Drei Argumente für ein gutes Medikament Das rezeptfreie Medikament Locabiosol wurde willkürlich vom Markt gekegelt – auch zwei Jahre danach gibt es keinen adäquaten Ersatz. Patienten, veranstaltet endlich Demos, gründet Vereine, lasst euch das nicht gefallen!

Wenn Schönheit gesund machen könnte… dieses Foto wäre geeignet: Carolina Agüero und Alexandr Trusch vom Hamburg Ballett tanzen furios den zweiten Akt von „Giselle“ in der Version von John Neumeier. Welche Erinnerungen, um darin zu schwelgen! Wenigstens dafür hat man Zeit, wenn man krank ist… Foto: Kiran West

Jedes wirksame Medikament hat auch Nebenwirkungen. Herkömmliche Antibiotika wie Penicillin, Tetracyclin, Azythromycin, aber auch Cephalosporine (und viele andere beliebte Stoffgruppen) können sogar allergische Schocks bewirken, die lebensgefährlich sind. Es gibt nicht wenige Menschen, die daran schon starben. Entsetzlich: Die Waffe, die gegen die Bazillen helfen soll, ist für den Patienten schlimmer als die Krankheit selbst, nämlich tödlich. Da aber nur ein geringer Prozentsatz von Patienten eine solche – zumeist erworbene – Allergie auf diese Medikamente hat, nimmt man die Substanzen selbstverständlich nicht vom Markt. Denn sie helfen ja vielen anderen. Anders sieht es bei dem aus nachprüfbarer Patientensicht nebenwirkungsfreien pflanzlichen Antibiotikum namens Fusafungin aus. Es ist das bislang einzige Mittel, das bei Halsentzündungen und auch bei Bronchitis in hohem Maße und in sehr rascher Zeit wirksam wird. Es wird lokal als Spray angewendet, und der einzige Fehler des vom Pharmakonzern Stada einst Locabiosol genannten Medikaments war sein nach hinten offener Sprühkopf, der, wenn man ihn nicht abklebte, dafür sorgte, dass man sich das Mittel nicht nur in den Hals sprühte, sondern ungewollt auch an den Fingern viel davon abbekam. Darum wurde es aber nicht abgeschafft. Sondern weil es angeblich bei einzelnen Patienten zu Spasmen, die zu Atemnot führten, gekommen sein soll.

Aber:

Auch ohne Medikament kann es bei einer Halsentzündung oder Bronchitis zu beängstigenden Spasmen kommen, weil der Körper glaubt, sich dadurch vor weiteren Schmerzen schützen zu können.

Ich habe es gerade – dank einer heftigen Erkältung – genau so erlebt.

Man muss sich dann entspannen, die Luft kurz anhalten, dann ruhig durch die Nase einatmen (falls sie verschnupft ist, durch den Mund) – und ganz langsam ausatmen. Außerdem sollte man nicht hart, sondern möglichst weich schlucken, da der Schmerz  beim Atmen und Schlucken der Auslöser für die Spasmen ist.

Zudem hilft es, vier bis sechs Mal pro Tag vorsichtig mit Salzwasser zu gurgeln – das mögen die Erreger überhaupt nicht! So beruhigt sich die Lage vor Ort im Schlund, und wenn die Entzündung etwas abgeklungen ist, gibt es sowieso weniger Probleme wie etwa Atemnot.

Nun aber ausgerechnet dem einzigen gegen diese Entzündungen hilfreichen Medikament anzudichten, es würde diese Spasmen auslösen, ist schon sehr merkwürdig. Was denkt sich die Pharmalobby bloß dabei?

Der ursächliche Zusammenhang hier ist nicht einleuchtend, und selbst wenn: Viele Wirkstoffe (auch natürliche) haben bei manchen Personen krasse Nebenwirkungen. Manche bekommen zum Beispiel Asthma und Ausschlag von dem Gewürz und Heilmittel Thymian – aber verbietet man deshalb Thymian? Nein! Es gibt auch Erdnuss-Allergiker, die an einer einzigen Erdnuss sterben können. Niemand verlangt deshalb ein Erdnuss-Verbot.

Allergiker müssen wirklich immer selbst auf der Hut sein, und wichtig und hilfreich für sie sind darum richtige und vollständige Inhaltslisten. Aber Verbote von Substanzen, auf die ganz wenige Menschen allergisch reagieren – das ist schon ein starkes Stück.

Locabiosol war für Millionen Patienten eine sinnvolle Hilfe bei Halsentzündungen. Aber die Pharmalobby hat nicht gut genug dran verdient… und die Krankenkassen hielten sich raus, weil das Medikament nicht rezeptpflichtig war. Faksimile: Gisela Sonnenburg

Die Gründe liegen in diesem Fall aber auf der Hand: Es wird ohne Locabiosol an Halsentzündungen sehr viel mehr Geld verdient als mit. Denn das Mittel war ja so wirksam, dass man nach Kauf einer Packung (knapp 12 Euro) für mehrere Erkältungen im Jahr gerüstet war. Und die Infekte verliefen deutlich kürzer und schmerzfreier als ohne Locabiosol.

Und das Medikament war auch noch rezeptfrei erhältlich, also ohne, dass ein Arzt mitverdiente.

Wer es kannte, war von Locabiosol überzeugt. Man kaufte dann gegen Erkältungen nichts sonst, schon gar nicht dubiose Mischungen aus Schmerzmittel und Coffein wie Grippostad, welches vom selben Konzern Stada produziert und mittlerweile als „Deutschlands meistverwendetes Mittel gegen Erkältungskrankheiten“ vermarktet wird.

Auch rezeptpflichtige systemische Antibiotika konnten mit Locabiosol nicht mithalten. Sie hatten null Chancen bei der Nutzen-Risiko-Abwägung.

Denn sie sind, was die Halsschleimhäute angeht, nicht wirklich gewebegängig, es dauert mehrere Tage, bis diese Substanzen von innen her die entzündete Oberfläche der Schleimhäute im Hals erreichen und überhaupt beginnen können, wirksam zu werden. Und sie haben – immer – Nebenwirkungen. Zumindest leichte. Manchmal tödliche.

Nein, hier geht es nicht um Halsweh noch um Ohrenschmerzen, sondern um eine Mutter-Tochter-Beziehung: Patricia Friza als Berthe und Carolina Agüero als „Giselle“ im gleichnamigen Stück beim Hamburg Ballett. Eine ergreifende Erinnerung! Foto: Kiran West

Locabiosol hingegen hatte den Vorteil, durch das einfache Sprühen direkt lokal einzuwirken. Innerhalb weniger Stunden waren die Beschwerden faktisch gelindert, nach zwei bis drei Tagen zumeist bereits geheilt. Und man bekam weder Verstopfung (Obstipation) noch andere Nebenwirkungen, wie sie bei den systemischen Antibiotika allgemein bekannt und gelitten sind.

Locabiosol war kein Wundermittel – aber bei Halsentzündungen und leichter Bronchitis fraglos das Mittel der Wahl, ein großer medizinischer Fortschritt.

Es wirkte schnell, war zweifelsohne qualitativ gut – und auch noch preiswert.

Die Lobby drängelte wohl genau darum europaweit, das probate Billigmedikament vom Markt zu nehmen. An Halsentzündung stirbt ja niemand, so die Bagatellisierung. Und wenn auch nur ein Patient für eine Sekunde ein Atemproblem hat – dann hängt man das eben dem Locabiosol an. Und flugs ist es vom Markt gedrängt.

Das ohnehin nicht genügend seriöse deutsche BfARM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) entzog denn auch 2016 prompt die Zulassung für Locabiosol. Man hatte einige Jahre benötigt, um einen Vorwand dafür zu finden.

Das Staatsballett Berlin bittet derweil zur Premiere in die Komische Oper, am 24. Mai 2018, um 19.30 Uhr! Faksimile: Gisela Sonnenburg

Die Stiftung Warentest, der ich persönlich schon seit einigen Jahren nicht mehr vertraue, weil sie oft falsche Fragen stellt, wenn sie Produkte testet (und die eine hoch allergene Billig-Matratze Jahr für Jahr als Testsieger auszeichnet), nimmt übrigens eine unrühmliche Rolle in diesem Trauerspiel ein: Sie verbreitete mit der Autorität vergangener Jahrzehnte das Märchen, Locabiosol sei als Medikament „ungeeignet“, fleißig mit.

Wenn man nun alle Medikamente, die Nebenwirkungen haben können, vom Markt nähme, würde es bald keine Pharmaindustrie und auch keine gefüllten Apotheker-Regale mehr geben.

In Sachen Halsentzündung aber will die Industrie abzocken, was das Zeug hält. Denn anders als bei Lungenentzündungen, Krebs, AIDS und anderen lebensgefährlichen Erkrankungen gelten Erkältungen – darunter auch schwere grippale Infekte, die allerdings zu Lungenentzündungen führen können, wenn sie nicht gut behandelt werden – als Bagatellen.

Rasche Heilung verhindert hier ein Millionengeschäft!

Darum musste Locabiosol gehen.

Mit der Argumentation, ein rezeptfreies Antibiotikum sei für die resistenten Erreger etwa von Tuberkulose verantwortlich, hatte Locabiosol übrigens nie was zu tun.

Denn gegen schwere Infekte wie Tuberkulose wurde es ohnehin nie eingesetzt. Und: Die resistenten Bazillen entwickeln sich bekanntlich in den hygienisch nicht richtig versorgten deutschen Krankenhäusern, also auf den professionellen Gebieten der Medikation – und keineswegs bei den Patienten daheim.

Aber auch in touristisch hoch frequentierten Ländern, die Hygiene klein schreiben, etwa in Ägypten, Indien oder in Südostasien (hier ein schöner Beitrag dazu: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/tripper-england-meldet-weltweit-erste-extrem-resistente-gonorrhoe-infektion-a-1200451.html) haben Erreger gute Chancen für Resistenzen.

Das Bayerische Staatsballett denkt an Marius Petipa und präsentiert „Raymonda“ in der Inszenierung von Ray Barra… wieder am 31. Mai 2018! Faksimile: Gisela Sonnenburg

Ein weiterer, von der Industrie gern ausgeblendeter Hauptgrund für die Resistenzbildung von Bakterien und Viren liegt beim schlecht kontrollierbaren, massenhaften Einsatz von Medikamenten in der Massenhaltung von Nutztieren. Gibt es überhaupt Menschen, die es für möglich halten, diese unnatürliche Haltung von Tieren sei medizinisch in den Griff zu bekommen? Wenn man sich die Evolution und die Entwicklung von Bazillen und anderen Erregern ansieht, erfährt man, dass diese kleinen Biester sehr geschickt darin sind, bei einem Überangebot an Wirtstieren auf engem Raum zu mutieren.

Ein Grund mehr, die Ernährung auf überwiegend vegetarisch umzustellen!

Was aber macht man mit seiner Halsentzündung?

Was einem derzeit in Deutschland als medizinischer Ersatz für Locabiosol angedient wird, sollte am besten gleich im Tresor für Falschmedikationen bleiben.

„Lulu“ von Christian Spuck beim Stuttgarter Ballett, mit der wandelbaren Alicia Amatriain in der Hauptrolle: nicht verpassen! Faksimile: Gisela Sonnenburg

Da ist von Ibuprofen die Rede, einem entzündungshemmenden Schmerzmittel, das wegen seiner Schäden an Organen wie dem Magen oder den Nieren von empfindlichen Personen nur sehr umsichtig dosiert eingenommen werden sollte. Bei Halsschmerzen ist es ein grundfalsches Mittel, denn es heilt nicht, sondern betäubt nur den Schmerz, und die Risiken, langfristig Nebenwirkungsschäden davon zu tragen, sind weitaus höher als etwa bei Locabiosol.

Aber die Industrie darf es in rauen Mengen auch rezeptfrei auf den Markt werfen, denn damit wird viel Geld verdient – an den Nebenwirkungen nur noch zusätzlich!

Auch Paracetamol wird jetzt wieder bei Halsentzündungen empfohlen, das ist ein asbachuraltes, an sich schon umstrittenes Mittel, das optimal ist, wenn man sich unauffällig die Leber ruinieren möchte.

Außerdem gibt es Schickimicki-Medikamente wie Tantum Verde, das zu immerhin zehn Prozent aus Alkohol besteht. Alkohol statt Locabiosol? Nein, danke! Dann schon lieber die Hausmittel berücksichtigen und mit Salzwasser gurgeln, ein Dampfbad nehmen, Salbeibonbons lutschen, Kamille- oder Salbeitee schlürfen. Hilft auch, aber nicht so schnell und gut wie Locabiosol.

Vor sonstigen Mitteln wie Grippostad (auch vom Konzern Stada) wird an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt: Sie enthalten z. B. das schon disqualifizierte Paracetamol, und wer Spätschäden davon trägt, weil er bei jeder Erkältung dieses Zeug schluckte, weiß, wovor ich warne.

Der Mechanismus, mit dem sich die Industrie im Fall von Locabiosol von einem unliebsamen Konkurrenten befreit hat, ist beschämend für die Wirtschaft dieses Landes.

Wo bleiben aber auch Politiker mit einem IQ, der deutlich höher liegt als bei fachidiotischen Naturwissenschaftlern? Sind die alle Berufsmusiker geworden?

Es gibt übrigens noch ein medizinisches Gebiet, auf dem sich die Lobby der Geldmacher gegen die wissenschaftliche Empirie – die Allgemeinheit der Patienten spricht im Internet ja auch für sich, und zwar unisono für Locabiosol – durchgesetzt hat: Pilzinfektionen.

Die handelsüblichen Mittel gegen Fuß- und Nagelpilze sind so gering dosiert und so wenig unterschiedlich, dass die meisten Menschen irgendwann in ihrem Leben eine äußerst langwierige Pilzinfektion durchmachen. Daran werden Millionen und Milliarden verdient, denn die Mittelchen sind recht teuer. Und oft genug im Grunde so gut wie wirkungslos! Das stellt sich aber erst nach Wochen oder auch Monaten der Behandlungen heraus…

Für freiberufliche journalistische Projekte wie das Ballett-Journal, das Sie gerade lesen, gibt es keinerlei staatliche Förderung in Deutschland – und dennoch machen sie sehr viel Arbeit. Wenn Sie das Ballett-Journal gut finden, bitte ich Sie hiermit um einen freiwilligen Bonus. Damit es weiter gehen kann! Im Impressum erfahren Sie mehr über dieses transparente Projekt, das über 450 Beiträge für Sie bereit hält. Danke.

Gern werden dann systemische Mittel verschrieben, die früher oder später der Industrie Patienten mit Nieren- und anderen Organschäden bescheren.

Achtung! Länger als drei Tage am Stück sollte niemand diese Mittel einnehmen, egal, was der Onkel Doktor oder die Tante Professorin sagen, denn systemische Antimyotika haben, falls sie nicht zu akuten Problemen wie Darm- und Blasenblutungen, Durchfall, Übelkeit führen, auch Spätwirkungen. Und sie sind im Zusammenspiel mit anderen Substanzen im Körper auf lange Sicht unkontrollierbar.

Es gibt schon genug Dialyse-Patienten!

Ärzte vertuschen aber gern, dass ihre beliebten Helfershelfer auch großes Unheil anrichten können. Darum muss man als Patient schon selbst wachsam sein – und sich sein Recht auf eine angemessene Medikation manchmal sogar gerichtlich erkämpfen.

Wie wäre es, wenn sich ein Verein gründet, der sich die angemessene Medikation zum Ziel setzt? Ein Verein, der das Patientenwohl über das Wohl der Lobby und der Pharmaindustrie stellt?

Man könnte dann das BfARM verklagen, auf Wiederzulassung von Fusafungin.

Oder:

Man könnte mit Demonstrationen und Anti-Lobby-Arbeit die Öffentlichkeit informieren.

So glücklich tanzt es sich ohne Halsweh: Carolina Agüero schaut als „Giselle“ beim Hamburg Ballett dem Bauern-Pas-de-deux zu, der hier von Florencia Chinellato und Jacopo Bellussi getanzt wird. Yeah! Foto: Kiran West

Man könnte ganz nebenbei verlangen, dass der Sprühkopf des Fläschchens etwa von Locabiosol verbessert wird, sodass keine unnötigen Streumengen auf die Finger kommen.

Und man wäre wieder in wenigen Stunden die heftigen Halsschmerzen los!

Vielleicht könnte man die Industrie durch solchen öffentlichen Druck sogar dazu bringen, endlich Mittel in den Handel zu bringen, die lästigen Pilzinfektionen ohne gravierende Nachwirkungen den Garaus machen.

Und wer weiß, welche Aufgaben sich einem solchen Verein noch stellen würden… Bestimmt ginge es bald auch darum, die Krankenkassen mit den Vorzügen des gesunden Menschenverstandes bekannt zu machen.

Oder sogar die KV (die Kassenärztliche Vereinigung)…

Also: Wer hat den Mut, so einen Verein für angemessene Medikation zu gründen bzw. ihm beizutreten? Bitte hier melden: info@ballett-journal.de – und dann besprechen wir, was wir machen können.
Gisela Sonnenburg

Für Gesunde gilt weiterhin die Empfehlung, ins Ballett zu gehen, etwa hier:

www.hamburgballett.de

Oder hier:

www.staaatsballett-berlin.de

Oder hier:

www.stuttgarter-ballett.de

Oder hier:

www.staatsballett.de

ballett journal