuch nagt, kann gut mal eine kleinere oder auch häufigere Spenden vertragen, ohne einen Finanzkollaps zu riskieren, dessen bin ich mir sicher.

Bitte probieren Sie es doch einfach ganz diskret aus!

Es tut nicht weh, so habe ich mir mehrfach sagen lassen, vielmehr verleiht es auch dem Gebenden ein gutes Gefühl. Ihr Name wird natürlich nicht veröffentlicht. Es sei denn, Sie wünschen das ausdrücklich.

Spenden ist ein Statement – Nichtspenden aber leider auch.

Im Klartext: Spenden sind in Deutschland notwendig, um guten Journalismus jenseits der Masseninteressen am Leben zu erhalten.

Dafür bitte ich auch bezüglich der kommenden fünf Jahre um Ihr tätiges Verständnis. Damit wir uns noch möglichst oft virtuell zuprosten können:

Auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Balletts!

Anna Laudere und Edvin Revazov vom Hamburg Ballett in der „Kameliendame“ von John Neumeier als Gaststars beim Bayerischen Staatsballett in München. Foto: Wilfried Hösl

P.S. Der HSV (dieser Hamburger Fußballverein) wurde gestern 132 Jahre alt – zugegeben, da muss ich noch etwas üben… Helfen Sie mir bitte dabei?! Und das geht so: Lesen Sie täglich im Ballett-Journal – und zeigen Sie mit einer Spende, was es Ihnen wert ist. Nur so wird dieses Projekt überleben können.
Gisela Sonnenburg

Spielplan (mit aktuell passender Beitragsauswahl)

www.hamburgballett.de

www.staatsballett-berlin.de

www.semperoper.de

www.theaterdo.de

www.stuttgarter-ballett.de

www.staatsballett.de

 

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