Der Ruf der Schwäne in die Gegenwart Von der Probe bis zur Aufführung: Das Ballett Dortmund brilliert mit „Schwanensee“ von Xin Peng Wang – zumal mit Anna Tsygankova als Stargast aus Amsterdam

"Schwanensee" mit dem Ballett Dortmund ist toll.

Euphorische Stimmung beim Schlussapplaus im Theater Dortmund nach „Schwanensee“ in der Version von Xin Peng Wang. Foto: Gisela Sonnenburg

Jedes Plié ist ein Gefühl des Glücks, wenn es nur richtig ausgeführt wird. Es erinnert, wie auch andere ballettöse Übungen, vor allem die kleinen Ports de bras, an Grundübungen aus der klassischen asiatischen Bewegungslehre Qi Gong. Alles fließt, alles ist Ruhe in Bewegung (wie Buddha das Leben definierte) – und alles hat seine Harmonie und seine vitale Kraft. Obwohl es so unspektakulär scheint: Ohne das Plié, die simple Kniebeuge in auswärts gerichteten Beinpositionen, könnte keiner der atemberaubenden hohen Sprünge der Männer und keine der mitreißenden schnellen Pirouetten der Damen im Ballett stattfinden. Xin Peng Wang, der gebürtige Chinese, der mit dem Ballett Dortmund eine neue deutsche Attraktion geschaffen hat, zeigt in seiner Version von „Schwanensee“, wohin die Grundlagen des Glücks und der Ruf der Schwäne führen können, wenn man sie frei und ohne Zwang, eine Vorlage zu bedienen, interpretiert. Ein moderner junger Mann, dessen Vater ihn in schwere Konflikte stürzt, entwickelt hierin Fantasien von verzauberten Vogelmenschen – und träumt von der Liebe, der unbesiegbaren Liebe, was ihn am Ende rettet und zu einem neuen Lebensgefühl, ja, zu sich selbst zu führen vermag. Anna Tsygankova als Starballerina aus Amsterdam und Dmitry Semionov als Siegfried machen die Vorstellung zu einem Erweckungserlebnis, gewebt aus Sehnsucht und Barmherzigkeit.

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Verdoppelung in einer anderen Welt: im Spiegel über der Bühne. So zu sehen beim Ballett Dortmund in Xin Peng Wangs „Schwanensee“. Schlussapplaus-Foto: Gisela Sonnenburg

Am Anfang ist da eine Hand auf den Vorhang projeziert, man sieht die Handfläche, die Handlinien, die gespreizten Finger. Die Hand gehört Siegfried, der noch zu jung ist, um der Welt ein starkes Ich entgegen zu stellen. Er träumt von einem Wesen, das sein Herz versteht und ihm helfen kann, die Unbill seines Lebens zu bewältigen. Im Hintergrund taucht dieses geliebte Wesen auf, ein auf der Stelle trippelnder schöner Schwanenmensch, eine Frau von lasziver Geschmeidigkeit mit tiefem Rückendekolletee überm glitzernden weißen Tutu: Schon ihr Rücken weist sie aus als Kreatur mit besonderer Aura.

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Expressive Rollengestaltung: Dmitry Semionov bei der Probe für „Schwanensee“ mit dem Ballett Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Dmitry Semionov, der Bruder von Polina Semionova, ist im Theater Dortmund, einem großzügig angelegten modernen Haus, der junge Siegfried, der zu Beginn fragend die Hand hebt. Er legt sie auf sein Gesicht, streichelt sich, drückt sich, erträumt sich eine fremde Hand, die ihn zu lieben weiß. Zugleich aber ist diese Geste auch Ausdruck seiner tiefsinnigen Gedanken über sich und seine Situation als Mann, der gerade beginnt, so ganz erwachsen zu werden.

Wer bin ich? Woher komme ich? Nur die Sterne und das eigene Ich seien interessant, befand der Philosoph Immanuel Kant. Hier sind die Sterne längst erloschen, aber das Licht der Erkenntnis, für das sie stehen, brennt weiter, erhellt die Gedanken und Gefühle.

Es ist ein philosophischer „Schwanensee“, den Xin Peng Wang zunächst 2005 in Dortmund kreierte, und den er 2012 ergänzte und überarbeitete.

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Der Corps de ballet probt den ersten Akt von „Schwanensee“: im Ballettzentrum in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Er hat keinen plakativen Bezug zur Ruhrmetropole, aber manches zitiert die Vergangenheit der Stadt als Stahl- und Bergbau-Arbeitgeber, und auch die Familienverhältnisse unseres jungen Helden sind andere, als wir sie im höfisch geprägten Ursprungsgefilde vom „Schwanensee“ gewohnt sind.

Der Prinz ist kein Prinz mehr, sondern ein grüblerischer Juniorchef eines Firmenimperiums, und die verzauberten Schwäne am See existieren nur in seiner Fantasie. Aber was heißt „nur“?

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Ein Zauberer namens Rothbart ist hier nicht mehr nötig. Dafür gibt es einen unterdrückerischen Patriarchen, Siegfrieds Vater, der den Sohn zu manipulieren will und schließlich sogar restlos zu erniedrigen, ja, sogar zu zerstören sucht.

Ein Vater, der Konkurrenz und Widerstand gegen sein Regime wittert, ein Vater, der die Macht nicht abgeben und niemals teilen will – so ein Vater ist ein Problem für jeden Filius, da muss man nicht Siegfried heißen oder irgendwie komisch veranlagt sein.

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Kein komplizierter Prinz, sondern ein gedankenvoller junger Mann: Dmitry Semionov probt „Schwanensee“ mit dem Ballett Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Komisch ist Siegfried auch nicht. Aber er hat eine Veranlagung zu träumen und sich über seine Träume zu retten, die vielleicht nicht jeder verstehen kann.

Sein Vater jedenfalls kann den schwärmerischen Gedanken des Jungspunds nichts nachsehen.

Die Location für Siegfrieds 18. Geburtstag ist aber lukrativ gewählt.

Es ist eine Eishöhle – schließlich gehört die Familie zur Upper class und will Eindruck machen.

Die feine Gesellschaft kommt angetanzt, die Damen in schicken Cocktailkleidern, die Herren in schneidigen schwarzen Anzügen.

Einer tanzt da aber gern ein wenig aus der Reihe: Benno, der engste Freund von Siegfried, der seine tollkühnen Sprünge in türkisfarbenen Jeans mit immerhin passender Krawatte vollführt.

Inmitten der schwarz-grau-weiß gestylten Festgesellschaft ist er ein auffallender Farbtupfer.

Ist er schwul? Ist Siegfried schwul?

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Männerbünde beim Tanzen gibt es auch… Hier die Jungs beim Schlussapplaus nach Xin Peng Wangs „Schwanensee“ in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Man weiß es nicht. Aber Xin Peng Wangs Ballettmanager Tobias Ehinger weist auch in seinen beliebten Einführungen vor Stückbeginn darauf hin, dass es eine innere Verbindung von Siegfried zu dem Komponisten des „Schwanensees“ gibt, und Peter I. Tschaikowsky war so schwul, dass es für ihn eine große Qual war, in einer Zeit und unter Verhältnissen zu leben, in denen er diese seine Neigung zu lieben nicht offen, sondern nur heimlich praktizieren durfte.

Die Interpretation der verzauberten Schwäne, die eigentlich wunderhübsche Mädchen sind, als homosexuelle Männer ist denn auch nicht ganz neu. Es gibt, spätestens seit Matthew Bourne, auch Choreografen, die das drastisch umsetzen und ein Heer aus jungen, weiß behosten Männern als Schwanentrupp auf die Bühne stellen.

So weit geht Wang nicht. Ihm geht es ja um den Wert der Träume, der Fantasien, nicht um ihre vordergründige sexuelle Ausdeutung.

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Sehr weiblich: Die Dortmunder Schwäne im Ballett beim Schlussapplaus. Foto: Gisela Sonnenburg

Und so bleiben die Schwäne weiblich, was sie schon seit 1877, seit der eher kläglichen Uraufführung des Stücks in Moskau, sind.

In Dortmund wird die berühmte Choreografie von 1895, die Marius Petipa und Lew Iwanow (in den weißen Akten) lieferten, natürlich nicht übergangen. Sie ist wesentlicher Bestandteil des Balletts.

Aber Xin Peng Wang hat sie mit seiner für ihn typischen choreografischen Handschrift transformiert, ergänzt, überformt – und mit modernen, sowohl pantomimischen als auch tänzerischen Elementen gespickt.

Er hat „Schwanensee“ so in unsere Zeit, in unsere Gegenwart geholt, er hat ihn aber auch in eine futuristisch anmutende Zeitlosigkeit versetzt, die sich in den Kostümen und dem Bühnenbild von Daniel Ion Roman wieder findet und die das Drama des jungen Mannes Siegfried zu einem Psychodrama macht, das für jedermann nachvollziehbar und verständlich ist.

Die Konflikte Siegfrieds sind gesellschaftspolitisch motiviert.

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Tendu, Jeté, Tendu, Jeté: Training und Proben bestimmen den Alltag im Ballettzentrum Dortmund – und sonst wäre ein „Schwanensee“ nicht machbar. Foto: Gisela Sonnenburg

Sein Vater lässt die Geburtstagsparty zelebrieren wie ein festen Ritualen folgendes Familienportrait.

Die Etikette schreibt zwar auch mal Ausgelassenheit vor – paradoxerweise, aber so etwas ist uns heute ja nicht fremd – aber vor allem geht es um die Demonstration von kontrollierter Einheit und diszipliniert abgestimmten Vergnügens.

Das mag eine neue Form des Realismus im Ballett sein.

Vor allem aber holt Wang „Schwanensee“ so aus der muffigen Kostümecke der Belle Époque.

Bei den Proben im Ballettzentrum in Dortmund merkte man es schon: Dieser erste Akt in „Schwanensee“ sprüht nur so vor Energie und Emotionalität.

Und während die Solisten bravouröse Einzelauftritte haben, allen voran Siegfried, Benno und Siegfrieds Freundin, tauchen auch ein Pas de quatre sowie die Partygesellschaft insgesamt die ganze Sphäre in glaubhaftes, gut gelauntes, aber auch von tragischen Gefühlen durchsetztes Festtagsgefühl.

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Die Festtagsgäste am Boden: so zu sehen in „Schwanensee“ von Xin Peng Wang in Dortmund, hier auf der Probe. Foto: Gisela Sonnenburg

Da überkommt den Corps auch mal eine Art Zittern, eine Art Unsicherheit, ein Sichselbsthaltenmüssen, indem sie, mit dem Rücken zum Publikum stehend, erst die Arme in die Höhe strecken, mit den Händen wedelnd, um sie sich dann um den Leib zu schlingen.

Das spiegelt Siegfrieds immer wieder aufwallende Unsicherheit.

Dmitry Semionov vermag vorzüglich die edlen Linien der Wang-Ästhetik mit dem expressiven Ausdruck von Siegfrieds Leiden zu verbinden.

Dieser junge Held hier ist fast ein Anti-Held, er schmeißt sich fast trotzig, aber auch so unglücklich zu Boden, wenn er nicht weiter weiß, und er denkt in bildnerischen Gesten während des Tanzens über seine Misere nach.

Sein Vater macht denn auch keine Umschweife, dass er als Machtmensch seinen philosophisch empfindenden Sohn als eigenständige Person nicht respektiert.

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Siegfried muss sich von seinem Vater maßregeln lassen… hier auf der Probe beim Ballett Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Vorwürfe sprechen hier eine deutliche Körpersprache: Andrei Morariu als Siegfrieds Vater maßregelt seinen Sohn vor der kühl-frivolen Kulisse der Party im Eisgebälk mit einer herablassenden Gestik, als handle es sich um einen ungezogenen Filius auf einem Kindergeburtstag.

Siegfried kann sich kaum wehren gegen dieses dominante patriarchale Auftreten des ihm so sehr überlegenen Vaters.

Aber die Sprünge von Benno und der anderen jungen Männer reißen ihn mit, und auch die Paar- und Gruppentänze künden von einer Freude, die sich von nichts bremsen lassen will.

Siegfrieds Freundin, Stephanine Ricciardi tanzt sie mit großartiger Taktik, wunderschönen hohen Beinen und eleganten Manieren, ist hier ein Highlight der Ballettkunst!

Das Zusammengehen des von Motonori Kobayashi mit feinem Takt hervorragend auf den Tanz abgestimmten Orchesters, der Dortmunder Philharmoniker, mit den wechselhaften Stimmungen hier ist zudem wahrlich eine Extra-Freude!

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Benno darf in türkisfarbener Jeans und passender Krawatte hoch springen – in Wangs „Schwanensee“ beim Ballett Dortmund. Foto: Ballett Dortmund

Aber auch Hiroaki Ishida als Benno weiß zu bezaubern. Frech und vorwitzig scherzt er herum, ist noch in seinen hohen, fulminant schönen Sprüngen ein echter Schabernack – und er kann es sich auch mal leisten, einfach aus der klassisch angespannten Pose auszusteigen und einem Kumpel zur Selbstbestätigung in die Hand zu klatschen.

Wow, so eine hochkarätige Mischung aus zeitgenössischem Spiel und klassischem Tanz ist sonst kaum irgendwo zu finden – die Choreografie und die Inszenierung von Xin Peng Wang machen’s möglich!

Beim leichtlebig-frohsinnigen, aber dennoch mondän-eleganten Pas de quatre ist Ishida, der Spezialist für schwierige Sprünge, natürlich mit dabei.

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Hiroaki Ishida (Benno) mit dem Corps de ballet beim Schlussapplaus nach „Schwanensee“ in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Sein Gefährte William Dugan springt aber auch vorzüglich und bietet eine furiose Runde Grand jetés an, die vom Allerfeinsten sind.

Na, und die beiden Damen der jungen Herren, getanzt von Karina Moreira und Denise Chiarioni, gebärden sich in ihren superschicken Cocktail-Kleidchen, mit kurzen Röcken und peppigen Details, ganz wie jene Champussi-Mädels, die auf keiner Party fehlen.

Nur Siegfried scheint immer wieder innerlich abzuschalten – auch seine Freundin kann ihn, bei aller Begeisterungsfähigkeit, die sie im Publikum auszulösen vermag, nicht ganz in die richtige Partystimmung bringen.

Er entflieht den Problemen, die ihn bedrücken – vor allem der übermächtige Vater, der symbolisch auch für einen anderen Teil der Gesellschaft stehen kann, macht ihm ja zu schaffen.

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Anna Tsygankova als Odette beim Schlussapplaus am 11.12.16 nach „Schwanensee“ in Dortmund. Ein einzigartiger Wow-Effekt, ihre Rolleninterpretation! Foto: Gisela Sonnenburg

Ihm erscheint die Schwanenfrau Odette, und mit der gebürtigen Russin Anna Tsygankova, die heute beim Het Nationale Ballet in Amsterdam ein Star ist, kommt da als Gast in Dortmund eine echte Femme fatale auf die Bühne!

Odile ist in Wangs Version ebenfalls – wie Siegfried – nicht adlig und also nicht mit einem Prinzessinnentitel behaftet, sondern, ganz demokratisch, sozusagen die Erste unter Gleichen.

Oh, aber ihre Beine, die wohl geformt sind und absolut präzise die Fußspitzen heben und senken! Und ihre Arme, die muskulös und von bravourös gezeigter Eleganz sind! Und ihr biegsamer Leib, der mit Grandezza eines der schönsten Cambrés vollführt, die ich je sehen durfte!

Anna Tsygankova ist eine Odette wie aus dem Bilderbuch, mit sprechenden Beinen und lächelnden Füßen – und außerdem ist sie von einer Willenskraft, die einem durch und durch geht.

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Sprechende Beine, lächelnde Füße: Anna Tsygankova in der Pose der Odile – allerdings nicht in Wangs „Schwanensee“ auf diesem Foto von Erwin Olaf.

Ihr Credo als Tänzerin passt aber auch nur zu gut zu dieser Rolle und ihrer Gestaltung: „Ich wollte nie die Beste sein. Alles, was ich will, ist einzigartig zu sein.“

Man kniet innerlich vor dieser majestätischen Frau, die als Odette dennoch so menschlich, so leidgeprüft und auch so mitleidig erscheint.

Kein Wunder, dass Siegfried sich in sie verliebt hat und sie sich als ideale Fantasiegestalt herbei träumt – sie ist in der Tat die Personifikation eines weiblichen Typs, der sogar von bösen Vätern jedweder Art Erlösung verspricht!

Aber auch ihre Damenschar ist ansprechend! Dortmunds junge Frauen haben Grazie und Charme, und ihre liebliche, keineswegs hochstapelnde Schwanendarstellung überzeugt und versetzt in einen weißen Rausch.

Die großen Schwäne mit Stephanine Ricciardi (die auch Siegfrieds Freundin tanzt), Sae Tamura, Manuela K. da Costa e Souza und Amanda Vieira bieten die typischen Formationen, die in diesen zweiten Akt gehören.

Die kleinen Schwäne sind dann in der Vorstellung am 11.12.16 eine Überraschung: Nicht vier, sondern drei Mädels hüpfen synchron und mit verschränkt gehaltenen Händen diese beliebte Nummer – und siehe da, sie wirkt viel anheimelnder als mit einer geraden Anzahl Tänzerinnen, wo einem ja doch irgendwie immer die optische Mitte fehlt.

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Anna Tsygankova beim Schlussapplaus in einer Studie ihrer lyrischen Armgestik. Foto: Gisela Sonnenburg

Wang hat hier unabsichtlich Iwanow verbessert – unabsichtlich deshalb, weil, wie ich auf Nachfrage erfuhr, normalerweise hier die typischen vier Mädchen vorgesehen sind. Da aber gleich beide Besetzungen des vierten Girls mit Grippe im Bett lagen, wurde der choreografische Einsatz leicht geändert sprich auf drei Mädchen reduziert.

Der Effekt, wie gesagt: ganz toll!

Zumal die Mädchen schön aufgestellt waren, mit einer sehr schönen kurvig gebauten Tänzerin in der Mitte, von zwei sehr schlanken Mädchen flankiert.

So hat das Auge deutlich mehr Abwechslung, als wenn die drei dem Revueideal kompletter Gleichheit im Körperbau entsprechen würden.

Ein wirklich hübscher Anblick!

Zu toppen ist er allerdings von den Pas de deux zwischen Siegfried („Dima“ Semionov) und Anna Tsygankova (Odette).

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Choreograf und Ballettdirektor Xin Peng Wang hat seinen „Schwanensee“ wohl durchdacht. Portraitfoto: Gisela Sonnenburg

Xin Peng Wang hat es hier nicht bei der altbekannten Choreografie belassen. Sondern moderne Schritte und Leibesbiegungen eingefügt, die die Beziehung von Siegfried zu seiner wörtlichen Traumfrau vielschichtig und auf eine tiefgründige Art zeitgenössisch werden lassen.

Die typische Wang-Ästhetik mit geschmeidig-seitlich gewendeten Schrittdrehungen, mit einer Kontraktion des Oberkörpers zu einem Tendu nach vorn – die erst zu einer Beugung nach vorn und dann zu einer steil-geraden Bewegung des Oberkörpers empor führt – sowie mit einem spitz abgewinkelten Unterarm bei ganz bestimmten Sinnsequenzen bilden eine Leitmotivik, die sich hervorragend in die verschiedensten Ballette einpasst.

Und Siegfried schert, wie schon auf seiner Geburtstagsfeier, auch im Paartanz mit Odette so manches Mal aus den üblichen Geleisen aus.

Dann wirft er sich – wie schon auf der Party – zu Boden.

Er träumt dann, er windet sich in Kummer, er versucht, seine Art der Erotik wenigstens für sich fasslich zu machen.

Oder er kniet und scheint zu monologisieren…

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Anna Tsygankova und Dmitry Semionov beim Schlussapplaus am 11.12.16 im Theater Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Aber wenn er ganz nah bei seiner Odette ist, dann stimmt die Chemie zwischen ihnen so sehr, als seien sie ein auf ewig aufeinander eingeschworenes Paar.

Er hilft ihr, die Penchés und die Balancen zu absolvieren, die vielen zigfachen Pirouetten und die superben Attituden und Arabesken.

Und da gibt es eine Figur in einem der Pas de deux zwischen Siegfried und Odette, die so exzellent und kraftvoll, gleichzeitig so poetisch und hoffnungsvoll ist, dass es starken Szenenapplaus für sie gibt:

Siegfried stemmt Odette hierzu in vollständig gestrecktem Zustand weit hinauf, mit beiden Händen hält er sie, so hoch es geht, und ihre eng aneinander geschmiegten Beine bilden eine Pfeilspitze des Verlangens, die Richtung Himmel zeigt.

Eine bravouröse Pose, und dass Anna Tsygankova dann noch kurz darauf eine lange, lange Balance auf einem Bein zu zeigen weiß, berückt umso mehr.

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Schönheit und Würde: Anna Tsygankova und Dmitry Semionov beim Applaus nach „Schwanensee“. Foto: Gisela Sonnenburg

Der Höhepunkt der Beziehung zwischen Siegfried und seinem bildschönen, lebenden Traumgebilde ist natürlich der Schluss-Pas de deux von „Schwanensee“, in dem er mit ihr zu fabulieren und von einer Zukunft zu träumen scheint, wie sie in Märchenballetten und eben auch in psychologisch durchwirkten Stücken wie diesem nur allzu angebracht ist.

Doch zuvor muss Siegfried noch einen Ball, noch eine Party überstehen.

Der dritte Akt besteht aus einem Kostümfest (im Originallibretto ist es ein Maskenball), das in Wangs Version in einer Seaworld statt findet.

„Das Leben meint es gut mit jenen, die mitspielen, sich fügen“, verheißt der Libretto-Text, in dem zuvor von „Stockflecken der Seelen“ die Rede ist. Und ein gewisser Ton der Bitternis darf hier nicht überhört werden. Auch wenn es heißt: „Das Angebot ist riesig. Für jeden ist etwas dabei.“

Aber auch: „Es gibt so viel zu verlieren jenseits der Träume.“

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Anna Tsygankova und Stephanine Ricciardi beim Schlussapplaus nach „Schwanensee“ in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Und dann taucht da diese begehrenswerte, kokett-laszive Mademoiselle auf, die Siegfrieds Vater für ihn vorgesehen hat. Siegfrieds Freundin ist ihm nämlich nicht gut genug bzw. sieht er, dass sein Sohn ganz leicht von einer anderen dominiert werden könnte.

Und diese Andere hat verblüffende Ähnlichkeit mit Siegfrieds Traumfrau, mit Odette – es ist der schwarze Schwan.

Das scharze Tutu ist hier aber kein Federgewand, sondern hat, als Pendant zum weißen Eisglitzern des Tutus von Odette, ein mineralisches Funkeln wie von schwarzem Diamant oder auch von Kohle.

Das erinnert unwillkürlich an all die geschlossenen Zechen, die zuvor jahrhundertelang das Ruhrgebiet prägten.

Kohle, das schwarze Gold, ziert hier in Form von Glitzerstaub die ungekrönte Königin des Balls, der High Society Party.

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Beim Schlussapplaus trägt sie wieder Weiß: Anna Tsygankova als Odette / Odile in „Schwanensee“ in Dortmund. Neben ihr Stephanine Ricciardi, die Siegfrieds Freundin tanzt. Foto: Gisela Sonnenburg

Ach, und wie die Farbe Schwarz der schönen Anna Tsygankova steht!

Ihr Gesicht, das in den weißen Akten die Sorgen Siegfrieds mit ausdrückt und sich in eine Leidensmiene wandelt, ist als Odile, also als schwarzer Schwan, von fast hochmütiger Lebenskraft.

Was für eine majestätische Person!

Siegfrieds Vater jubelt sie seinem Sohn regelrecht unter, er hat ihn wohl gut studiert oder gar beobachten und bespitzeln lassen – Siegfried fällt drauf rein und bemerkt die kühle Arroganz, die kalte Verachtung in Odiles Blicken nicht.

Ihr edelschöner Körper, im feinen Schwarz vorzüglich zur Geltung kommend, hat ihn gleich betört!

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„Schwanensee“-Bühnenszene in anderer Besetzung als am 11.12.16 in Dortmund – auch sehenswert! Foto: Ballett Dortmund

Und sie tanzen die bekannten Paartanz-Schritte, als wären sie das optimale Pärchen… Er springt gnadenlos virtuos, um sie und alle Anwesenden zu beeindrucken, und sie legt ihre seriellen Fouettés abwechselnd mit mehrfach gedrehten Pirouetten en dehors so klar und akkurat und triumphierend bravourös hin, dass man aufspringen und „Bravo“ rufen möchte.

Der Jubel des Publikums ist denn auch enorm!

Hinzu kommt das ganze Flair dieser unter der Hand verkrachten Elite-Gesellschaft, dieses apokalyptische Flair von Wir-die-Gewinner, ha!

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Die reizende Karina Moreira probt „Schwanensee“ von Xin Peng Wang beim Dortmund Ballett. Foto: Gisela Sonnenburg

Da tanzt Karina Moreira, diese begabte Allrounderin, den Ungarischen Tanz, Risa Terasawa heizt mit ihrem Solo beim Spanischen Tanz ein, Sae Tamura entlockt einem Juchzer mit ihrem Russischen Tanz und Stephanine Ricciardi (wieder sie!) begeistert mit dem Solo des Neapolitanischen Tanzes. Hey!

Ja, hier lässt man es krachen, aber die Spannungen und Konflikte, die der mächtige Vater wohl seit Jahrzehnten unter den Teppich gekehrt hat, drohen immer wieder, aufzubrechen.

Und flugs entfernt sich die kühne Überraschung des Festes, Odile ist eine Meisterin darin, einen jungen Mann erst heiß zu machen und ihn dann völlig irritiert sitzen zu lassen. Sie will immer noch mehr begehrt werden…

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Eine Hebung auf der Party…. so zu sehen in „Schwanensee“ von Xin Peng Wang, hier auf einer Probe im Ballettzentrum in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Sie verkörpert das Böse, zweifelsohne, in seiner weiblichen Gestalt, wie der seine spitz gesprungenen Cabrioles niedrig haltende Patriarch für die typisch männliche Unterdrückerkraft steht.

Eigentlich wären sie das idealtypische Paar der Bosheit… aber der Mann hat etwas Anderes vor…

Da sitzt denn auch, wie ein Orakel und unerreichbar von den anderen ein kalkweiß geschminkter, alter Halbgott auf einem aus weißem Leinen bestehendem, säulenartigen Zylinder.

Diese symbolhafte Installation erinnert an manche Arbeiten des bildenden Künstlers Rupprecht Geiger, der mit tiefrotem Textil das Morgengrauen eines Tages im Krieg ausdrückte.

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Stephanine Ricciardi (Siegfrieds Freundin) und der Corps de ballet beim Applaus nach „Schwanensee“. Foto: Gisela Sonnenburg

Hier ist es nicht Rot, sondern die ewige Farbe Weiß. Sie verleiht dem „Schwanensee“ den Ausdruck seiner Spiritualität.

Der vierte Akt bedeutet Spannung und Spiritualität in eins.

Musikalisch wurde er dank Christian Baier, dem Musikwissenschaftler, der in Wangs Dortmunder Team die Dramaturgie macht, aufgerüstet: Hinzu kam Tschaikowskys Hamlet-Konzertouvertüre.

Siegfried flüchtet hier wieder in seine Traumwelt. Hinter ihm erscheint mal drohend, mal beruhigend ein riesenhafter Spiegel, schräg am Firmament hängend.

Die Unterwasserwelt hat ihre spiegelnde Oberfläche erhalten.

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Alle – auch der Dirigent Motonori Kobayashi – beim jubelnden Schlussapplaus nach „Schwanensee“ am 11.12.16. Foto: Gisela Sonnenburg

Das Bühnengeschehen verdoppelt sich darin…

Der unglückliche und verwirrte Siegfried hat jetzt ein Double.

Alles hat jetzt ein Double.

Im Mittelalter glaubte man, die Welt sei Eins zu Eins im Jenseits, im Himmel, wieder zu finden. Man glaubte, ja hoffte auf die Verdoppelung dessen, was man kannte.

Hier tauchen die Schwäne auf, verdoppelt vom Spiegelbild der Wasseroberfläche.

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Probe eines Pas de deux im Ballettzentrum in Dortmund für „Schwanensee“. Foto: Gisela Sonnenburg

Und die eine Schwänin, die ihn liebt, den unglücklich erregten Siegfried, sie schafft es, ihm Mut zuzusprechen: ohne Worte, aber mit Gesten, Schritten, Tanzgebärden.

Wieder bricht er aus dem Pas de deux aus, wieder hadert er zu sehr mit sich, um ein ungebrochener Partner zu sein.

Und wieder holt sie ihn zurück in ihre vitale Sphäre.

Anna Tsygankova befindet sich zweifelsohne auf dem Gipfel ihres künstlerischen Könnens, ihre Balancen sind von erlesener Güte, ihr Mienen- und Port-de-Bras-Spiel vermittelt all jene lyrisch-dramatische Ausdruckskraft, die im Ballett so zwingend notwendig ist. Und die doch so schwer zu erreichen ist!

Odette ist hier die Frau, die, einer Göttin gleich, den armen, geschundenen, seelisch erschöpften Mann aufrichtet und zu neuen Taten anspornt.

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Eine Beziehung wird besprochen, beruflich gesehen: Karina Moreira und Hiroaki Ishida auf der Probe zu „Schwanensee“ im Ballettzentrum in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Wenn er sie dann hebt, dann ist das, als würde die Liebe ein Wunder vollbringen.

Wenn er sie durch die Luft wirbelt und in einem fabelhaften „Fisch“ an sich hält, dann sind sie ein Pärchen wie Feuer und Wasser.

Ja, und der Vater?

Er kommt und will den Sohn um sein Glück betrügen.

Er will ihn verknechten, aus ihm einen Sklaven machen, er packt ihn am Nacken und wirft ihn zu Boden.

Er will die Träume und auch den Träumer selbst zerstören.

Aber er hat die Rechnung ohne die kluge Odette und ihre Schwanen-Armada gemacht!

Als Siegfrieds Liebe und als seine Fantasieausgeburt hat einzig Odette die Kraft, den Vater zu bezwingen.

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Ein schönes Pärchen – synchron und im Takt. Auf der Probe zu „Schwanensee“ von Xin Peng Wang in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Ihre Schwanenmädchen huschen wie weiße Geister um den Patriarchen herum. Hier läuft ein Schwarm vor ihm umher und dort hüpft ein Schwarm weißer Schwäne um ihn herum.

Ihm schwinden die Sinne, er taumelt, er weiß nicht mehr, wohin…

Sie umzingeln ihn. Er hat keine Chance mehr, der böse alte Mann…

Sie drücken ihn an die Wand, er verschwindet im Schwarz des Horizonts.

Siegfried, am Boden, schon todesbereit, wird zu neuem Leben erweckt, wieder ist es Odette, die ihn aufrichtet mit ihrer Magie – und dieses Mal hat sie es geschafft, er bleibt stark, er wird zu sich finden, sie kann gehen.

Es ist ein Abschied ohne Tränen.

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Der Coprs de ballet bildet einen Reigen – auf der „Schwanensee“-Probe in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Und auch, wenn das Vater-Verwirr-Spiel mit den weißen Geistgestalten an die Szene mit Hilarion im zweiten Akt aus „Giselle“ erinnert und das noble Zu-Boden-Fallen des erschöpften Siegfrieds an Albrecht (ebenfalls aus „Giselle“) – das Adieu von Odette ist kein tränenseliger, von Reue getragener Abschied auf Leben und Tod wie zwischen Albrecht und Giselle.

Das romantische „Giselle“-Geschehen wird zitiert, um überhöht zu werden von einer modernen Anmutung, einer modernen Wertigkeit: dem Glück des Individuums und seinem Recht auf Freiheit.

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Dmitry Semionov vermag die ästhetisch-modernen LInien, die typisch für Wangs Ballett sind, vorzüglich zu zeigen. Hier auf der „Schwanensee“-Probe. Foto: Gisela Sonnenburg

So findet sich Siegfried allein wieder, er geht auf die Schwäne zu, verdoppelt im Spiegel über sich, doch die Schwäne weichen, ganz langsam, geben seinem Drängen nach und verflüchtigen sich.

Er dreht sich um. Er muss ihnen nicht folgen. Sie waren für ihn da, sie haben ihn gerettet. Jetzt muss er ihr Werk vollenden – und leben!

Siegfried hebt seine Hand. Die Handfläche ist aufgestellt, die Finger sind leicht gespreizt. Es ist das Bild, die Pose, vom Anfang, und doch ist alles ganz anders jetzt.

Siegfried wird ein neues Leben beginnen. Wir gönnen es ihm!

"Schwanensee" mit dem Ballett Dortmund ist toll.

Prägnante Gestik: „Dima“ Semionov probt „Schwanensee“ von Xin Peng Wang in Dortmund. Foto: Gisela Sonnenburg

Was für eine großartige Neudeutung des klassischen „Schwanensees“ hat Xin Peng Wang uns da geschenkt. Danke!

Aus dem verwöhnten Balg einer Königin wird ein unsicherer Sprössling eines Patriarchen, der um sein Lebensrecht mit den Mitteln seiner Fantasie kämpfen muss. Nur dann kann er gewinnen, kann sich entwickeln, seinen Lebensweg ohne behindert zu werden gehen.

Nur dann hat der Mensch eine Zukunft: wenn er seine Fantasie einsetzt, um sich zu befreien.

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Der spitz abgewinkelte Unterarm: Auch das ist eine typische Bewegung im Tanzvokabular von Xin Peng Wang, hier fein geprobt von Dmitry Semionov für „Schwanensee“. Foto: Gisela Sonnenburg

„Schwanensee“ hat von Xin Peng Wang diese neue Botschaft erhalten. Die Schwäne rufen sie uns zu, während sie tanzen, ohne Worte, aber dennoch unendlich beredt – und ganz gegenwärtig.
Gisela Sonnenburg

Termine: siehe Spielplan

Und hier bitte zur Besetzung der Hauptrollen mit Haruka Sasse und Javier Cacheiro Alemán:

www.ballett-journal.de/ballett-dortmund-schwanensee-wang-sasse-cacheiro/

www.theaterdo.de

ballett journal